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Kulturnachrichten

Freitag, 27. März 2020

Konzertveranstalter: "Behaltet die Tickets"

Mit einem Appell haben sich Konzertveranstalter in der Coronakrise an die Käufer von Tickets für Konzerte und andere Veranstaltungen gewandt. "Behaltet die Tickets", sagte der Berliner Konzertveranstalter Klaus Bönisch wörtlich während einer Videokonferenz mit anderen Organisatoren von Kultur- und Sportevents sowie Hallenbetreibern. Es werde versucht, Konzerte, Tourneen und Veranstaltungen zu verschieben. Gleichzeitig werde mit der Bundesregierung verhandelt, bei Absagen eine Gutscheinlösung anbieten zu können. Veranstalter müssen in solchen Fällen bisher den Eintrittspreis erstatten. Laut Bönisch gehen der privaten Branche allein in Berlin durch ausfallende Kulturveranstaltungen bis zu drei Millionen Euro Umsatz täglich verloren. Die Lage sei für viele Unternehmen bedrohlich.

Hilfsprogramm für Filmbranche

Die Filmförderungen der Länder und des Bundes wollen die von der Corona-Krise betroffene Film- und Medienbranche mit einem Hilfsprogramm in Höhe von 15 Millionen Euro unterstützen. Die Maßnahmen sollen gemeinschaftlich geförderten Projekten zugutekommen, für die andere Hilfsprogramme nicht greifen, teilte die Film- und Medienstiftung NRW mit. Unter anderem gibt es Sonderhilfen für entstehende Mehrkosten bei Unterbrechung und Verschiebung von Dreharbeiten wegen der Corona-Pandemie. Aus diesem Grund abgebrochene Produktionen müssen den Angaben zufolge bereits ausgezahlte Fördermittel nicht zurückzahlen. Auch der Filmverleih und die Kinos sollen Unterstützung erhalten, etwa durch die Stundung von Abgaben und Darlehensrückzahlungen. An dem Hilfsprogramm beteiligt sind neben der Film- und Medienstiftung NRW der FilmFernsehFonds Bayern, die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, HessenFilm, Medienboard Berlin-Brandenburg, die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, die Mitteldeutsche Medienförderung, nordmedia sowie die Filmförderungsanstalt und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Kirchen unterstützen Hilfsappell für Musiker

Der Deutsche Musikrat begrüßt den Appell der Kirchen, Musikern ihr Honorar auch im Falle abgesagter Veranstaltungen zu zahlen. Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, habe sich damit an die deutschen Bistümer gewandt. Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, habe einen Solidar-Aufruf an die Kirchengemeinden geschickt. Weiterhin wollen demnach die EKD und die evangelischen Landeskirchen auf ihrer anstehenden digital durchgeführten Kirchenkonferenz in der kommenden Woche über Maßnahmen zur Unterstützung der Kirchenmusik beraten. Das seien "hoffnungsfroh stimmende Signale", die dramatische Situation der freiberuflichen Musiker lindern zu wollen, sagte Musikrat-Präsident Martin Maria Krüger.

Bachmann-Preis setzt wegen Coronavirus aus

Der renommierte Ingeborg-Bachmann-Preis ist für das laufende Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgesagt worden. Das teilte der ORF Kärnten mit. Die "Tage der deutschsprachigen Literatur", in deren Rahmen der Bachmann-Preis vergeben wird, sollten eigentlich ab dem 17. Juni stattfinden. Die nächste Ausgabe wird damit erst im Sommer 2021 veranstaltet. "Eine öffentliche Veranstaltung dieser Größenordnung wäre aus heutiger Sicht unverantwortlich", sagte ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard zur Entscheidung. Bei den Literatur-Tagen mit dem berühmten "Vorlesewettbewerb" in Klagenfurt nehmen für gewöhnlich Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Er gilt als eine der wichtigsten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Akademie der Künste übernimmt Archiv von Uwe Timm

Die Akademie der Künste in Berlin übernimmt das Archiv des Schriftstellers Uwe Timm. Timm überlässt dem Archiv der Akademie anlässlich seines 80. Geburtstags Ende März den ersten Teil seines künstlerischen Vorlasses, teilte die Akademie mit. Darin enthalten sind Werkmanuskripte, Materialsammlungen, Korrespondenzen etwa mit der Schriftstellerin Felicitas Hoppe und anderen Schriftstellern wie Friedrich Christian Delius oder Gerd Fuchs aber auch mit dem SPD-Politiker Egon Bahr. Zudem gehören Belegdrucke der Werke von Timm sowie die Publikationen der von ihm mit herausgegebenen AutorenEdition zum Archiv. Von Uwe Timm stammt u.a. die Novelle "Die Entdeckung der Currywurst". In der Erzählung "Am Beispiel meines Bruders" beschäftigte sich Timm mit der Verarbeitung der NS-Vergangenheit in der Nachkriegszeit.

Deutscher Podcast Preis an sieben Preisträger verliehen

Der Deutsche Podcast Preis hat zum ersten Mal die besten Formate der deutschen Podcast-Landschaft in insgesamt sieben Kategorien ausgezeichnet. Charlotte Roche und ihr Ehemann Martin Kess wurden als "Bestes Talk-Team" für ihren Podcast "Paardiologie" ausgezeichnet wie auch als "Bester Newcomer/beste Newcomerin". Für die beste journalistische Leistung ist der Podcast "Zeit Verbrechen" ausgezeichnet worden. Der Publikumspreis ging an "Gemischtes Hack", eine Koproduktion von Comedian Felix Lobrecht und Fernseh-Autor Tommi Schmitt. Initiatoren des Deutschen Podcast Preises sind 13 Akteure der Audiobranche, darunter Deutschlandradio.

Bibliotheken suchen Alternativen zur klassischen Ausleihe

Die öffentlichen Büchereien sind wegen der Corona-Pandemie in 12 Bundesländern geschlossen, in vier weiteren sind sie nur sehr eingeschränkt nutzbar. Auch Bücherbusse fahren derzeit nicht, da die Enge dort die nötige körperliche Distanz nicht zulässt. Die Vize-Präsidentin des Bibliotheken-Weltverbandes und Leiterin der Stadtbibliothek Bremen, Barbara Lison, erklärte im Deutschlandfunk Kultur, dass Bibliotheken derzeit nach Alternativen zur klassischen Ausleihe suchen. Beispielsweise würde versucht, den Bestand an E-Books zu erweitern, deren Nachfrage auch vor der Corona-Krise schon stark gewesen sei. Zudem würden einige Bibliotheken nun ein Terminsystem erstellen, auch in Bremen, bei dem man sich zu vorgegebener Zeit Bücher in einer Papiertüte abholen könne, erklärt Barbara Lison.

Prominente rufen zur Rettung der Lit.Cologne auf

Nach der Absage der Lit.Cologne in Köln wegen der Ausbreitung des Coronavirus haben rund 60 Prominente zur Rettung des Literaturfestivals aufgerufen. Unter der Überschrift #ilovelitcologne forderten sie in einer am Freitag veröffentlichten ganzseitigen Anzeige im "Express" dazu auf, gekaufte Eintrittskarten nicht zurückzugeben, sondern zu behalten. Damit trage man zur Rettung des existenzgefährdeten Festivals bei. Unterzeichner sind unter anderem die Schauspieler Dietmar Bär, Benno Fürmann, Iris Berben, Ulrich Noethen und Joachim Król sowie die Autoren Sebastian Fitzek, T.C. Boyle, Frank Schätzing, Uwe Timm und Nick Hornby. Die Lit.Cologne ist nach eigenen Angaben mit mehr als 200 Veranstaltungen und über 100 000 Besuchern an zwölf Tagen das größte Literaturfestival Europas. Nun sei der Fortbestand der privatwirtschaftlich organisierten Veranstaltung gefährdet, hatte Geschäftsführer Rainer Osnowski nach der kurzfristigen Absage vor gut zwei Wochen gesagt.

US-Schauspieler Mark Blum an Corona gestorben

Der New Yorker Film- und Theaterschauspieler Mark Blum ist mit 69 Jahren an den Folgen von Covid-19 gestorben. Seine Infektion mit dem neuen Coronavirus habe zu Komplikationen geführt, denen der Darsteller schließlich erlegen sei, teilte die Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild mit. Blum wurde mit Filmen wie "Desperately Seeking Susan" und "Crocodile Dundee" bekannt. Er spielte regelmäßig in dem New Yorker Off-Broadway-Theater "Playwright Horizons". Auf Twitter trauert das Theater: "Danke für alles, was du für unser Theater gemacht hast, Mark", heißt es. "Wir werden dich vermissen." Dazu veröffentlichte das New Yorker Haus einige Szenenbilder alter Bühnenstücke.

Kulturschaffende fordern Aufnahme von Flüchtlingen

In einem Offenen Brief an die Bundesregierung hat die Schriftstellerin Rebecca Maria Salentin gefordert, Flüchtlinge aus Griechenland nach Deutschland zu holen und die Missstände an der griechisch-türkischen Grenze zu bekämpfen. Im Deutschlandfunk Kultur sagte Salentin, dass Einrichtungen bereitstünden und die Bereitschaft zur Aufnahme vorhanden sei. Die Schriftstellerin beklagte: „Trotzdem blockiert die Politik, dass die Leute kommen und das, obwohl bisher ja nicht mal ein Zehntel der Asylanträge gestellt wurden, die laut Koalitionsvertrag jährlich zulässig sind." Die Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln müssten in Anbetracht der Corona-Pandemie sofort evakuiert werden, damit es nicht zu einer "humanitären Katastrophe" komme, so Salentin. Unterstützt wird die Autorin dabei von knapp 800 Kulturschaffenden, darunter Katja Riemann, Detlev Buck, Corinna Harfouch und Saša Stanišic.

Rekordzahl an rechtsextremen Tonträgern indiziert

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat im vergangenen Jahr eine Rekordzahl an Tonträgern der rechtsextremen Szene als jugendgefährdend eingestuft. Das berichten die Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. Sie zitieren aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Demnach wurden 80 Veröffentlichungen wegen Verherrlichung oder Verharmlosung von Nationalsozialismus und Krieg sowie Anreizen zu Rassismus und Antisemitismus als jugendgefährdend eingestuft. Im Jahr zuvor waren es nach Angaben der Bundesregierung 69. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, versucht die rechtsextreme Szene verstärkt, über Musik in der Jugendkulturszene anzudocken. «Mit aggressiven, fremdenfeindlichen, antisemitischen und antidemokratischen Texten popularisieren diese Bands rechtsextremistische Argumentationsmuster und Einstellungen», heißt es.

US-Architekt Sorkin an Coronavirus gestorben

Der US-Architekt, Theoretiker und Autor Michael Sorkin ist im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Infektion mit dem Corona-Virus gestorben. Das hat das City College of New York bestätigt, an dem er Direktor des Graduiertenprogramms in Urban Design war. Sorkin galt als eine der provokantesten und polemischsten Stimmen in der Gestaltung städtischer Orte um die Wende des 21. Jahrhunderts. Er hatte an vielen Universitäten, darunter Yale und Harvard gelehrt. Seine zahlreichen Schriften befassen sich vor allem mit den sozialen Aspekten und politischen Folgen von Architekturprojekten und Stadtplanung für die urbane Gemeinschaft. In seiner Karriere kuratierte er auch viele Ausstellungen und den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2010.

Medienanstalten: Jugendschutz bei Betriebssystemen

Die Landesmedienanstalten wollen den Jugendschutz für das Internet auch auf Betriebssysteme ausweiten. Der Vorsitzende der Direktorenkonferenz, Wolfgang Kreißig, kritisierte die vom Bundesfamilienministerium geplante neue Alterskennzeichnung für Filme und Spiele. Der Ansatz trage nicht so gut wie bei CDs oder DVDs, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Kreißig plädierte für zusätzliche technische Mechanismen, um den Medienkonsum von Kindern zu regulieren. Als Beispiel nannte er Filter oder Voreinstellungen, die Eltern an Spielkonsolen vornehmen könnten.

100 Millionen Euro für schulische Online-Plattformen

Aus dem Digitalpakt Schule sollen 100 Millionen Euro kurzfristig für den Auf- und Ausbau von Online-Lernplattformen bereitgestellt werden. Darauf haben sich die Länder und das Bundesbildungsministerium geeinigt. Mit diesen Mitteln könnten die Länder den schnellen Aufbau der Infrastruktur und die Ausweitung des digitalen Unterrichts in Zeiten bundesweit geschlossener Schulen umsetzen, heißt es in einer Erklärung.

Kunstmesse Art Basel wird auf Herbst verschoben

Die Kunstmesse Art Basel findet wegen der Coronavirus-Pandemie nicht wie geplant im Juni statt. Die Veranstalter wollen auf September ausweichen, wie sie mitteilten. Die Art Basel gilt als eine der wichtigsten Kunstmessen der Welt. Sie zog im vergangenen Jahr 93 000 Besucher an. 290 Galerien aus 35 Ländern waren vertreten. Geplant ist die Messe nun vom 17. bis 20. September.

Zwölf Millionen Euro für Denkmal-Restaurierung

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellt in diesem Jahr zwölf Millionen Euro für Restaurierungsarbeiten an insgesamt rund 400 Denkmalen bundesweit bereit. Das Förderprogramm 2020 umfasse Denkmale aller Gattungen, angefangen von der archäologischen Grabung bis hin zur denkmalgeschützten Maschinenhalle, teilte die Stiftung in Bonn mit. Dazu gehörten unter anderem Schloss Mainau auf der gleichnamigen Insel im Bodensee, die Löwenvilla in Potsdam, das Altbremer Haus in der Mathildenstraße in Bremen und das Feuerschiff Elbe 3 in Hamburg-Ottensen.

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