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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.10.2018

Konzert aus LahtiSibelius, ganz in weiß

Moderation: Ruth Jarre

Sibelius-Denkmal in Helsinki (Volker Michael)
Sibelius-Denkmal in Helsinki (Volker Michael)

Kein Komponist wird so sehr mit Finnland in Verbindung gebracht wie Jean Sibelius. Und kein Tier spielt in Sibelius‘ Musik eine größere Rolle als der majestätische Schwan. Das Konzert aus Lahti präsentiert eine wenig bekannte „Schwanenmusik“ von Sibelius.

"Schwäne & Kraniche & Wildgänse. Deren Geräusche und Wesen". Diese Notiz findet sich 1915 im Tagebuch von Jean Sibelius, der von 1865 bis 1957 lebte. Wohl kein Tier hat den finnischen Komponisten so beeindruckt wie der Schwan, dem er in der Tondichtung "Der Schwan von Tuonela" ebenso ein musikalisches Denkmal gesetzt hat wie im Finale seiner Fünften Sinfonie. Dessen abschließender Hymnus kam ihm in den Sinn, als er eine Gruppe von sechzehn Schwänen beobachtete.

Vom Theater in den Konzertsaal

Weniger bekannt ist ein Werk, das als Vorstudie zu Sibelius‘ populärer Fünfter Sinfonie betrachtet werden kann: "Schwanenweiß" ("Joutsikki"), eine Suite für Orchester op. 54a. Sibelius schuf hiermit eine Konzertversion seiner Theatermusik für ein Schauspiel von August Strindberg.

Märchenstoff

Dieses Märchenstück, das die Prinzessin Schwanenweiß nach vielen Irrungen und Wirrungen dem richtigen Traumprinzen zuführt, war Strindbergs Reaktion auf den Symbolismus Maurice Maeterlincks. Dessen verrätselten Theaterstücken verfiel um 1900 europaweit eine ganze Generation von Komponisten, darunter auch Jean Sibelius. Insofern ist "Schwanenweiß" auch als Fortsetzung der exquisiten Musik zu verstehen, die Sibelius Maeterlincks "Pelléas et Mélisande" angedeihen ließ.

Vor Lehrer befreit

Einige Jahre zuvor, 1903-05, komponierte Sibelius sein einziges Solokonzert, das Violinkonzert in d-Moll. Hatte er zuvor um eine Lösung von seinem Idol Tschaikowsky gerungen, so gelang ihm nun ein Werk, dessen Originalität sich schon in der schier überirdischen Einleitung zeigte. Ein verteufelt schweres Konzert.

Die Geigerin Baiba Skride (Marco Borggreve/Konzerthaus Berlin)Die Geigerin Baiba Skride ist heute Solistin des Abends (Marco Borggreve/Konzerthaus Berlin)

Die Interpreten des Konzerts sind mit Sibelius‘ Werk eng verbunden – nicht nur die lettische Geigerin Baiba Skride, sondern auch das Orchester aus Lahti, das seit Jahrzehnten mit enzyklopädischem Anspruch das Werk des größten finnischen Komponisten beleuchtet und daraus etliche Raritäten erstmals gespielt hat.

Sibelius in besten Händen

Am Pult steht der Chefdirigent des Ensembles, Dima Slobodeniuk, der 1975 in Moskau geboren wurde und seit langer Zeit in Finnland lebt und seinen Vertrag beim Lahti Symphony Orchestra bis 2021 verlängerte.

Dieses Konzert senden wir anstelle eines ursprünglich geplanten Klavierabends mit Pierre-Laurent Aimard, dessen Übertragung der Pianist nach der Generalprobe leider absagte.

Aufzeichnung des Konzertes vom 06. September 2018 in der Sibelius-Halle Lahti im Rahmen des Sibelius Festivals

Jean Sibelius
Ouvertüre für Orchester a-Moll
Violinkonzert d-Moll op. 47
"Schwanenweiß", Konzertsuite für Orchester op. 54a

Baiba Skride, Violine
Lahti Symphony Orchestra
Leitung: Dima Slobodeniouk

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