Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Freitag, 15.11.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Studio 9 | Beitrag vom 18.07.2017

KörperbehaarungUnter französischen Achseln sprießt es wieder

Von Barbara Kostolnik

Podcast abonnieren
Achselhaare einer Frau (Imago / Steinach )
Französische Männer - und die meisten Französinnen - mögen die Haut am liebsten glatt. Wenn Haare sprießen, wird rasiert. Junge Aktivistinnen halten dagegen (Imago / Steinach )

Junge Französinnen lassen ihre Körperhaare mittlerweile wieder wachsen - und präsentieren das stolz im Netz. Die Männer sind entsetzt, einige ihrer Geschlechtsgenossinnen ganz und gar nicht. Denn die Frauen haben gute Gründe für den Verzicht auf Rasierer und Co.

Haar oder nicht Haar, das ist vor allem eine Frage des Geschlechts: Ich bin für Haare, sagte Aline, weil das männlicher aussieht. Cyril ist derselben Meinung:

"Ich persönlich finde, ein Mann sollte Haare tragen, aber eine Frau auf keinen Fall."

Während beim Kopfhaar gilt, je wallender desto weiblicher, ist freistehendes Haar auf anderen Körperteilen für Frau Tabu und nur auf Männerhaut ein Schmuck - soweit die vorherrschende Meinung. Daher war die Aufregung groß, als das französische Frühstücksfernsehen folgenden Trend erkannt hatte:

"Der Hashtag des Stunde lautet #lesprincessesontdespoils – weil: die Haare kommen zurück, ja, William, so ist das, die jungen Frauen lassen sich die Haare wachsen, das ist der Trend",

erzählte die Moderatorin an jenem 9. März. William, ihr männliches Gegenüber, blickt entsetzt bis angewidert. "Die Prinzessinnen haben Haare" heißt der Hashtag "LesPrincessesOntDesPoils" übersetzt: Vor allem junge Frauen weigern sich, ihre Körperbehaarung zu entfernen – und zeigen das auch, im Internet, zum Beispiel auf Youtube:

Ich habe mich jetzt seit einem Monat nicht rasiert, und ich liebe es, erklärt die 21-jährige Gwendolyne ihrer Youtuber-Gemeinde. Sie hält ihre rosa eingefärbten Achselhaare in die Kamera.  

"Ihr fragt euch bestimmt, was will die damit? Tja, ich mach das einfach, weil ich es kann, und das ist überhaupt nicht komisch."

Erfunden hat den Hashtag Adèle Labo: bereits vor einem Jahr startete die damals 16-jährige Schülerin ihren Twitter-Aufruf: Sie war in der Schule gemobbt worden, weil sie keine Lust hatte, sich zu rasieren. Der Hashtag ist nach wie vor präsent – und aktuell: Denn der soziale Druck zur Haarentfernung ist ungebrochen.

"Ich will mich so lieben, wie ich bin"

Auch die 18-jährige Deborah lässt sprießen. Ihre Begründung:

"Ich hatte gerade eine ziemlich schwierige Trennung hinter mich gebracht und habe danach beschlossen, zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zurückzukehren, für mich bedeutet das, mich so zu lieben wie ich bin, das mag für andere nicht gelten, aber für mich heißt es das: Ich lasse meine Haare wachsen und akzeptiere mich genau so."

Die Mehrheit der Französinnen – und der Franzosen – findet es jedoch eher haarsträubend, wenn Haar auf Frauenhaut wächst. Kleine Umfrage im französischen Bekanntenkreis: Das ist wirklich unvorstellbar, japst Anne Laure, 42.

"Wie kann eine solche Mode um sich greifen, es ist hässlich. Unter Sonnenkönig Ludwig XIV. haben sich sogar die Männer rasiert, warum hört man damit auf?"

Vielleicht, weil die Zeit der Sonnenkönige vorbei ist und es heute heißt: Les princesses ont des poils, die Prinzessinnen haben Haare.

Mehr zum Thema

Frisuren - Haar ist nicht harmlos!
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 09.11.2016)

Bart-Ausstellung im Neuen Museum - Zwischen Brennscheren und Barttassen
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 10.12.2015)

Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin - Gehorsam vor Gott
(Deutschlandfunk Kultur, Religionen, 24.05.2015)

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur