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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 14.06.2019

Korrespondenten berichten überBurn-out

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Das Foto zeigt eine öffentliche Schule in Ahmedabad/Indien im Juli 2018. Ein Lehrer erläutert den Schülerinnen und Schülern die Computer-Arbeit im E-Klassenraum. (AFP / Sam Panthaky)
Indische Schüler und Schülerinnen stehen enorm unter Druck, was schon zu vielen Fällen von Burn-out geführt hat. (AFP / Sam Panthaky)

In Südafrika ist man ganz schnell fertig mit dem Thema; Burn-out gibt es hier nicht. In den USA ist es ein verstecktes Phänomen, denn es gilt: Wer dem Stress nicht gewachsen ist, der schwächelt. In Indien kommt es vorwiegend bei der Jugend vor.

Jana Genth in Johannesburg:

Da sind wir in Südafrika sehr schnell fertig mit dem Thema, denn Burn-out gibt es nicht. Natürlich reden die Afrikaner darüber, dass ihr Tag einfach vollgepackt ist. Die sagen dann, dass ihr Leben hektisch ist. Aber sie reden nicht von Stress. Da wird im Vorhinein schon so interveniert – sei es durch Grillpartys oder Familie - dass es gar nicht so schlimm wird.

Silke Diettrich in Neu-Delhi:

Burn-out als Phänomen kommt vorwiegend bei der Jugend vor. Indische Schüler haben einen enormen Druck. Es gibt Millionen von Schulabgängern im Jahr. Das heißt, jedes Kind versucht auf eine gute Universität zu kommen. Und um sich auf diese Tests vorzubereiten, büffeln die indischen Kinder von morgens bis Mitternacht. Es gibt ganze Städte in Indien, die nur von Nachhilfe leben. Und das hat jetzt hier zu vielen Fällen von Burn-out geführt, die letztlich sogar mit Selbstmord geendet haben.

Jan Pallokat in Warschau:

Es gibt den Begriff berufliches Ausbrennen in Polen. In diesem Zusammenhang gibt es hier in Warschau ein Büroviertel, das wird im Volksmund Mordor genannt – also der übelste Fleck. Da werden besonders häufig Burn-out-Fälle gemeldet. Burn-out ist in Polen schon ein Thema, das die ganz großen Konzerne betrifft, aber das sind natürlich auch die Jobs, wo es Geld gibt.

Thilo Kößler in Washington:

Burn-out ist ein gesellschaftliches Phänomen in den USA, allerdings ein sehr verstecktes. Wer dem Stress nicht gewachsen ist, der gilt als jemand, der schwächelt. Dieses Land USA kennt beinharte Arbeitsbedingungen. Dementsprechend wird damit geprahlt, wie viele Überstunden man gemacht hat. Natürlich weiß man, dass die Zahl derer, die dem Druck nicht gewachsen sind, steigt. Man kann das ablesen am Alkoholmissbrauch und am Medikamentenmissbrauch. Es werden Antidepressiva geschluckt wie noch nie. Man würde niemals mit dem Arbeitskollegen das Wort Burn-out in den Mund nehmen. Selbst gegenüber Freunden nicht. Man würde sagen: Ich hab ein bisschen viel gearbeitet, wird schon wieder werden. Es ist so knallhart hier, das können Sie sich nicht vorstellen.

Steffen Wurzel in Shanghai:

Natürlich gibt es hier eine wahnsinnige Arbeitsbelastung, die nicht nur damit zu tun hat, dass die Arbeitszeiten deutlich länger sind als bei uns, sondern auch damit , dass die Büros hier vollgestopft sind mit Menschen. Die Arbeitsbedingungen sind hier in China deutlich schlechter. Und auch das trägt dazu bei, dass Leute tendenziell mehr unter Belastung stehen als bei uns.

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