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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.05.2011

Kopfweh machende Kapitalismuskritik

"Metropolis - The Monkey Wrench Gang" am Schauspiel Stuttgart

Von Rainer Zerbst

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Volker Lösch macht dank "Stuttgart 21" die baden-württembergische Landeshauptstadt zu Metropolis. (AP)
Volker Lösch macht dank "Stuttgart 21" die baden-württembergische Landeshauptstadt zu Metropolis. (AP)

Wo für Fritz Lang Metropolis lag, kann man nur ahnen, aber die Wolkenkratzerlandschaft in seinem Film lässt auf New York schießen. Wo für Regisseur Volker Lösch dieser Inbegriff des ausbeutenden Kapitalismus liegt, ist von vornherein klar.

Zwar wird das Loblied auf dieses Metropolis von den rund zwei Dutzend mitwirkenden Stuttgarter Bürgern gesungen, aber sie tragen vor ihren Gesichtern jeweils das Konterfei von Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Auf diese Weise treten in Löschs Inszenierung Politiker gleich reihenweise auf: Angela Merkel, Heiner Geißler, der Schlichter im Streit Stuttgart 21, Nils Schmid und Winfried Kretschmann - und als Inbegriff des kalten Machtpolitikers der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus.

Von Fritz Langs Film bleibt in Löschs Stück nicht viel mehr übrig als der Titel als Symbol für kapitalistische Machtbesessenheit und den Glauben, alles sei technisch machbar. Den Widerstand gegen diese Position entnimmt er Edward Abbeys witzig ironischem Roman über vier grundunterschiedliche amerikanische Bürger, die der durch Technik und Großkonzerne verunstalteten Natur wieder zu ihrem Recht verhelfen wollen.

Diese Kombination von Langs Film und Abbeys Roman ist durchaus sinnvoll, aber Lösch zieht die Szenen aus dem Roman derart ins Schmierenhafte, dass die Position des Widerstands, der bürgerlichen Anarchie geradezu ab absurdum geführt wird, was sicher nicht in seinem Sinn ist. Anarchie erschöpft sich bei Lösch darin, dass ständig Bierdosen in der Gegend umhergeworfen werden, auf der Bühne uriniert und unablässig Scheiße geschrien wird, wie überhaupt Lösch nur eine Sprechlautstärke zu kennen scheint: Schreien.

Wenn die vier im Jeep fahren, dann hocken sie auf Autositzen und machen Motorgeräusche, als wären es Kinder. Das hat mit Theater nichts zu tun, sondern wirkt nur lächerlich. An einer Stelle meint Bonnie, die einzige Frau der vier Aufbegehrenden: "Ich krieg Kopfweh, wenn ich auf dein Niveau runterdenken muss." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Metropolis - The Monkey Wrench Gang
Mit Texten von Fritz Lang, Thea von Harbou, Edward Abbey und Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern
Fassung von Volker Lösch und Beate Seidel
Regie: Volker Lösch
Schauspiel Stuttgart

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