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Rang I | Beitrag vom 11.04.2020

Kontaktlose AufführungenWie Theater trotz Corona funktionieren kann

Bert Zander im Gespräch mit André Mumot

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Ansicht des Theater Oberhausen. (Imago / Ralph Lueger)
Auch das Theater Oberhausen ist derzeit geschlossen - stattdessen wird dort aktuell ein Onlinetheater inszeniert, an dem sich auch die Oberhausener beteiligen können. (Imago / Ralph Lueger)

In der Coronakrise liegt auch eine Chance für neue Theaterformate, meint Bert Zander. In Oberhausen inszeniert er gerade Camus'"Pest": Jeder Darsteller produziert seinen Part zu Hause im Ministudio. Per Videoschnitt wird das Ganze dann zusammengefügt.

In Zeiten der vom Coronavirus erzwungenen Spielpause locken die Theater ihre Besucherinnen und Besucher vermehrt ins Netz. Landauf, landab wird gestreamt: Mitschnitte von älteren Erfolgsstücken und kleinen Perlen, von Publikumsrennern und Besonderheiten aus den Nebenspielstätten.

Doch es gibt immer wieder auch Zweifel an dieser Retortenpraxis. Manch einer wünscht sich stattdessen ein interaktives, ganz eigenes Onlinetheater, das nicht mit Liveaufführungen und auch nicht mit Filmen und Serien konkurrieren muss.

Mehrteilige Serie aus Oberhausen

Auch an solchen kontaktlosen Aufführungen arbeitet die Szene. Das Theater Oberhausen hat sich für ein solches Projekt nun "Die Pest" ausgesucht, jenen Roman, den Albert Camus unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg fertigstellte und der nun ein Text der Stunde zu sein scheint.

In Oberhausen wird diese "Pest" zur mehrteiligen Onlineserie, bei der auch Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt mit Erzähltexten in virtuelle Erscheinung treten. Regie führt Bert Zander, der an vielen Theaterabenden von Christopher Rüping, Nicolas Stemann, Barbara Frey und anderen als Videokünstler beteiligt war.

Proben werden zu Onlinekonferenzen

Die Regie vom eigenen Wohnzimmer aus zu stemmen, sei im ersten Augenblick gar kein so ungewohntes Unterfangen, wie Zander berichtet: "Die Vorbereitungszeit führt man auch sonst von zu Hause aus. Man trifft sich auch mit Teams, konferiert mit Schauspielerinnen und Schauspielern. Das Schlimme an dieser Zeit ist natürlich, dass wir versuchen, das zu erweitern."

Mittels der entsprechenden Software wird die Probe so zur Onlinekonferenz: "Aber es ist wirklich erstaunlich", sagt Zander, "auch mit älteren Kolleginnen und Kollegen, die nicht so technikaffin sind, stellt sich eine Nähe her, die man sonst auch an einem Theatertisch hat."

Ministudio in der Wohnung

Die technische Ausstattung ist dabei ziemlich aufwendig. "Wir haben zu allen nach Hause Kamerasets geschickt und Studioequipment." Die Darsteller "stehen dann in verschiedenen Ecken und Winkeln in ihren Wohnungen und Ministudios, in die man sich zu Hause eingearbeitet hat." Im Schnitt bringt Zander alle Beteiligten nicht nur zusammen, sondern auch wieder in die Außenwelt.

"Das muss man sich wirklich so vorstellen, dass wir quasi ein Team haben, das nachts sowohl in Oberhausen unterwegs ist als auch in Berlin, das nachts die Menschen auf Häuser projiziert, die in Oberhausen aufgenommen sind, damit wir das Ganze zum Leben erwecken können."

Dieser besonderen Herausforderung kann Videokünstler Zander dabei durchaus auch positive Seiten abgewinnen: "Die einen könnten sagen, es ist ein Alptraum, aber es ist natürlich auch eine große Chance." Schließlich böte der erzwungene Shutdown auch die Möglichkeit, "etwas auszuprobieren, dass man normalerweise, in einem normalen Spielbetrieb in der Radikalität schwer umsetzen könnte, in der wir das jetzt machen müssen und können und dürfen."

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