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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 08.02.2019

Korrespondenten berichten über Kiez

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Junge Menschen in einer Bar in Paris (dpa / picture alliance / Nicolas Carvalho Ochoa)
In Paris ist der Kiez außerordentlich wichtig, der heißt hier cartier, das Viertel. (dpa / picture alliance / Nicolas Carvalho Ochoa)

In Buenos Aires sind die Leute sehr stark mit ihrem Viertel verbunden. Da ist man auch schnell mit dabei und gehört zum Kiez. In Peking hat man dieses Gefühl nicht so richtig und in Los Angeles kennt man manchmal seinen eigenen Nachbarn nicht.

Jana Genth in Südafrika:

"Kieze gibt es in Südafrika eigentlich nicht, aber es gibt so Viertel und Ecken in verschiedenen Städten, die ihr Eigenleben entwickelt haben, gerade in Johannesburg. Ich bin hier erst vor drei Wochen in meine Wohnung eingezogen und da habe ich auch gleich von den Nachbarn gehört, gehe mal in das und das Café, da sind wir dann alle. Sofort war ich da Teil von dem Ganzen: Ach, du wohnst jetzt auch hier in dem Viertel, wenn du willst komm einfach mit dazu, ist immer total nett."

Ivo Marusczyk in Buenos Aires:

"Den Begriff des Kiezes gibt es in Buenos Aires auch, dass die Leute sehr stark in ihrem Viertel sind. In meinem Kiez hier, gibt es nur ein paar Läden und da kennt man sich auch sehr schnell. Und wenn ich mal zwei Wochen nicht in meinen kleinen Laden gehe, dann werde ich sofort gefragt: Oh, wo warst du denn? Warst du im Urlaub, wir haben dich lange nicht mehr gesehen? Da ist man schon sehr schnell mit dabei und gehört zum Kiez."

Jürgen König in Paris:

"Der Kiez ist außerordentlich wichtig, der heißt hier natürlich cartier, das Viertel, oder la rue, die Straße oder auch nur le coin, das ist dann die Ecke, eine kleine Kreuzung, wo man sich trifft. Auch manche Kneipen heißen so. Ich wohne in Paris in einer Straße, da gibt es drei Fischläden, einen Käseladen, zwei Fleischer, drei Bäcker, einen Blumenladen, ein Spätkauf, zwei Cafés, zwei Brasserien und drei Restaurants. Entsprechend viel ist da auch ununterbrochen los, in den ganzen Kneipen, die ja zur Straße hin offen sind, rund um das Jahr, auch im Winter. Die Neigung zum Schwätzchen an den Supermarktkassen, egal wie lang die Schlange hinter einem wird, also, das ist sehr wichtig, diese Anbindung ans Cartier. Man weiß auch vergleichsweise viel voneinander."

Nicole Markwald in Los Angeles:

"Der Kiez, das ist wirklich eine schwierige Angelegenheit. Hier in LA kennt man manchmal seinen eigenen Nachbarn nicht. Unseren Nachbarn rechter Hand habe ich noch nie gesehen. In einer Stadt wie New York zum Beispiel, leben Leute mit ganzem Herzen, sagen wir mal in Brooklyn oder Park Slope, das sind ja so die angesagten Kieze im Moment. New York ist aber eben auch eine Fußgängerstadt und LA ist es halt überhaupt nicht, wobei ich jetzt hier einem Stadtteil wie Echo Park oder Silver Lake oder Venice, das nicht absprechen möchte, dass die Bewohner da ein Kiezgefühl haben. Ich habe es hier in Santa Monica überhaupt nicht."

Benjamin Eyssel in Peking:

"Ich wohne in Sanlitun, das ist so ein Ausgehviertel, mit vielen Restaurants, viel Halli Galli in der Nacht. Hier hat man schon ein bisschen so ein Kiez-Gefühl, aber es ist jetzt auch nicht besonders chinesisch. Doch ich habe in Peking auch schon in einem Hochhaus gewohnt, da hatte ich dieses Kiezgefühl nicht so richtig."

"Alltag anders" – wie immer zusammengestellt von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt. Und wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gern an diese Adresse Alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de

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