Seit 01:05 Uhr Tonart

Dienstag, 11.12.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Sein und Streit | Beitrag vom 13.05.2018

Kontroverse zwischen Ulrike Guérot und Michael BröningHat der Nationalstaat eine Zukunft?

Moderation: Stephanie Rohde

Podcast abonnieren
Flaggen bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (imago sportfotodienst)
Jede Menge Flaggen, Symbol für Zugehörigkeit, aber auch Ausgrenzung: Brauchen wir ihn noch, den Nationalstaat? (imago sportfotodienst)

Migration, Datenschutz, Klimawandel, soziale Spaltung: Globale Probleme scheinen manchmal kaum lösbar zu sein. Ist der Nationalstaat für die Beantwortung transnationaler Fragen zum Hindernis geworden? Oder aber weiterhin das einzig vernünftige Modell?

Müssen wir den Nationalstaat überwinden oder ihn stärken? Unterschiedlicher könnten die Perspektiven von Ulrike Guérot, Direktorin des European Democracy Lab, und Michael Bröning von der Friedrich-Ebert-Stiftung kaum sein. Im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur skizzierten beide ihre philosophisch-politischen Konzepte.

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot bei der Veranstaltung Democracy Lecture 2017 im Haus der Kulturen der Welt am 28.06.2017 (imago stock&people)Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot (imago stock&people)

Ulrike Guérot ist überzeugt davon, dass "der Nationalstaat gerade vor unseren Augen dekonstruiert  wird" und wir "die Republik wieder entdecken müssen" – so wie sie von "Platon, bei Aristoteles, bei Kant und Rousseau" vorgedacht worden sei. Nur so könne man der sozialen und politischen Spaltung im europäischen Raum wirkungsvoll begegnen.

"Das Nationale konfiguriert nicht mehr das politische Denken"

Michael Bröning hingegen hält es für "politisch brandgefährlich, den Nationalstaat überwinden zu wollen". Ihm zufolge ist der Nationalstaat das einzige Modell, dem es bislang gelungen ist, soziale Umverteilung erfolgreich zu organisieren: "Es gibt Nationalstaaten, die keine Sozial- und keine Wohlfahrtsstaaten sind, aber Sie werden auf der Welt kein Beispiel für einen Wohlfahrtsstaat finden, der kein Nationalstaat ist."

Glaubt an die Zukunft des Nationalstaats: Michael Bröning (Copyright: Friedrich-Ebert-Stiftung)Glaubt an die Zukunft des Nationalstaats: Michael Bröning (Copyright: Friedrich-Ebert-Stiftung)

Die Interessen einer rumänischen Putzkraft in England hätten mit denjenigen eines englischen Brexit-Befürworters überhaupt nichts gemein, hält Guérot dagegen. "Das Nationale konfiguriert nicht mehr das politische Denken", ist sie überzeugt und plädiert deshalb für ein Konzept der transnationalen Politik nach dem Motto "Politics tops Nations".

In welchem Rahmen können wir heute Heimat und Demokratie denken? Wie Rechtsgleichheit mit dem Bedürfnis nach kultureller Eigenheit vereinbaren? Und wie internationale Zusammenarbeit verbindlicher organisieren? Das sind weitere Fragen, die in unserem "Sein und Streit"-Gespräch ausführlich zur Sprache kamen.

Mehr zum Thema

Vor 70 Jahren in Den Haag - Die Zukunft Europas auf dem "Haager Kongress"
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 07.05.2018)

Absage an ein vereintes Europa? - Warum die Linke die Nation braucht
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 09.02.2018)

Reihe: Fragen nach Identität - Die Vision der Vereinigten Staaten von Europa
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 25.12.2017)

Religionen

Kirchen fehlen die KüsterGotteshäuser ohne Hüter
Küster Lutz Pesler putzt das Tausbecken in der Dresdener Frauenkirche. (picture alliance / dpa / Matthias Hiekel)

Sie stauben Engel ab, legen Gesangbücher aus und stellen frische Blumen auf den Altar. Küster oder Mesnerinnen sorgen dafür, dass Gläubige sich in ihrer Kirche wohlfühlen. Trotzdem gibt es immer weniger Geld für ihre Arbeit.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur