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Alltag anders | Beitrag vom 21.05.2021

Korrespondenten berichten über"My home is my castle"

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Ein buntes Puppenhaus im Laderaum eines Autos. (imago / YAY Images / Ben Krut)
Mein Zuhause, meine Festung - wo beides liegt, ist oft Auslegungssache. (imago / YAY Images / Ben Krut)

In Indien lädt man nur Menschen in die Wohnung ein, die in der gleichen sozialen Schicht leben. Spanier treffen sich lieber in Restaurants. Für Wohlhabende in Südafrika ist “my home“ oftmals “my Festung”- wegen der Kriminalität.

Oliver Neuroth aus Madrid:

"Spaniern ist die Wohnung wirklich sehr heilig. Man kommt als Außenstehender oder als Freund wirklich nicht so einfach rein.. In spanischen Städten gibt es einfach nicht so viel Wohnraum. Viele Menschen wohnen in der Regel auf wenig Platz. Die Wohnungen der Leute sind eher klein und auch nicht besonders schön: mit vielleicht einem kleinen Schlafzimmer und einem kleinen Wohnzimmer, in dem man sich auch wirklich nur aufhält, wenn es sein muss. Das heißt: zum Schlafen und vielleicht noch morgens, um einen Kaffee zu trinken. Sonst hält man sich auf der Straße auf. Man geht mit Freunden in Restaurants und Cafés. Dass man in Spanien zum Essen eingeladen wird, das kommt sehr selten vor." 

Silke Diettrich aus Neu Delhi:

"Die Inder sind sehr gastfreundlich und wollen unbedingt ihre Wohnung zeigen. In der Regel lädt man in Indien aber nur Menschen aus der gleichen sozialen Schicht ein. Menschen aus der unteren Schicht würden in die Häuser eigentlich nur reinkommen, um dort sauber zu machen. Die werden von den Menschen aus der oberen Schicht immer noch als so unrein gesehen, dass sie niemals die Dinge benutzen würden, die die Menschen benutzen, die auch in der Wohnung leben. Ich bin in Indien in der Theorie ein Neutrum, aber so gesehen gehöre ich ganz nach oben. Ich bin weiß, ich bin europäisch, ich bin sehr gut ausgebildet. Und mich würden alle Menschen einladen. Die Reichen natürlich auch, um zu zeigen, was sie alles zu Hause besitzen." 

Ivo Maruscyk aus Buenos Aires:

"My home is my castle, das spielt in Südamerika schon eine gewisse Rolle. Wenn man in eine Wohnung eigeladen wird, ist das schon eine gewisse Auszeichnung. Wenn man – nicht nur in Argentinien, sondern in ganz Südamerika ist das so –, also wenn man eine Wohnung betritt, landet man erstmal im Wohnzimmer oder im Salon. Eher ein Tabu ist es, dass man in den hinteren Trakt geht, wo die Schlaf- und Badezimmer sind. Dass einem die ganze Wohnung gezeigt wird, also inklusive Schlafzimmer, das ist nochmal eine andere Nummer." 

Jana Genth aus Johannesburg:

"Die Wohnung in Südafrika ist generell ein totales Heiligtum - also der Ort, an dem ich mich wohl und sicher fühle. Ich glaube, In den besseren Wohngegenden der großen Städten in Südafrika könnte man auch eher sagen: My home is my Festung, weil da die großen Mauern, ein Elektrozaun und Tore drumherum sind, und auch Überwachungsanlagen, damit man sich zu Hause sicher fühlt. In Südafrika ist das zu Hause aber auch ein sehr sozialer Ort, an dem zusammen Zeit verbracht wird. Die genießt man dann auf der Terrasse oder oft am Pool, den es wirklich sehr oft gibt. Da lädt man dann einfach Freunde ein." 

Ruth Kirchner aus Peking:

"In China wird man seltener nach Hause eingeladen. Man trifft sich vielmehr in der Öffentlichkeit. Auch wenn man zu jemandem in die Wohnung kommt, ist das nicht unbedingt üblich, dass einem dann die ganze Wohnung gezeigt wird. Man bewegt sich sozusagen nur im Wohnzimmer. Insofern ist die Wohnung schon ein Rückzugsort. Das ist etwas sehr sehr Privates, wo man eben auch sich nicht so ganz in die Karten gucken lassen will. Auch wenn man zum Essen eingeladen wird, ist das nicht unbedingt so, dass man in China zu jemandem nach Hause geht. Wenn man zum Essen eingeladen wird, trifft man sich in einem Restaurant."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne per E-Mail an alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de.

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