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Alltag anders | Beitrag vom 28.06.2019

Korrespondenten berichten überHIV

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Ein Aktivist trägt ein Aids-Logo um den Körper, das etwa genauso groß ist wie er. Er geht auf einer Straße in Bhubaneswar in Indien. (Imago Images/ Zuma Press)
HIV und Aids sind auch in Indien ein großes Thema. (Imago Images/ Zuma Press)

Während das Bewusstsein in den USA so stark gestiegen ist, dass sich Sexualpraktiken nach der HIV-Infektion richten, ist in Südafrika der Wunsch, ohne Kondom Sex zu haben, noch sehr verbreitet. In Indien ist das Thema Verhütung tabuisiert.

Jana Genth in Johannesburg:

HIV ist ein Riesenthema in Südafrika. Das Land gehört ja zu den Ländern, die die höchste Ansteckungsrate weltweit haben. Es gibt gerade am Ostkap immer noch Menschen, die glauben, dass Sex mit Jungfrauen sie vom HIV-Virus heilen kann. So breitet sich die Infektion extrem aus. Viele Schulmädchen – und das fängt schon mit zehn Jahren an – leisten sich einen älteren Mann, dem sie sexuelle Dienstleistungen anbieten. Er macht ihnen schöne Geschenke. Oft sind das halt HIV-positive Männer, die dann ihre Infektion weitertragen. In Südafrika ist der Wunsch ohne Kondom Sex zu haben sehr verbreitet. Viele Männer lehnen das dann ab. Es sind die Frauen, die dann aufstehen müssten, aber das trauen sich die meisten nicht. Und so nimmt dann die Sache ihren Lauf.

Silke Diettrich in Neu-Delhi:

Indien ist gut darin, Menschen zu versorgen, die AIDS haben. Wo sie nicht so gut sind, sind die Präventivmaßnahmen. Die Inder sind wahnsinnig prüde. Das Maximum an einer Kampagne, die ich mal gesehen habe, da war ein Typ, der hat eine Banane in der Hand gehabt und hat dann so eine Plastikfolie da drum gewrungen und dazu gesungen: "No cover no lover." Aber damit wird ein Großteil der Inder und Inderinnen gar nichts anfangen können. Die Verhütung wird kaum thematisiert, weil man prüderweise davon ausgeht, dass Inder, die alle verheiratet sind, gar nicht fremdgehen. Deswegen fragt man sich, warum man diese Krankheit überhaupt bekommen kann.

Jan Pallokat in Warschau:

Die offiziellen Zahlen sehen in Polen günstig aus. Da gibt es nicht mehr als ein paar zehntausend Infektionen seit den 80er Jahren. Die Frage ist nur, wie hoch die Dunkelziffer ist. Wir haben in der benachbarten Ukraine teilweise epidemische Ausmaße inzwischen. Das kommt vielleicht auch ins Land, weil sehr viele Ukrainer hier legal und illegal beschäftigt sind. Eine interessante Sache hier in Warschau ist, dass es die erste Praxis gibt, wo sich Menschen aus Risikogruppen HIV-Medikamente besorgen können. Anders als im Westen ist das allerdings eine rein private Initiative. Es gibt hier kein staatliches Programm.

Thilo Kößler in Washington:

Heute leben in den USA etwa 1,2 Millionen Menschen mit HIV. Die Ansteckungszahlen sind rückläufig. Und Trump hat letztens eine Rede gehalten und versprochen, dass man diese Epidemie in zehn Jahren in den Griff bekommen hat. Auf der anderen Seite ist aber auch das Bewusstsein so stark gestiegen, dass sich die Sexualpraktiken nach dieser Krankheit auch richten. Insofern ist es in der Gesellschaft angekommen.

Steffen Wurzel in Shanghai:

Das wird nicht groß thematisiert von Seiten der Regierung, aber NGOs, die sich um das Thema HIV kümmern, gibt es verhältnismäßig viele. Und die warnen. Besonders stark ist die Ansteckungsrate bei Heterosexuellen. Weil viele Menschen heimlich schwul sind, ungeschützten Verkehr haben und HIV dann mit nach Hause bringen zur Frau, die sie als Kulisse haben, um den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen.

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne an diese Email-Adresse: Alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de

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