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Debüt / Archiv | Beitrag vom 28.09.2012

Kraftvoll und genial

Johannes Brahms: Variationen über ein Thema von Joseph Haydn B-Dur op. 56b für zwei Klaviere (1873)

Von Robert Nemecek

Der deutsche Komponist Johannes Brahms (Foto um 1889) (picture alliance / dpa)
Der deutsche Komponist Johannes Brahms (Foto um 1889) (picture alliance / dpa)

Wenn ein Komponist ein Stück für zwei Pianisten schreiben will, kann er sich entscheiden, ob es für Klavier zu vier Händen sein soll oder für zwei Klaviere. Der Unterschied besteht im Falle von zwei Klavieren in einem erheblichen Zugewinn an gestalterischen und klanglichen Möglichkeiten.

Denn zum einen kann jeder der beiden Pianisten nach Belieben über die gesamte Klaviatur verfügen ohne dass ihm ein anderer ins Gehege kommt. Zum andern ist das Klangpotential erheblich größer als bei nur einem Instrument. Es ist dem eines Orchesters ebenbürtig. Vor allem dieser Faktor dürfte ausschlaggebend gewesen sein, als sich Johannes Brahms 1873 für eine Zwei-Klavier-Version seiner Haydn-Variationen entschied. In dieser Form eignete sich die Komposition hervorragend als Modell für die geplante Orchester-Version, die fast parallel zur Klavierversion entstand. Heute sind die Haydn-Variationen vor allem in der Fassung für Orchester bekannt. Dabei ist die Klavierfassung so orchestral und farbig wie ein Klavierwerk nur sein kann.

Die Grundlage der Variationenfolge bildet der Chorale St. Antoni aus einem Divertimento in B-Dur für Blasinstrumente, das früher Joseph Haydn, heute jedoch einem seiner Schüler zugeschrieben wird. Brahms faszinierten offenbar Frische, Kraft und Festigkeit des Themas, das vermutlich auf einen alten Wallfahrtsgesang zurückgeht. Bassfundament und Periodik (zwei Abschnitte aus fünf Takten) bleiben durch alle acht Variationen erkennbar an den ursprünglichen Choral angelehnt, während Harmonik und Melodik in stetem Wandel begriffen sind. Die Variationen 2 und 4 erklingen in Moll, wodurch sich ihr Charakter grundlegend ändert. Wiederum ganz anders ist die Scherzo-artige Variation 5 mit ihren kapriziösen Terzen, während in Nummer 6 wuchtige Hornmotive den Ton angeben. Völlig gegensätzlich geraten sind die anschließende Siciliano-Variation (Nr. 7) und die in rasenden Sechzehnteln dahin eilende Presto-Variation Nr. 8, die ganz ohne thematisches Profil auskommt. Umso großartiger wirkt danach die prachtvoll inszenierte Wiederkehr des Variationsthemas im Passacaglia-Finale, in dem Brahms eine geniale Synthese von Romantik und Barock gelingt.


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