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Kompressor | Beitrag vom 30.01.2020

KompressorDeluxeCTM und Transmediale

Von Hartwig Vens

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Hildur Guðnadóttir steht mit ihrem Cello auf der Bühne des Big Ears Festival in Knoxville, Tennessee. (Laif / Netter/NYT/Redux / Jake Giles)
Hildur Guðnadóttir hatte ihren großen Durchbruch als Komponisten der Musik zur HBO-Serie "Chernobyl". (Laif / Netter/NYT/Redux / Jake Giles)

Mehr als Techno: Das CTM-Festival ist zwar im Berliner Nachtleben verwurzelt, aber nicht nur ein Festival für elektronische Clubmusik. Es bietet Experimente, ohne Rücksicht auf Genregrenzen – und schickt das Publikum auf eine Reise ins Unbekannte.

Klangwolken im Krematorium – Störsender-Musik im Theater – hämmernde Beats in Clubs: Das CTM-Festival in Berlin macht den ganz großen Spagat avantgardistischer Popmusik. "Festival for Adventurous Music", also abenteuerliche Musik konnte und kann sich das Publikum anhören, vom 24. Januar bis zum 2. Februar. Man begibt sich also ein Stück weit auf eine Reise ins Unbekannte.

Zum Beispiel in "Chernobyl", einer Konzertaufführung des Soundtracks aus der gleichnamigen HBO-Serie. Geschrieben hat die Musik die Cellistin und Komponisten Hildur Gudnadottir. Sie hat auch den Soundtrack zum Film "Joker" gemacht und ist damit für einen Oscar nominiert – also ein echter Star. Den Chernobyl-Soundtrack oder eine Konzertversion davon hat sie beim CTM-Festival in einer Betonhalle unter einem Krematorium gespielt: großartiger Soundtrack, großartige Musiker und Sound-Spezialisten. Doch als Konzert ohne Film hat es leider nicht funktioniert.

Jacob Kirkegaard bei Tonaufnahmen auf einem Gletscher in Grönland. (Arild Midtbø Kalseth)Zu hören auf dem CTM. Für seine Soundcollagen sammelt Jacob Kirkegaard Töne und Umgebungsgeräusche auf der ganzen Welt - hier etwa auf einem Gletscher in Grönland. (Arild Midtbø Kalseth)

Die Berliner Musikerin Nene H, tritt beim CTM-Festival zusammen mit dem georgischen Nationalchor "Ensemble Basiani" auft. Bevor sie zum Techno wechselte, war sie klassische Konzertpianistin unter ihrem richtigen Namen Beste Aydin. Um sich für den Sprung von der Klassik zum Mischpult zu pushen, benannte sie sich nach Nene Hatun, einer türkischen Widerstandskämpferin. Und die Schwierigkeit scheint sie eher zu genießen: Das Wagnis, die beiden Welten aufeinander prallen zu lassen, ist das, was das CTM in seinen besten Momenten ausmacht.

Verwurzelt im Nachtleben

Ganz deutlich hat das CTM aber immer drauf hingewiesen, wie wichtig seine Roots, die Partynächte sind, in den Clubs wie Griessmühle, Schwuz und Berghain: Es wird immer noch bis zum Morgen oder auch bis übermorgen getanzt und es ballern die Beats. Zum Beispiel beim Auftritt der ugandischen Rapperin MC Yallah, eine große Frau der HipHop-Szene in Ostafrika. Sie hat ein Album mit dem Elektronikproduzenten Debmaster gemacht, das das letzte Jahr in vielen Jahresbestenlisten ganz vorne dabei war. Wieder so ein Clash. HipHop, der von Tupac und Jay-Z kommt, trifft auf harsche Elektronik und abgründigen Dub.

Porträt der kenianischen Rapperin MC Yallah. (CTM Festival / MC Yallah)Die kenianische Rapperin MC Yallah entdeckte im Jahre 1999 den Hip-Hop für sich. (CTM Festival / MC Yallah)

Herausgewachsen ist das CTM aus dem Medienkunst-Festival transmediale. Dort macht Johanna Bruckner eine Videoinstallation mit hybriden Wesen zwischen Mensch und Maschine. Eine Sex-Roboter-Choreographie in futuristisch-psychedelischer Choreographie.

Shows, Soundscapes und Bildwelten im grenzwertigen Bereich. Das Wagnis kann scheitern, und das tut es auch manchmal. Aber es gibt Momente großer Schönheit und bereichernder Verstörung.

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