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Fazit | Beitrag vom 18.02.2021

Konferenz zu HatespeechWie Hass im Netz zu Gewalt geführt

Timea Junghaus im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Ein Plakat auf einer Wand mit der Aufschrift "Post no hate" (unsplash.com / Jon Tyson)
Hassreden im Netz: Die Mechanismen von Hatespeech zu erkennen, kann helfen, Hassverbrechen zu verhindern. (Symbolbild) (unsplash.com / Jon Tyson)

Eine Konferenz diskutiert, wie man Hass im Internet begrenzen kann. Die Kunsthistorikerin Timea Junghaus hat daran teilgenommen und empfiehlt eine Nulltoleranzhaltung. Hatespeech einzuschränken sei rechtlich immer noch schwierig.

Es sei absolut nötig, keine Toleranz gegen Hatespeech im Internet zu zeigen, sagt Timea Junghaus. Die Kunsthistorikerin hat mit einem Beitrag an der Berliner Digitalkonferenz "Unboxing Hate Speech - Europäische Impulse für Respekt und Solidarität im Netz" teilgenommen und ist die Geschäftsführerin des in Berlin ansässigen Europäischen Roma-Instituts für Kunst und Kultur, ERIAC. Junghaus gilt als eine der führenden Persönlichkeiten der kulturellen und politischen Bewegung der Roma.

Mechanismen von Vorurteilen erkennen

Wichtig sei, die Mechanismen hinter Hass im Internet zu erkennen, denn Hatespeech, also Hassrede, sei oft ein Vorläufer von Verbrechen aus Hass. Dies sei sehr stark verknüpft:

"Es geht los mit einer gewissen Einseitigkeit, dann Propaganda, stereotypen Darstellungen und dann einer davon geprägten subjektiven Wahrnehmung, die dann aus Hassrede Hassverbrechen macht. Das ist eine sehr wahrscheinliche Entwicklung, die stattfinden kann." Im Fall der Roma sei Hatespeech Folge einer rassistischen Ideologie, die oft mit Gewalt, Ausbeutung und Ausgrenzung einhergehe, so Junghaus.

Die Kunsthistorikern Timea Junghaus (dpa / picture alliance / Jens Ressing)Große Onlineplattformen hätten immer noch einen Mangel an Verantwortung, um Hatespeech zu verhindern, sagt Timea Junghaus. (dpa / picture alliance / Jens Ressing)

Bei der Diskussion um angemessene Bezeichnungen gehe es auch immer um den Kontext. In Großbritannien spreche man von Sinti und Roma bei Konferenzen korrekt von "Gipsy, Roma and Travellers". Allerdings sei diese Begrifflichkeit zur Beschreibung von Musik dieser Gruppe problematisch:

"Es sind trotzdem auch Stereotypen, also die Gipsy-Musik. Da ist es eine exotisierende Darstellung von traditioneller Musik, die von einer Mehrheitsgesellschaft ausgeht", erläutert die Kulturwissenschaftlerin. "Das sagt über diese Mehrheitsgesellschaft mehr aus als über die beschriebene Minderheit. Wir müssen uns für diese stereotypen Begrifflichkeiten sensibilisieren."

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Die Berliner Konferenz habe bei ihr einen sehr guten Eindruck hinterlassen, sagt Junghaus. "Es erschien mir sehr progressiv, wie man dort im Sinne der Themenauswahl vorgegangen ist, wenn es um Regulierung, Transparenz oder auch um künstliche Intelligenz zur Verhinderung von Hatespeech geht." Es seien auch neue Diskussion zu diesem Thema angestoßen worden.

Mangel an Verantwortung bei Onlinemedien

So habe man darüber gesprochen, wie der Mangel an Verantwortung bei großen Internetplattformen zustande komme. Ein anderes Thema sei gewesen, "wie gegen das Problem vorgegangen werden kann, was man tun kann, um Onlinehatespeech im Internet zu verhindern". Dies sei allerdings komplex und bleibe schwierig:

"Im normalen Leben gibt es ein klares Rechtssystem, nachdem agiert werden kann. Aber bei Onlinemedien ist das so viel schwerer zu fassen. Hier sehen wir eine große Rechtslücke, mit der vor allem die Roma zu kämpfen haben."

Wandel ist eingeleitet

Dass sich das Bewusstsein über Vorurteile gesellschaftlich ändere, sehe man aber bereits bei Museen. Dort habe man die Geschichte von Minderheiten in der Vergangenheit oft nur als die von Opfern beschrieben. Nun werde die Geschichte zunehmend auch aus deren Perspektive gezeigt.

Damit würden die Minderheiten sichtbar als "Akteure, die gegen ihre Unterdrückung kämpfen können". Das zeige auch, "dass Gruppen wie die Roma selbst nach Hunderten von Jahren der Unterdrückung ihr Leben weiterleben und eine großartige Resilienz zeigen, gegen alle diese Widrigkeiten weitermachen zu können". Auch ihr Institut ERIAC habe zur Förderung eines anderen gesellschaftlichen Bewusstseins eine Verbindung zur Black-Lives-Matter-Bewegung initiiert, um sich gemeinsam mit Erinnerungsarbeit zu beschäftigen.

(mle)

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