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Alltag anders | Beitrag vom 23.04.2021

Korrespondenten berichten überMutterschutz

Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Vor einem grünlichen Vorhang stehen Mutter und Tochter und halten Hände. (imago / Donwilson Odhiambo)
Die schwangere Viela Akinyi neben ihrer Mutter Rebecca Ambasa: In Kenia ist der Mutterschutz eigentlich gesetzlich geregelt. (imago / Donwilson Odhiambo)

In Kenia umgehen viele Arbeitgeber die Regelungen für werdende Mütter. Schwangere in Schweden arbeiten so lange wie sie können. Russische Mütter erhalten vom Staat für jedes Neugeborene eine größere Summe.

Björn Blaschke aus Kairo:

"Wenn man hier in Ägypten zum Beispiel in einer großen Bank arbeitet, gibt es so was wie Mutterschutz ganz offiziell. Das heißt aber nicht, dass man in der Zeit großartig bezahlt wird. Aber man kann dann die Elternzeit anschließen. Die haben dann das Recht auf Rückkehr auf ihre Stelle, das gibt es schon. Das wird aber von Unternehmen zu Unternehmen, soweit ich weiß, unterschiedlich gehandhabt. Das heißt, wie dann da die Regelung im Einzelnen aussieht, ist oft eine Frage zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber."

Carsten Schmiester in Stockholm:

"Den Mutterschutz als solchen, den gibt es in Schweden im Prinzip nicht. Es gibt kein Beschäftigungsverbot für Schwangere in den Wochen vor oder nach der Geburt. Grundsätzlich steht aber eben die Idee dahinter: Die starke, schwedische Frau, die kann natürlich eine Menge ab!

Außerdem basiert diese Gesellschaft auf dem Gleichheitsmodell, das heißt, Männer und Frauen arbeiten so viel und so lange, wie sie können. Aber man kann wohl auch die Elternzeit ein wenig vorziehen und da schon ein, zwei Wochen vorher damit anfangen. Das wird aber eigentlich wirklich ungern gemacht, weil die Eltern sich die Elternzeit sehr, sehr lange stretchen können, und das wird auf Jahre und Jahre nach der Geburt immer noch als Teil des verlängerten Sommerurlaubes genutzt."

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Antje Diekhans aus Nairobi:

"Es gibt in Kenia Regelungen zum Mutterschutz, da bekommt eine Frau drei Monate vor und nach der Entbindung frei. Es gibt natürlich unheimlich viel Arbeitgeber, die das umgehen wollen und die auch Frauen rauswerfen, wenn sie schwanger sind, was dann nicht nach dem Gesetz ist, aber wo auch, wie bei so vielem in Kenia gilt, man hat kaum eine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren und sich vor Gericht oder sonst wo durchzusetzen.

Das heißt, im Zweifelsfall kommt der Arbeitgeber damit durch, und die Frau hat keinen Mutterschutz, sondern ist arbeitslos."

Thielko Grieß aus Moskau:

"Der Mutterschutz ist in Russland so geregelt, dass eine werdende Mutter 70 Tage vor der Geburt in Mutterschutz gehen kann, und sie kann danach weitere 70 Tage in Mutterschutz bleiben. Russische Mütter bekommen während des Mutterschutzes ihr Gehalt weiter gezahlt, aber es gibt eine ganz wichtige Bedingung: Sie müssen einen regulären Job haben, und einen regulären Job hat nicht jede Frau, hat auch nicht jeder Mann.

Der Schwarzarbeitsanteil, die graue Wirtschaft ist verhältnismäßig ausgeprägt in diesem Land und wer solche Jobs hat, und das sind halt viele, die bekommen während des Mutterschutzes auch keinen Lohnersatz. Der Staat zahlt Geld und zwar eine große Summe für ein neugeborenes Kind. Immerhin gibt es in Russland für jedes Kind jetzt 8000 Euro. Das ist für die allermeisten Familien eine ziemlich große Summe. Dieses Mütterkapital, wie es heißt, ist eine, wie ich meine, russische Erfindung und dient schlicht dazu, die Geburtenrate zu heben."

Katharina Wilhelm aus Los Angeles:

"Ein ganz furchtbares Thema! Die USA sind ja die einzige Industrienation, in der es keinen geregelten Mutterschutz gibt. Menschen an der Supermarktkasse, die ich gefragt habe, die offensichtlich sehr, sehr schwanger aussahen, die ich dann fragte, na ja, wann ist es denn soweit? Die sagte, na ja, so in einer Woche. Da war ich schon ziemlich geschockt. Das ist leider in den USA sehr normal.

Grundsätzlich ist es so, die Regelungen zum Mutterschutz sind Sache der Bundesstaaten und in Kalifornien zum Beispiel gibt es immerhin eine Regelung für Elternpaare, das heißt, es gibt ein 'parental leave', so nennt sich das, bis zu sechs Wochen werden da vom Staat bezahlt."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne per E-Mail an alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de.

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