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Neue Musik | Beitrag vom 31.12.2020

Komponistin Younghi Pagh-PaanDas Eigene im Fremden

Vorgestellt von Carolin Naujocks

Eine ältere Frau steht vor dunklem Hintergrund und ist in eine asiatisch anmutende Tracht gekleidet. (Si-Chan Park)
Younghi Pagh-Paan (Si-Chan Park)

2020 erhielt die in Deutschland lebende koreanische Komponistin Younghi Pagh-Paan den Großen Kunstpreis Berlin. Ihrem Komponieren liegen Begegnungen zwischen traditionellen koreanischen Imaginationen und westeuropäischer Musikkultur zugrunde.

Younghi Pagh-Paans Komponieren ist ein Komponieren von Bedeutungen.

Dass ihre Stücke wirken, auch wenn die Hörer die Bedeutungen nicht alle kennen, hat mit der rituellen Ausstrahlung ihrer Kompositionen zu tun. Dabei gibt es viel Schlagzeug, nicht nur, weil dieses Instrumentarium in der traditionellen koreanischen Musik große Bedeutung hat.

Begegnungen

Die Arbeitsweise von Younghi Pagh-Paan ist in vielfältiger Weise auf die asiatische Kultur bezogen. Jedoch gleicht dieser Rückbezug weniger einem Verfügen über einen Vorrat von traditionellen kompositorischen Mitteln, als vielmehr einer ganz persönlichen musikalischen Entdeckungsreise, um das Eigene im Fremden erst zu finden und verstehen zu lernen.

Symbolische Expressivität

Mit sieben Geschwistern in einer südkoreanischen Kleinstadt aufgewachsen, gehörte die traditionelle Musik mehr als Lebensgefühl denn als Kunstform in ihren Alltag hinein. Und es sind auch heute koreanische Sujets und Imaginationen, die die Entstehung ihrer mit symbolischer Expressivität geladenen Stücke leiten.

Obwohl die traditionell koreanische Musik keine harmonische Dimension im europäischen Sinne kennt, ist die Komponistin auf der Suche nach jenem harmonischen Raum, der als Klangraum und vielleicht als emotionale Färbung auch in der traditionellen Musikkultur assoziiert wird.

Younghi Pagh-Paan

"MAN-NAM I" für Klarinette, Violine, Viola und Violoncello (1977)
"U-MUL" (Der Brunnen) für sieben Instrumentalisten (1992)
"Mein Herz I" für Sopran und Viola (2020)
nach einem Gedicht von H. C. Artmann
"Horizont auf hoher See" für Streichquartett (2016)

Angela Postweiler, Sopran
Ensemble KNM Berlin

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