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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.10.2015

Konzert am Vorabend des EinheitsfeiertagesGute Nachbarschaft

Live aus der Philharmonie Berlin

Der Dirigent Marek Janowski. (picture-alliance/ dpa / Hermann Wöstmann)
Der Dirigent Marek Janowski. (picture-alliance/ dpa / Hermann Wöstmann)

Ohne seine Nachbarn wäre Deutschland gar nichts - das gilt insbesondere für die Musik. Das zu zeigen ist Marek Janowski und seinem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin ein Anliegen. Am Vorabend des 25.Tages der Deutschen Einheit spielen sie Musik von Claude Debussy, Karol Szymanowski und Robert Schumann. Wir sind live dabei.

Es ist ein passendes Programm, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt. Mit dieser Abfolge von drei Werken nehmen das RSB und sein scheidender Chefdirigent Bezug auf die besondere Position Deutschlands und der deutschen Musik im Herzen Europas. Polen und Frankreich, die beiden Nachbarländer, sind mit zwei repräsentativen Werken ebenso vertreten wie unser Land selbst.

"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der Gerechtigkeit, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die Freiheit zum Privilegium wird!" Man kann das berühmte Zitat von Rosa Luxemburg (die als polnisch-deutsche Politikerin jüdischer Herkunft wiederum sehr gut ins Profil des Feiertagsprogramms des RSB passt) auch weiterführen und entwickeln: Kulturelles Vertrauen erwächst aus dem tätigen Respekt vor dem Andersklingenden. Oder noch einfacher: Wenn ich weiß, wie es nebenan klingt, kann ich mir erst meiner Eigenheiten bewusst werden.

An der in der Klassik und Romantik arg dominant auftretenden österreichisch-deutschen Musikkultur haben sich Claude Debussy und Karol Szymanowski in ihren frühen Jahren intensiv abgearbeitet, vor allem an Wagner, aber auch an Brahms und Strauss. Anders als ihre deutschsprachigen Kollegen kannten sie sich sowohl mit der deutschen als auch ihrer jeweils eigenen Musikkultur hervorragend aus, haben sie die Stadien der Imitation und Weiterentwicklung vorherrschender Moden quasi überwunden, um schließlich ihren eigenen Stil zu finden. Auf dem Weg dorthin haben sie viel Umliegendes und weiter Entferntes aufgenommen - Claude Debussy begeisterte sich für die Gamelan-Musik Indonesien, Karol Szymanowski für die Klangkultur Nordafrikas und des Nahen Ostens.

Und das Einfühlen und Inkludieren geht bei Marek Janowski, seinem Orchester und dem gastierenden MDR-Rundfunkchor sogar noch weiter: Der Text der Chor-Sinfonie Karol Szymanowskis - an diesem Abend auf Polnisch gesungen - stammt vom islamischen Mystiker Mawlana Dschalal ad-Din Rumi. Also gehören nicht nur die Kulturen Polens und Frankreichs zu Deutschland, sondern auch der Islam - oder?

Das Programmheft zum Nachlesen

 

Live aus der Philharmonie Berlin

Konzert am Vorabend des 25. Jahrestags der Deutschen Einheit

 

Claude Debussy

"Trois Nocturnes" für Frauenchor und Orchester

 

Karol Szymanowski

Sinfonie für Tenor, Chor und Orchester Nr. 3 B-Dur op. 27 "Das Lied von der Nacht"

 

ca. 20.55 Uhr Konzertpause

 

Robert Schumann

Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120

 

Dmitry Korchak, Tenor

MDR-Rundfunkchor Leipzig

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Leitung: Marek Janowski

 

Surround Sound - Dolby Digital 5.1

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