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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 11.09.2020

Korrespondenten berichten überGlücksbringer

Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Bunte Symbolfiguren des Gottes Ganesha. Sie gelten in Indien auch als Glücksbringer. (imago images/ZUMA Wire)
Bunte Symbolfiguren des Gottes Ganesha. Sie gelten in Indien auch als Glücksbringer. (imago images/ZUMA Wire)

In Südafrika haben manche einen getrockneten Hühnerfuß in der Tasche. In Mexiko gibt es die Quitapesares, Stoffpüppchen, die den menschlichen Schmerz aufnehmen. In China werden Glücksbringer in Tempeln verkauft.

Jana Genth in Johannesburg:

"Glücksbringer sind in Südafrika, zumindest, was alle meine Freunde und Bekannten angeht, überhaupt nicht so verbreitet. Es gibt aber natürlich im ländlichen Bereich Menschen, die ihre Muti haben. Das ist zum Beispiel das Wort für so einen getrockneten Hühnerfuß oder irgendwelche tierischen Reste, die man dann in irgendwie haltbarer Form in der Tasche haben kann. Und die haben dann schon die Bedeutung, dass die Menschen daran glauben, wenn sie die dabeihaben, kann ihnen nichts passieren.

Vor dem Lockdown war ich noch in so einem Nationalpark, und der Ranger meinte, wenn ich einen Leoparden sehe, dann habe ich extrem viel Glück, weil Leoparden nicht nur selten, sondern auch extrem scheu sind. Deshalb sagen die, wenn du dieses Glück hast, den zu sehen, dann heißt es auch, du hast auch Glück in allen anderen Bereichen."

Anne-Katrin Mellmann in Mexiko:

"In Mexiko gibt es reichlich Glücksbringer. Ich glaube, das liegt daran, dass Mexiko ein sehr abergläubisches Land ist. Das fängt schon mal an bei Traumfängern, diese großen runden Dinger mit Federn, die man sich ans Kopfende seines Bettes bastelt. Dieser Traumfänger fängt die Alpträume.

Und es gibt die so genannten Quitapesares, das sind kleine Stoffpüppchen, denen die körperlichen und seelischen Schmerzen, die der Mensch hat, übertragen werden, die die Belastungen wegmachen, die der Mensch so mit sich herumträgt."

Steffen Wurzel in Shanghai:

"Glücksbringer werden in China vor allem in diesen zahlreichen Tempeln verkauft. Wenn man zum Beispiel die Stadt Shanghai besucht, geht man in den Gingan Tempel und da kann man dann zu einem dieser Priester gehen, und die nennen einem dann einen bestimmten Gott, der als Glücksbringer dient. Und dann kann man solch einen Glücksbringer kaufen. Aus Jade ist der zum Beispiel.

Das sind dann kleine, nachgebildete Götterfiguren, die können ganz schlicht sein, die können aber auch übermäßig kitschig und bunt sein. Das ist auch ein Supergeschenk, ein Supermitbringsel. Aber ganz wichtig ist, man würde nie jemandem sagen, ich habe dir hier einen Glücksbringer gekauft, sondern, man würde immer sagen, ich habe diesen oder jenen Gott eingeladen, dir Glück zu bringen und dann verschenkt man eben diesen Glücksbringer."

Silke Diettrich in Neu Delhi:

"In Indien ist vor allem ein Glücksbringer ganz weit verbreitet, das ist der so genannte Ganesha. Ganesha ist ein Gott und ein Sinnbild für Glück. Ganz viele Menschen in Indien haben vor der Wohnungstür einen Ganesha stehen. Und ich habe mal einen absoluten Frevel begangen. Ich habe auch einen kleinen Ganesha und den habe ich einfach mal ins Badezimmer gestellt und dann kam irgendwann meine Vermieterin vorbei und hat gesagt, das geht gar nicht! Du kannst doch keinen Gott in dein Bad stellen, und der guckt dir dann beim Pinkeln zu!"

Katrin Senz in Istanbul:

"Es gibt eigentlich nur einen Glücksbringer in der Türkei, und das ist Nazar Boncuk, die Perle oder der Schutz vor dem Bösen Blick. Jemand, der in der Türkei war, der kennt das. Das ist wie so ein runder Taler in verschiedenen Blautönen und Weiß, sieht ein bisschen aus wie ein Auge, und das ist schon seit Jahrhunderten Tradition, dass dieses Nazar Boncuk Glück bringt. Davon gibt es Schlüsselanhänger, davon gibt es Magnete. Oder wenn man ein neues Haus hat, dann zementiert man zum Beispiel in die Türschwelle so ein Nazar Boncuk ein. Das soll dann zum Beispiel vor Neid schützen."

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