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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.11.2017

Konzert des Berliner Rundfunk-SinfonieorchestersLutosławski und Schostakowitsch

Aus dem Konzerthaus Berlin

Der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch mit seiner Frau während eines Aufenthalts in Westberlin am 31. Mai 1972. 
Der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch mit seiner Frau im Jahr 1972

Zwei Werke aus den Jahren des Kalten Krieges. Schostakowitsch wie Lutosławski stellen sich existenziellen Fragen nach dem Sinn eines individuellen Aufbegehrens unter bedrängenden gesellschaftlichen Umständen.

In der 10. Sinfonie Schostakowitschs, entstanden 1953 während der ersten Monate nach Stalins Tod, wird dieses Ringen durch die ständige Einbeziehung seiner in Noten verwandelten Namensinitialen (D-ES-C-H) unterstrichen: es wird ein langer, durch Abgründe von Gewalt und Depressionen führender Weg, ehe sich im letzten Satz schließlich vielleicht doch Perspektiven eines erfüllteren und unbelasteteren Daseins zeigen.

Auch das 1970 entstandene Konzert Lutosławskis hat eine "russische Komponente" – über seinen Widmungsträger  und Uraufführungsinterpreten Mstislaw Rostropowitsch. Der geniale Cellist bekam zwar so viele Werke zugeeignet wie kaum ein anderer Solist seiner Jahrzehnte – doch in der Komposition des Polen hat man überdies den Eindruck, dass dieser noch besonders auf die (ja beiden Künstlern gemeinsame) Problematik des Lebenkönnens und –müssens im Spannungsfeld der verfeindeten politischen Blocksysteme einging. So wird auch dieses Werk, parallel zu dem Schostakowitschs, über weite Strecken von ernsten, manchmal sogar tragischen Tönen bestimmt. Die Rolle, die in der Sinfonie das Namensmonogramm einnimmt, wird nun hier vom Solisten ausgefüllt. Er beginnt das Stück ohne Begleitung mit Gebärden, die sich gleichsam in Raum und Zeit hineintasten, und beendet es mit Tönen einer aufs Äußerste angespannten Widerständigkeit, die man freilich auch als Schmerzensschreie deuten kann.


Konzerthaus Berlin

Aufzeichnung vom 03.11.2017


Witold Lutosławski

Konzert für Violoncello und Orchester

Dmitrij Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 10 e-Moll op. 93


Johannes Moser, Violoncello

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Leitung: Krzysztof Urbański

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