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Alltag anders | Beitrag vom 23.10.2020

Korrespondenten berichten überMusikunterricht

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Eine Gruppe von vier Mädchen spielt Blockflöte. (picture alliance / dpa / imageBROKER / Florian Kopp)
Blockflöte ist weltweit vermutlich das Instrument überhaupt, wenn es darum geht, dass Kinder musizieren lernen. (picture alliance / dpa / imageBROKER / Florian Kopp)

In Spanien müssen Schüler ein Instrument lernen. Die Geige ist in Singapur das Instrument der Wahl. Chinesische Kinder singen jeden Morgen die Nationalhymne. Die Türken lieben musikalische Melancholie. Und in Argentinien dudelt immer ein Radio.

Oliver Neuroth aus Madrid:

"In Spanien spielt Musikunterricht an Schulen eine relativ große Rolle, denn es ist so, dass es für Schüler Pflicht ist, ein Instrument zu lernen, und das ist in der Regel die Flöte. Ich glaube, dass diese Tatsache, dass der Musikunterricht sehr groß geschrieben wird, sich auch darin zeigt, dass Spanier sehr musikalisch sind. Viele singen gerne, auch im normalen Hausgebrauch. Dass ein Spanier summend über die Straße läuft, ist recht häufig zu sehen. Hier spielt ja sowieso die Familie eine sehr, sehr große Rolle. Es gibt auch viele Feste mit der Familie, da wird auch gemeinsam musiziert, gesungen und getanzt."

Lena Bodewein aus Singapur:

"Musikunterricht ist in Singapur unbedingt Teil der guten Bildung. Geige ist sozusagen das Instrument der Wahl. Auch schön: Es ist bei vielen älteren Leuten sehr verbreitet, dass man Musik oft draußen macht. Ich sehe manchmal beim Joggen im Singapurer Botanischen Garten kleine Gruppen, die sich morgens um sieben hinsetzen und zusammen singen oder auf einer alten chinesischen Flöte spielen oder auch auf so einer einseitigen chinesischen Geige. Es gibt einen Dirigenten, Kahchun Wong, der ist aus Singapur und jetzt Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker. Der kommt auch immer mal wieder hierher, um in Kindergärten und Schulen den Zauber der Musik nahe zu bringen. Und da sind sie Singapurer sehr stolz drauf, ein Sohn ihrer Stadt, was der alles geschafft hat: Schaut mal Kinder, ihr müsst jetzt auch ein bisschen mehr lernen."

Axel Dorloff aus Peking:

"Es ist das, was sich viele ehrgeizige, chinesische Eltern erhoffen, dass ihr Kind ein Instrument spielt. Es ist klassischerweise in China so, dass die Musikerziehung in den letzten Jahrzehnten immer auch eine politische Note hatte, einen politischen Zweck, wenn man so will. Im Sinne der kommunistischen Partei gehört das Lernen und Singen roter Revolutionslieder weiter zum Schulalltag. Es wird auch gemeinsam jeden Morgen vor der Schule die Nationalhymne gesungen und deshalb ist es so, dass der Musikunterricht in China immer noch eine ideologische Komponente hat."

Karin Senz aus Istanbul:

"Die Musik spielt eine ganz wichtige Rolle. Es sind auch gern melancholische Lieder, wo der Türke ein bisschen leidet. Die Lieder lernt man von Kindesbeinen an. Das ist etwas, dass die Eltern den Kindern in der Türkei einfach weitergeben. Die Musik und das gemeinsame Singen schaffen ganz viel Gemeinsamkeit und das macht man auch mit Freunden, wenn man abends unterwegs ist, wenn man tagsüber unterwegs ist. Ich war neulich im Urlaub, da saß ein junger Mann mit Gitarre und hat am Lagerfeuer diese Lieder gespielt. Das sind Szenen, die kennen wir auch aus Deutschland, das hat aber in der Türkei noch einen viel höheren Stellenwert."

Ivo Marusczyk aus Buenos Aires:

"Musik ist in Argentinien im Alltag enorm wichtig. Es dudelt ständig irgendein Radio oder ein mp3-Player. Musik ist wichtig, Musik ist beliebt, alle singen auch gerne mit, aber selber musizieren hat nicht so ganz den gleichen Stellenwert ,wie man es aus Deutschland kennt. Es gibt in der Stadt Musikschulen, aber die meisten, die ein Instrument lernen wollen, müssen es wirklich auf Privatinitiative machen."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne an diese E-Mail-Adresse: alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de

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