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Nachspiel | Beitrag vom 13.05.2018

Kommentar zu Frauen und FußballEine Bibiana macht noch keinen Sommer

Von Katrin Weber-Klüver

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Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (3. v. r.) sitzt beim Mannschaftsfototermin am Rande einer DFB-Pressekonferenz zur Vorbereitungswoche der Bundesliga- und Zweitliga-Schiedsrichter im Sporthotel Achental in Grassau (Bayern) zwischen ihren Schiedsrichterkollegen. (Matthias Balk / dpa)
Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus: Ende 30, viel Fußballkarriere kommt da nicht mehr. (Matthias Balk / dpa)

Einen tadellosen Job hat Bibiana Steinhaus in ihrer ersten Saison als Erstliga-Schiedsrichterin gemacht. Was folgt daraus für die Akzeptanz von Frauen im Fußball? Leider nichts, meint Katrin Weber-Klüver. Am Ende sei frau doch nur geduldet.

Man gewöhnt sich an alles, sogar an Frauen im Fußball. Könnte man denken und es für eine reife Leistung moderner Männer halten: Sie tolerieren, dass Frauen im Publikum sitzen, wenn Männer spielen; ab und an auch eine Frau als Kommentatorin oder Moderatorin; seit dieser Saison sogar eine Frau, die Bundesligaspiele der Männer leitet.

Männer akzeptieren also Frauen im Fußball?

Nein.

Tun.

Sie.

Nicht.

Sie tun nur so als ob. Bestenfalls ist es ihnen egal, nicht selten pöbeln sie über die Kuh, die Schlampe, die Hure.

Duldungen sind auf Widerruf angelegt

Frauen haben im Fußball lediglich Gastrecht. Sie sind geduldet. Duldungen aber sind auf Widerruf angelegt. Wenn es dem, der die Duldung ausgesprochen hat, passt, beendet er das Gastrecht wieder.

In dieser Saison hat die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus Gastrecht in der Männerbundesliga bekommen. Steinhaus ist ehrgeizig und talentiert, da wurde es irgendwann schwierig, sie auszuschließen – nur weil sie eine Frau ist.

Ist das nun der Beginn einer wunderbaren Emanzipation? Kaum. Nach Steinhaus gibt es im Profi-Fußball noch Riem Hussein, die drittklassige Männerspiele pfeift. Wie die Polizistin Steinhaus ist die Apothekerin Hussein Ende 30, viel Fußballkarriere kommt da nicht mehr. Und der Nachwuchs? Derzeit sieht es so aus: 15 Prozent der im Deutschen Fußball-Bund organisierten Fußballer sind weiblich, unter den Schiedsrichtern sind es nicht mal vier Prozent.

Steinhaus' Vorbild könnte das ändern. Aber vielleicht ist es gar nicht der Königinnenweg zur Gleichberechtigung, wenn Frauen Männerspiele pfeifen. Geht es um Kommentatorinnen oder Zuschauerinnen, meckern Männer oft über mangelndes Fachwissen. Daran lässt sich arbeiten. Am besten durch Frauen, die Fachwissen mitbringen. Und ganz nebenbei: Dummes Gelaber ist kein Privileg von Frauen, es ist einfach weit verbreitet.

Physischer Vorteil von Männern

Was sich nicht nivellieren lässt, ist der physische Vorteil der Männer, sie sind athletischer, sie sind schneller. Es kann immer mal wieder eine Bibiana Steinhaus geben, die mithält. Aber nur ausnahmsweise.

Frauen im Fußball wirklich ernst zu nehmen, hieße zum Beispiel, neben qualifizierten Frauen bei den Männern auch qualifizierte Männer bei den Frauen Erstligaspiele pfeifen zu lassen. Damit alle voneinander lernen, damit alle verstehen, dass es ein und derselbe Sport ist. Es gibt aber keine Männer, die Frauenbundesligaspiele leiten.

Für den traditionsbewussten Fußballfan ist ja Frauenfußball an sich nach wie vor etwas, das er verachtet. Wobei diese Haltung ihrerseits kein Privileg von Männern ist, sie wird von erstaunlich vielen Frauen geteilt. Frausein allein schützt eindeutig nicht davor, bei Ausgrenzung mitzumachen, solange sie einen nicht selbst trifft.

Selbst Spielerinnen haben nur Gastrecht

In diesem Kosmos haben sogar die Frauen nur Gastrecht, die selbst Fußball spielen. Ist ein Verein der Meinung, er müsse seinen echten, also den Männerfußball stärken, schafft er den Frauenfußball einfach ab. Wie es der Möchtegern-Erstligist Holstein Kiel kürzlich ankündigte, um, Zitat, "Kräfte zu bündeln". Nach Protestaktionen der Frauen und öffentlichem Unmut knickten die Störche ein und kassierten ihren Plan wieder. Gleichberechtigung wäre, wenn niemand überhaupt auf solch eine Idee käme. Auch daran müssen Frauen arbeiten. Damit Männer sich endlich wirklich daran gewöhnen: Der Fußball gehört nicht ihnen, sondern allen.

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