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Alltag anders | Beitrag vom 28.02.2020

Korrespondenten berichten überRohrstock

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Mit einem Rohrstock wird für ein Illustrationsfoto am 22.01.2013 im Schulmuseum in Zossen in Brandenburg auf eine Hand geschlagen. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Früher weit verbreitet: Strafen mit dem Rohrstock. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Schläge mit dem Rohrstock: Auch wenn diese Art der Züchtigung heute kaum mehr vorkommt, ist körperliche Gewalt bei der Bestrafung in der Schule und zu Hause noch weit verbreitet, berichten unsere Korrespondenten von Moskau bis Johannesburg.

Thielko Grieß aus Moskau:

"Es gibt offiziell keine Prügelstrafe in Russland. Aber alle paar Wochen kommt mir ein Skandal in die Hände, wo an irgendeiner Schule in diesem großen Land geprügelt worden ist. In den eigenen vier Wänden wird häufig geprügelt. Es gibt Statistiken, denen zufolge kommen zwei Drittel zu Hause mit Gewalt in Berührung und etwa ein Drittel kommt mit Gewalt in der Schule in Berührung. Offiziell ist es nicht erlaubt. Es wird geahndet mit Geldstrafen oder Strafarbeitstagen."

Anne-Katrin Mellmann aus Mexiko-City:

"Man hat mir berichtet, dass an den Schulen bis in die 70er- und 80er-Jahre durchaus körperlich gezüchtigt wurde. Da kamen dann vor allem Lineale zum Einsatz. Der schlagende Vater ist nach wie vor weit verbreitet. Das zeigen auch immer wieder die Statistiken von Frauen und Kindern, die sich in Frauenhäusern und Kinderheime in Sicherheit bringen. In den Armenvierteln, die Mexiko-Stadt umgeben, gibt es sehr viel häusliche Gewalt."

Peter Lange aus Prag:

"Den Rohrstock gibt es nicht. Aber trotzdem mag man in Tschechien bei der Erziehung nicht auf Gewalt verzichten. Etwa zwei Drittel der Eltern schlagen ihre Kinder. Meine Kollegin sagte: Ja, die Väter nehmen gern mal den Gürtel, die Mütter sind rasch mit dem Kochlöffel dabei. Es hat eine Debatte von einer Nichtregierungsorganisation gegeben, das auf die Tagesordnung zu bringen. Das hat bisher keinen Erfolg gezeitigt."

Jana Genth aus Johannesburg:

"Der Rohrstock wird in Südafrika nicht mehr eingesetzt. Aber es gibt noch Familien, die verwenden dann eine Rinderpeitsche. Es ist natürlich so, dass in den schwarzen Communities und den Townships sehr viel mehr häusliche Gewalt praktiziert wird als in wohlhabenderen Gegenden. Ich kenne auch in Südafrika Afrikaans-Familien, die ihre Kinder auch prügeln. Das Kind macht irgendwas, der Vater flippt aus und schlägt sein Kind auf den Popo. Da ist das ist integraler Bestandteil der Familienstruktur. Und die wird auch nicht angezeigt."

Silke Dietrich aus Neu-Delhi:

"Früher wurde der Rohrstock sehr häufig in den Schulen eingesetzt. Es ist definitiv so, dass das in den Schulen verboten ist. Ich habe Freunde in Delhi, die haben gesagt, dass es bei ihnen früher häufiger vorgekommen ist. Egal ob Vater oder Mutter, die sie verprügelt und gefesselt haben. Vor allen Dingen Jungs erzählen mir das. Kinder zu verprügeln, ist kein Thema im öffentlichen Diskurs. Ich hab den Rohrstock hier in Indien mit etwas ganz anderem verbunden. Es gibt hier in Indien in bestimmten Viertel noch Nachtwächter, die hauen immer wieder mit dem Rohrstock auf den Boden. Das ist, damit sie die Straßenhunde von sich fernhalten und andererseits, um auf sich aufmerksam zu machen. Sollte doch ein Dieb umtriebig sein, wissen die: Auweh, der Nachtwächter kommt."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne an diese E-Mail-Adresse: alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de

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