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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 05.04.2019

Korrespondenten berichten über Sparsamkeit

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Nahaufnahme der Hand einer alten Frau, die ein paar Münzen zählt.  (imago stock&people)
Die meisten Südafrikaner sparen. Sie schauen, wann und wo kaufe ich was. (imago stock&people)

Die Inder sparen vor allem für etwas. Und das größte ist die Hochzeit. In Polen leben die Menschen im Hier und Jetzt, und zwar gern über ihre Verhältnisse. In China ein Kind zu bekommen, ist so teuer, da bleibt kaum Geld zum Sparen.

Silke Diettrich in Neu-Delhi:

"Der Inder spart vor allem für etwas. Und das größte ist die Hochzeit. Und das im Speziellen für die Tochter. Sobald eine Tochter auf die Welt kommt, legen die Inder Geld an, weil sie die Hochzeiten bezahlen müssen. Und in aller Regel müssen die Brauteltern Geld anlegen für eine riesige Mitgift. Das kann schon mal ein Auto sein oder Kühlschränke. Sobald eine Tochter auf die Welt kommt, weiß jeder, in dem Haushalt wird an allen Ecken und Enden gespart. Ich hab letztens mit einer indischen Mutter gesprochen, die hat erzählt, dass sie tagelang nur Wasser und Brot zu sich genommen hat, weil sie wollte, dass ihre Kinder eine gute Schulausbildung bekommen."

Jana Genth in Johannesburg:

"Es ist definitiv so, dass Sparsamkeit in Südafrika eine große Rolle spielt. Die meisten Südafrikaner sparen. Die schauen, wann und wo kaufe ich was. Bei der breiten Bevölkerungsschicht, die wenig Geld hat, die leben von der Hand in den Mund. Die haben nicht das große Sparbuch. Wenn sie Geld bekommen, haben die den Wunsch, das schnell wieder auszugeben. Dann kann es nicht verloren geben und nicht geklaut werden. Dann hat man wieder was zu essen auf dem Tisch oder für die Kinder was Neues anzuziehen. Das wird dann schnell ausgegeben."

Thilo Kößler in Washington:

"Sparsamkeit gibt es in den USA nicht. Die Amerikaner sind ein Volk des Geldausgebens. Hier wird gekauft, was das Zeug hält. Das Problem ist nicht nur, dass die Leute nichts zurückgelegt haben, sondern dass sie verschuldet sind. Da geht dieses Kreditkartenspiel los, das hier ausgesprochen exzessiv gespielt wird. Man hat mehrere Kreditkarten mit unterschiedlichen Laufzeiten und versucht mit der einen die Schulden der anderen zu begleichen. Das ist ein Spiel mit ewigen Schulden, das die Leute wahnsinnig unter Stress setzt. Also die Verschuldung ist immens in diesem Land."

Jan Pallokat in Warschau:

"Also Sparsamkeit gibt es hier in Polen eigentlich gar nicht. Der Pole lebt im Hier und Jetzt. Und zwar gern über seine Verhältnisse. Man will zeigen, was man hat. Die Autos werden groß und größer. Sparsamkeit gibt es nicht. Der Pole will es wissen. Er will kaufen und das macht er gern."

Steffen Wurzel in Shanghai:

"Die Löhne sind in China stark gestiegen, aber die täglichen Ausgaben auch, So viel Geld zum Zurücklegen haben Chinesen nicht. Ganz im Gegenteil. Es gibt hier in China den Begriff: Sklave der eigenen Wohnung. Man kauft eine Wohnung auf Kredit und ist dann der Sklave des Kredites. Dasselbe gilt für das Auto und für das eigene Kind. Denn ein Kind zu bekommen ist von vorne bis hinten so teuer. Von der Geburt bis hin zur Privatschule. Da bleibt kaum Geld zum Sparen."

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