Samstag, 28.11.2020
 

Fazit | Beitrag vom 20.10.2020

Konflikt zwischen Armenien und AserbaidschanFriedensinitiative für Bergkarabach gefordert

Marc Sinan im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Im armenisch-aserbaidschanischen Konflikt zerstörtes Miltiärgerät in der Nagoro-Karabach Region. (imago images / Pablo Gonzlez)
Der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan hat jüngst erneut zu militärischen Zusammenstößen geführt. (imago images / Pablo Gonzlez)

In einem offenen Brief fordert der Musiker Marc Sinan die Bundesregierung auf, im Bergkarabach-Konflikt aktiver zu werden. Mit Kulturprojekten engagiert er sich schon länger für den Frieden in der Region.

Der Komponist und Gitarrist Marc Sinan hat gemeinsam mit Markus Rindt, dem Intendanten der Dresdner Sinfoniker, einen offenen Brief an die Bundesregierung geschrieben, in dem sie eine aktivere deutsche Politik im Bergkarabach-Konflikt, den Schutz der dortigen Zivilbevölkerung und eine internationale Friedensinitiative fordern.

Religion und Nationalismus

Kern des Konflikts um die Region Bergkarabach seien unterschiedliche religiöse Auffassungen, meint Sinan. Armenien ist christlich geprägt, Aserbaidschan islamisch. Auch der Nationalismus sei in beiden Ländern ein großes Problem, sagt Sinan. "Man hat nicht das Gefühl, dass die Nationen dort den Menschen dienen, sondern umgekehrt die Menschen den Nationen."

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Sinan und Rindt haben vor drei Jahren eine deutsch-türkisch-armenische Freundschaftsgesellschaft gegründet, um Kulturprojekte durchzuführen und politisch aktiv zu sein. Bei den Projekten hätten aserbaidschanische, armenische, türkische und deutsche Künstler auf der Bühne miteinander musiziert und seien darüber in einen persönlichen Austausch gekommen, berichtet der Komponist: "Es zeigt, dass wir uns daran erfreuen können, wie unterschiedlich wir sind."

Die Teilnahme an solchen Konzerten sei für armenische Künstler allerdings einfacher als für solche aus Aserbaidschan. Armenische Musiker müssten deswegen nicht um ihre Zukunft bangen. In Aserbaidschan sei das dagegen der Fall. Mehrfach hätten Musiker von dort Projekte abgebrochen. Gemeinsame Konzerte seien aktuell nur außerhalb der Ländergrenzen möglich.

Modernen Humanismus zeigen

Kulturschaffende können zwar keine konkreten Probleme lösen, aber dennoch viel bewirken, meint Sinan. Selbst "Daniel Barenboim kann nicht den palästinensisch-israelischen Konflikt lösen. Aber das, was wir tun können, ist immer wieder zu zeigen, was eigentlich einen modernen Humanismus - jenseits der ethnischen oder nationalen Herkunft - ausmachen müsste."

Für Anfang 2021 ist nun geplant, ein aserbaidschanisch-armenisches Konzert in Berlin durchzuführen. "Und wenn es irgendwie möglich ist, auch ein Diskursformat, wo man sich austauscht. Nicht nur unter Künstlern, sondern auch unter NGOs - wie man in Zukunft weiter aktiv werden könnte."

(mle)




Hören Sie hier ein Gespräch zur Situation in Bergkarabach mit dem armenischen Theologen Harutyun Harutyunyan.

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