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Kompressor | Beitrag vom 22.10.2018

Kopierkunst "Die analogen Geräte haben ein eigenes Charisma"

Klaus Urbons im Gespräch mit Shanli Anwar

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Lieve Prins, Amsterdam, "Girl with Flowers,drieluik", 2000, direkte Farbkopie vom Modell aus der Serie "Idols", Bildrechte: Klaus Urbons  (Klaus Urbons )
Lieve Prins, Amsterdam, "Girl with Flowers,drieluik", 2000, direkte Farbkopie vom Modell aus der Serie "Idols" (Klaus Urbons )

Vor 80 Jahren erfand der US-Amerikaner Chester Carlson den Fotokopierer. Auch für die Kunst war es eine Revolution, sagt der Künstler Klaus Urbons, Gründer des Museums für Fotokopie in Mülheim an der Ruhr.

"Zum ersten Mal entstand eine Fotografie ganz ohne Chemie, also rein physikalisch – nur mit elektrostatischen Kräften, Licht und eben einer Platte, die mit Schwefel beschichtet war", sagte Klaus Urbons, Fotokopier-Künstler und Gründer des Museums für Fotokopie in Mülheim an der Ruhr, im Deutschlandfunk Kultur. "Das war eine absolute Revolution, das gab es vorher noch nie."

Von Teppichen bis zu Performances

Der Fotokopierer zog in die Bürowelt ein, eroberte aber auch ab den 1970er-Jahren die Kunstwelt. Künstler wie Joseph Beuys oder Andy Warhol widmeten sich der "Copy-Art". Der Computer sei eine Verbindung von Fotografie und Druck, im Grunde eine druckende Kamera, sagte Urbons. Deshalb sei die "Copy Art" vielfältig, wie derzeit auch eine Ausstellung der Cepa Gallery in Buffolo/USA widerspiegele. "Da sehen Sie alles, von Teppichen bis zu Performances." Der Künstler Jürgen O. Olbrich aus Kassel habe in den 1980er-Jahren auf dem Kopierer getanzt und die Kopien seiner Schuhsohlen seien zusammen mit der Dokumentation in das Kunstwerk eingeflossen.

"The Rapid Publisher" Neitscho Bergmann & Torben Röse, 2018, Foto K. Urbons, Web/facebook: https://www.facebook.com/TheRapidPublisher/ Bildrechte: Klaus Urbons  (Klaus Urbons )"The Rapid Publisher" Neitscho Bergmann & Torben Röse, 2018 (Klaus Urbons )

Heute gebe es einen Wandel, aber auch eine Rückbesinnung in der Kopierkunst. Urbons sprach von einer Vorliebe für analoge Kopierer, die ihn sehr freue. "Die analogen Geräte haben ein eigenes Charisma", sagte Urbons.

Begeisterung bis heute

Er selbst habe einst entdeckt, dass man mit dem Kopierer in Echtzeit Bilder produzieren konnte, sagte Urbons. Die Vielfalt der Möglichkeiten habe ihn sehr fasziniert. Er habe damit 1977 begonnen, nur zwei Jahre später Pinsel und Spritztechnik an den Nagel gehängt und sich für dieses Medium entschieden. Sieben Jahre später habe seine Begeisterung dazu geführt, dass er in Mühlheim an der Ruhr das Museum für Fotokopie gegründet habe. Das sei für ihn packend geblieben. Heute habe fast jeder einen Kopierer oder Drucker zu Hause und könne selbst damit spielen.  

Klaus Urbons: The Magic of Copies
Edition Makroscope 2018, Englisch bei Amazon  

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Ein Kunst-Kopierer
(Deutschlandfunk Kultur, Profil, 26.09.2012)

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