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Im Gespräch | Beitrag vom 03.05.2021

Komponist Samuel AdlerKeine Angst vor Neuer Musik

Moderation: Katrin Heise

Porträtfoto von Samuel Adler (privat)
Das Werk des Komponisten Samuel Adler umfasst Hunderte von Konzerten und Symphonien. (privat)

Durch glückliche Fügung entkamen Samuel Adler und seine Familie den Nazis. Im Exil in New York studierte er Komposition bei Paul Hindemith. Als Soldat der US-amerikanischen Armee kehrte er nach Mannheim zurück und gründete dort ein Armee-Orchester.

In seiner Kindheit in Mannheim erlebte er, wie die Juden in Deutschland nach und nach an den Rand gedrängt, diskriminiert und verfolgt wurden.

Gleichzeitig lernte er als Sohn eines Kantors die Musik in der großen Hauptsynagoge Mannheims kennen – bis sie in der Reichspogromnacht zerstört wurde. Heimlich rettete er mit seinem Vater Bücher aus dem Gebäude und wäre dabei fast ums Leben gekommen.

"Ich muss Musik schreiben, die ich wirklich liebe"

"Mein Vater kam heim und sagte zu meiner Mutter: 'Also ich muss die Musik retten von der alten Synagoge.' Also meine Mutter hat gesagt: 'Du bist verrückt. Die haben sie ja gesprengt, die haben die Ostwand gesprengt und die Orgel gesprengt.' Die Orgel hat an einem Kabel heruntergehangen. Mein Vater hat mich mitgenommen und wir sind den Chor raufgegangen und ganz leise – da war natürlich alles kaputt.

Aber wir haben 17 kleine Bücher zusammengesammelt und wollten gerade runtergehen aber ich musste niesen. Und da hat der Hauptmann von der SA da unten gesagt: 'Also geht rauf, und schießt jeden, den ihr seht.' In diesem Moment ist die Orgel runtergefallen und wir sind rausgekommen. Das hat unser Leben gerettet. Es hat mein Leben geändert. Ich habe gedacht, ich bin ein 'Survivor'. Darum finde ich, dass ich Musik schreiben muss, die ich wirklich liebe."

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)Das Leben in Mannheim bis zur Reichspogromnacht habe er in guter Erinnerung:

"Also wir haben gut und ruhig gelebt in Mannheim, bis natürlich November 38. Und danach mussten wir weg. Ich kann mich daran nicht mehr wirklich erinnern, nur an die Fahrt. Erst sind wir nach Holland, dann sind wir nach England und dann haben wir ein Schiff der SS Manhattan, von Southhampton nach New York genommen. Das war sehr brenzlig, denn wir kamen in New York an und ich konnte kein Englisch sprechen, aber nach sechs Wochen, haben wir gesprochen wie die Kinder auf der Straße."

"Mein Vater war ein sehr guter Pianist"

Im New Yorker Exil wurde in der Familie weiter die Musik deutscher Komponisten gepflegt.

"Mein Vater war ein sehr guter Pianist. Und wir haben jeden Tag zwei Stunden Sonaten gespielt: Mozart und Beethoven und Mendelssohn, Schumann und Brahms – alle die Sachen."

Samuel Adler studierte später Komposition bei Paul Hindemith, kehrte als Soldat der siegreichen US-amerikanischen Armee nach Mannheim zurück, organisierte dort Konzerte und gründete ein Armee-Orchester.

Welche Rolle spielt der Glauben fürs Komponieren?

Heute gehört Samuel Adler zu den wichtigsten Komponisten zeitgenössischer amerikanischer Musik, sein Werk umfasst Hunderte von Konzerten und Symphonien. "Keine Angst vor neuer Musik", lautet sein Credo.

Warum die Musik ihm das Leben gerettet hat, welche Rolle der Glauben fürs Komponieren spielt und warum er nicht eines, wohl aber viele Lieblingsinstrumente hat, dies und vieles mehr hat Samuel Adler mit der Moderatorin Katrin Heise besprochen.

Die Erstausstrahlung dieses Gesprächs war am 12. September 2017.

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