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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 14.08.2020

Korrespondenten berichten überPolizeikontrolle

Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Ein chinesischer Polizist kontrolliert einen Autofahrer. (Picture Alliance / dpa / epa / John Mabanglo)
Ausweis und Fahrzeugpapiere: In China kann es aber auch passieren, dass nicht nur Polizisten einen kontrollieren wollen. (Picture Alliance / dpa / epa / John Mabanglo)

In Mexiko fließt bei Kontrollen schon mal Schmiergeld, in China können Zivilpolizisten die Pressekarte verlangen und in Südafrika heißt Polizeikontrolle: Stau.

Silke Diettrich in Neu Delhi:

"Gerade jetzt in der Coronakrise haben wir sehr viele Videos gesehen, wo Polizisten auf Menschen eingeprügelt haben, die trotz Ausgangssperre dann auf der Straße waren. Das waren vor allen Dingen dann viele arme Menschen. Ich habe oft das Gefühl, wenn ich an eine Polizeikotrolle komme, läuft es eigentlich relativ entspannt. Ich hab ein paar Brocken Hindi gelernt und kann dann so Sachen sagen wie: Ich bin eine waschechte Delhianerin, ich wohne schon seit drei Jahren hier – und dann lachen eigentlich alle und dann geht es auch wieder weiter für mich."

Steffen Wurzel in Shanghai:

"Ich bin in China bislang einmal in eine echte Polizeikotrolle reingekommen. Ich bin auf einer Straße Radgefahren, wo das verboten war. Ich hab es trotzdem gewagt und zack standen die da. Was es natürlich in China auch gibt – ich nenne das immer meine berufsbedingten Polizeikontrollen, dass man also von durchaus dubiosen Menschen angehalten wird und gefragt wird, warum machst du hier ein Interview? Wo ist deine Erlaubnis? Zeig mal deine Pressekarte. Das sind manchmal auch so Zivilpolizisten oder Leute, die glauben, sie hätten irgendwas zu sagen."

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Anne-Katrin Mellmann in Mexiko:

"In Mexiko gilt eigentlich, dass Polizeikontrollen etwas sind, das es grundsätzlich zu vermeiden gilt. Also, ich hab Angst vor Polizeikontrollen. Die sind absolut unberechenbar. Die Polizisten in Mexiko verdienen sehr schlecht. Das heißt, sie müssen irgendwie an Geld kommen. Und das erreichen sie eben häufig so, dass sie einen enormen Druck ausüben auf die Leute, die gerade in der Polizeikontrolle sind. Und wenn der Druck erstmal groß genug ist, und der angebliche Verkehrssünder ausreichend verängstigt, dann steigt auch die Summe des Schmiergeldes, was dann am Ende der Polizist erhält. Ich hab festgestellt in Mexiko, dass die Polizisten es eigentlich schon immer klar signalisieren. Und zwar haben die ja auch so eine Art Bußgeldkatalog. Der wird dann aufgeklappt und ins Auto hereingereicht. Aber es geht nur darum, den Geldschein zu transportieren vom Auto nach draußen! Und oftmals sagen die Polizisten etwas wie: Naja, wieviel haben Sie denn dabei?"

Katrin Senz in Istanbul:

"Toi, toi, toi, muss ich sagen. Ich hab in der Türkei noch keinerlei schlechte Erfahrungen bei diesen Polizeikontrollen gemacht. Als Journalist wird man ja auch gern öfter mal kontrolliert. Ich bin in der Türkei neulich erst wieder in eine Polizeikotrolle gekommen, als ich mit dem Auto unterwegs war. In Klammern: Und zu schnell war. Da waren die Kollegen sehr höflich. Die konnten nur Türkisch und mein Türkisch hat dafür jetzt nicht unbedingt gereicht, alles zu verstehen, was die wollten. Die waren sehr geduldig. Allerdings würde ich nicht empfehlen zu diskutieren."

Jana Genth in Johannesburg:

"Polizeikontrolle in Südafrika heißt Stau. Also wenn die kommen, dann kommen die immer mit mehreren Einsatzfahrzeugen und blockieren eine komplette Autobahnauffahrt. Wir sind in Südafrika übers Wochenende weggefahren und kommen da in eine Polizeikontrolle. Der Polizist wollte meine Fahrzeugpapiere, meinen Führerschein, der wollte alles sehen. Und zeigt das alles so seinem Azubi und sagt, worauf er achten muss. Dann wünscht er uns eine gute Fahrt und ich höre noch, wie er dann seinem Azubi zuruft: Und eigentlich hättst du jetzt fragen müssen, wieviele Plätze im Auto noch frei sind und ob du mitkannst!"

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