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Alltag anders | Beitrag vom 09.04.2021

Korrespondenten berichten überDuzen

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Der argentinische Präsident Alberto Fernandez bei einer Pressekonferenz. Er spricht in ein Mikrofon und hält ein Blatt vor sich. (imago / efe / Juan Ignacio Roncoroni)
Du, Alberto: In Argentinien wird Präsident Alberto Fernandez von Journalisten geduzt. (imago / efe / Juan Ignacio Roncoroni)

Franzosen siezen lange. In der palästinensischen Gesellschaft geht man direkt zu „Doktor Peter“ über. In Singapur ist das Überreichen einer Visitenkarte wichtiger als die Ansprache.

Tim Aßmann aus Tel Aviv:

"Es gibt nur das Du, sowohl bei den arabischen wie auch den jüdischen Israelis, denn im Hebräischen wie auch im Arabischen gibt es kein Sie. Ein akademischer Titel, das ist in der palästinensischen Gesellschaft was! Der stellt wirklich was dar und wird anerkannt. Das soll auch jeder wissen. Es will auch jeder erwähnen, dass der andere einen Titel trägt. Aber man kann nicht sagen, Doktor Meier-Schulze. Der Nachname kommt nicht vor. Also wird das mit dem Vornamen kombiniert. Dann ist man zum Beispiel Doktor Peter."

Dunja Sadaqi aus Rabat:

"In Marokko wird vor allem geduzt. Ich werde oft meine Tochter oder meine Schwester genannt. Das ist dann nicht irgendwie komisch gemeint oder abwertend, sondern tatsächlich sehr höflich. Das mache ich übrigens auch, wenn ich zum Beispiel einen Taxifahrer rufe oder ihn ansprechen möchte, dann sage ich: Mein Bruder! Ich würde sagen, in Marokko ist die Ansprache wichtig, aber es wird trotzdem dazu geduzt."

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Lena Bodewein aus Singapur:

"In Singapur als Englisch sprechendes Land gibt es keinen deutlichen Unterschied zwischen Du und Sie, alle sind you. Der wichtige Teil bei der Vorstellung ist, dass man sich eine Visitenkarte überreicht, und zwar mit beiden Händen, mit einer angedeuteten Verbeugung und dass man die auch dementsprechend mit beiden Händen entgegennimmt und sie auch anguckt, nicht einfach wegsteckt. Das ist extrem unhöflich! Man schaut sich das an, schaut sich dann das Gegenüber noch mal an und steckt dann die Karte weg. Dann ist wirklich der Höflichkeit genüge geleistet und man hat sich richtig vorgestellt. Dann darf man sich auch gern duzen." 

Ivo Marusczyk aus Buenos Aires:

"Die Sache mit dem Duzen ist in Südamerika leider furchtbar kompliziert, fast noch komplizierter als in Deutschland. In Argentinien geht man immer automatisch sofort zum Du über, selbst auf einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten. Die Journalisten sprechen den Präsidenten sofort mit Alberto, mit dem Vornamen an, und man ist beim Du. Ein Problem wird es aber, wenn man in ein anderes Land kommt. In Kolumbien ist es genau umgekehrt. Wenn man als Ausländer dort in ein Geschäft kommt, lautet die Anrede ungefähr frei übersetzt: Stehts zu Diensten Euer Gnaden! Womit kann ich dienen?"           

Jürgen König aus Paris:

"In Frankreich wird relativ lange gesiezt. Im Geschäftsleben geht es zum Beispiel zunächst immer ziemlich förmlich zu. Höhere Angestellte werden immer gesiezt. Ich habe es auch erlebt, das Geschäftsleute in Frankreich sich privat, also außerhalb der Firma, duzen, in der Firma aber, wenn sie wieder dienstlich miteinander zu tun hatten, dann haben sie sich gesiezt.

In Frankreich kann auch ein Abteilungsleiter seine Praktikanten duzen, während die ihn wiederum siezen. Vielleicht, um dieses Hierarchische etwas aufzuweichen, ist die Kombination von Vorname und vous, also Sie, in Frankreich sehr verbreitet. Bis es dann zum Du kommt, dazu muss man sich in Frankreich schon relativ gut kennengelernt haben. Wobei zu bedenken ist, dass es diesen förmlichen Akt nicht gibt, dass man jemanden wie in Deutschland das Du anbietet. Es geht ganz pragmatisch zu. Die Franzosen gehen im Gespräch einfach zum Du über und das kann man dann annehmen oder auch nicht. Wenn man selbst beim Sie bleibt, geht das Gegenüber wieder zum Sie zurück."

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