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Alltag anders | Beitrag vom 22.02.2019

Korrespondenten berichten über Hebammen

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Nahaufnahme einer schwangeren Frau, die von einer Hebamme untersucht wird. (Oleksiy Maksymenko / dpa / picture alliance)
In Polen gibt es ein großes Sicherheitsbedürfnis. Die Hebamme ist bei der natürlichen Geburt immer dabei. (Oleksiy Maksymenko / dpa / picture alliance)

In Südafrika sind Hebammen in gewisser Weise Luxus. In Indien haben sie einen ziemlich schlechten Ruf. In China gibt es sie gar nicht.

Silke Diettrich in Neu-Delhi:

"Es gibt in Indien auch Hebammen, aber die haben einen ziemlich schlechten Ruf. Hebammen verbinden die meisten Inder damit, dass das ungebildete Frauen vom Land sind. Ein deutscher Kollege von mir hier in Indien hat erzählt, dass seine Frau ein Kind bekommen hat und eine Hebamme engagiert hat. Die indischen Kollegen haben gesagt: Ihr hattet eine Hebamme? Wie kann ein gebildeter Mann eine so ungebildete Frau auf seine Frau loslassen. Die modernen Mittelklassehebammen würden niemals auf die Idee kommen, eine Hebamme bei der Geburt dabei zu haben."

Jana Genth in Johannesburg:

"Es gibt auch in Südafrika Hebammen, aber die sind deutlich weniger, weil sie in gewisser Weise Luxus sind. Hebammen muss man bezahlen und das können die wenigsten. Das sind die besser Betuchten, die sich das leisten können. Aber der größte Teil der Bevölkerung gebärt ohne Krankenhaus und ohne Hebammen. In den Townships werden die Kinder auch noch ganz normal in den Hütten geboren und dann helfen Familienangehörige, aber keine Hebammen. In Südafrika ist es in der Regel so, dass die Kinder nach der Geburt sofort gesegnet werden. Das passiert dann rituell. Da werden Schwüre gesprochen und in die Gemeinschaft aufgenommen."

Thilo Kößler in Washington:

"In den USA werden Kinder in der Regel im Krankenhaus zur Welt gebracht. Es gab sogar mal die Mode, dass man selbst wenn es gar nicht nötig war, einen Kaiserschnitt gemacht hat. Aber die Hausgeburt ist gerade auf dem Land verbreitet. Deshalb gibt es auf dem Land mehr Hebammen. Das ist ein unglaublicher Flächenstaat. Es sind sehr große Entfernungen zurückzulegen ins nächste Krankenhaus. Deshalb gibt es auf dem Land mehr Hebammen als in der Stadt. Es sind sehr geachtete Leute. Man kennt sie. Sie sind in der Regel aus der Nachbarschaft. Man sucht sie rechtzeitig auf. Die Hausgeburt ist vor allem eine Erscheinung, die es auf dem Land gibt."

Jan Pallokat in Warschau:

"In Polen gibt es ein großes Sicherheitsbedürfnis. Die Hebamme ist bei der natürlichen Geburt auf jeden Fall dabei. Das gehört dazu. Es fällt auf, dass die meisten ältere Semester sind. 60 plus. Für die Jüngeren ist das nicht so ein attraktiver Beruf. Sehr schlecht bezahlt, und irgendwie nicht im Trend. Ändert sich ja vielleicht. Die Geburtenzahlen sind ja auch sehr gering – eine der geringsten in Europa. Also es gibt auch nicht so viel zu tun."

Steffen Wurzel in Shanghai:

"Den spezifischen Beruf der Hebamme gibt es nicht in China. Kinder kommen hier in Kliniken auf die Welt. Grundsätzlich ist es ein staatlich organisierter Gesundheitssektor. Und die Krankenschwestern, die Hilfestellung leisten bei der Geburt, das sind Krankenschwestern mit einer Spezialausbildung, aber eine Hebamme gibt es nicht in China. In ärmlicheren, abgelegeneren Regionen, die es in China auch gibt, da ist es dann so: Wenn kein Arzt zur Verfügung steht, kümmern sich die älteren Frauen um die Geburt des Kindes, aber so etwas wie eine Hebamme, die im Dienst ist und abgelegene Dörfer besucht, die gibt es nicht."

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