Seit 14:05 Uhr Kompressor
Mittwoch, 22.09.2021
 
Seit 14:05 Uhr Kompressor

Alltag anders | Beitrag vom 30.04.2021

Korrespondenten berichten überSprichwörter

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Ein Pferd gähnt (Imago / Shotshop)
Schau mir in die Zähne, Kleines! Sehr gern, solange das Pferd nicht geschenkt ist. (Imago / Shotshop)

In Südamerika sind Sprichwörter verbreitet, die es auch im Deutschen gibt. Nur kommen einem Dinge dort nicht spanisch, sondern chinesisch vor. Ein Vogel, der die ganze Zeit nur zwitschert, kann kein Nest bauen, heißt es in Südafrika.

Oliver Neuroth aus Madrid:

"Spanier lieben Sprichwörter. Ein sehr schönes spanisches Sprichwort ist: 'Más vale pájaro en mano que buitre volando.' Ein Vogel in der Hand ist mehr wert als ein fliegender Geier, würde man es übersetzen. Das bedeutet, man begnügt sich besser mit den Dingen, die man hat. Mag ich sehr gerne. Oder ein anderes spanisches Sprichwort, das mir gut gefällt: 'A otro perro con ese hueso' - gib diesen Knochen einem anderen Hund. Das bedeutet sowas wie: Erzähl mir doch bitte keine Märchen." 

Silke Diettrich aus Neu-Delhi:

"Es gibt in Indien natürlich sehr viele Menschen, die gerne Sprichwörter benutzen. Wenn mal jemand mit dem Essen nicht so zufrieden ist, das die Liebste für ihn gekocht hat, dann gibt’s in Indien ein eher negatives Sprichwort. Dann sagt jemand schon mal ganz schnell: 'Naja, wie soll ein Affe auch wissen, wie Ingwer schmeckt.' Und darauf antwortet man: 'Du hast überhaupt keine Ahnung, der Affe weiß ja auch nicht, wie Ingwer schmeckt und du hast keine Ahnung, was für ein tolles Gericht ich hier für dich zubereitet habe.'"

Ivo Maruscyk aus Buenos Aires:

"Viele Sprichwörter, die wir aus dem Deutschen kennen, sind auch in Südamerika weit verbreitet. Einem geschenkten Pferd schaut man nicht auf die Zähne. Das ist Eins zu Eins der geschenkte Gaul, dem man nicht ins Maul schaut. Es gibt in Südamerika auch ein paar andere Vergleiche, zum Beispiel den Satz: "Donde se come pan, migas se quedan." - wo man Brot isst, fallen Brösel runter. Würde ich jetzt mal frei übersetzen: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Oder im Spanischen sucht man nicht das Haar in der Suppe, sondern man sucht die fünfte Pfote an der Katze, also wenn jemand unbedingt ein Problem suchen will. Es sind im Prinzip die gleichen Weisheiten, aber manchmal sind die Analogien ein bisschen anders. Man sagt ja auch im Deutschen: Das kommt mir spanisch vor. Auch dafür gibts in Südamerika eine Entsprechung. Hier kommen einem die Dinge natürlich nicht spanisch vor, sondern hier kommen sie einem chinesisch vor." 

Jana Genth aus Johannesburg:

"Sprichwörter spielen eine große Rolle, die Leute in Südafrika haben das in ihrem Sprachgebrauch einfach drin. Zum Beispiel: 'A chattering bird builds no nest.' Ein Vogel, der nur zwitschert, baut kein Nest. In Südafrika gibt es auch dieses Sprichwort: 'If two elephants fight, it’s the grass that gets trampled.' Wenn zwei Elefanten kämpfen, wird das Gras zertrampelt - also es gibt Kollateralschäden und man muss sich immer überlegen, ob es das wert ist." 

Ruth Kirchner aus Peking:

"Die chinesische Sprache ist quasi durchsetzt von Sprichwörtern. Es gibt so ein Sprichwort, das heißt: Der Vogel, der seinen Kopf zuerst raussteckt, wird erschossen. Klingt jetzt ein bisschen martialisch, aber dahinter steckt die Idee, dass man sich eben an- und einpassen muss in eine Gesellschaft. Es gibt ein anderes Sprichwort, das man auch ab und an hört: Wenn man eine große Katastrophe überlebt hat, wird man zukünftig Glück haben. Auch relativ häufig: Ein Mal sehen ist besser als hundert Mal hören. 'Bǎiwén bùrú yíjiàn', heißt das auf Chinesisch. Ein Sprichwort, das mir immer wieder begegnet und das es auch im Deutschen überhaupt nicht gibt: Ein Huhn töten, um die Affen zu erschrecken. Damit will man sagen, dass man an jemandem ein Exempel statuiert - ein Huhn töten, um die Affen zu erschrecken."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne per E-Mail an alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de.

Mehr zum Thema

Korrespondenten berichten über - Mutterschutz
(Deutschlandfunk Kultur, Alltag anders, 23.04.2021)

Korrespondenten berichten über - Vornamen
(Deutschlandfunk Kultur, Alltag anders, 16.04.2021)

Korrespondenten berichten über - Duzen
(Deutschlandfunk Kultur, Alltag anders, 09.04.2021)

Studio 9

30 Jahre Pogrom von HoyerswerdaSchwieriges Gedenken
Gedenkstele in Hoyerswerda zeigt einen Regenbogen und die Aufschrift "Herbst 1991" (picture alliance / ZB | Jens Kalaene)

Am 18. September 1991 griffen Neonazis in Hoyerswerda ein Wohnheim von Vertragsarbeitern aus Vietnam und Mosambik an. 30 Jahre später erinnert die Stadt an das mehrtägige Pogrom. Auch Opfer von damals sind in die Stadt zurückgekehrt. Mehr

weitere Beiträge

Hörgame

Kakadu

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur