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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 20.12.2013

Kochen"So schmeckt Israel"

Der kulinarische Botschafter Tom Franz

Von Lissy Kaufmann

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Tom Franz, deutsch-israelischer Koch (picture alliance / dpa)
Tom Franz, deutsch-israelischer Koch (picture alliance / dpa)

Tom Franz ist stets für Schlagzeilen gut – in Deutschland und in Israel. Nachdem er vor ein paar Jahren nach Israel auswanderte und zum Judentum konvertierte, gewann er die israelische TV-Koch-Show "Masterchef".

Kohlrouladen, Marokkanischer Fleischtopf, Sahnehering mit roten Äpfeln, Shakshuka und der Israelisch-rheinische Sauerbraten, mit getrockneten Feigen, am besten serviert mit dem orientalischen Reisgericht Pilaw: Das Kochbuch, im dem diese Gerichte zu finden sind, ist ein Streifzug durch die deutsche und die israelische Küche. Die Rezepte stammen von Tom Franz, dem Deutschen, der Anfang des Jahres die israelische Koch-Show Masterchef gewonnen hat. Das erste Mal kam er als Schüler zum Austausch nach Israel, war fasziniert von dem Land und dem Judentum. Vor neun Jahren zog der heute 40-jährige nach Israel, konvertierte, baute sich ein neues Leben auf. Nun hat er das Kochbuch "So schmeckt Israel" veröffentlicht. Die Gerichte sind aber nicht typisch israelisch, sondern vielmehr typisch Tom Franz. Und der ist nun mal multi-kulinarisch:

"Ich komme jetzt schon fast seit 25 Jahren nach Israel und habe mich insofern den Einflüssen schon lange ausgesetzt, und die sind auch nicht nur durch den Magen, sondern unter die Haut gegangen und durch die Seele und durchs Herz."

Israel sei eben die Weltküche schlechthin, ein Melting Pot von Gerichten, die die Einwanderer aus ihren Heimatländern mitgebracht haben. Tom Franz ist fasziniert von der israelischen Esskultur.

"Dieses Volk lebt um das Essen herum, viel mehr als die Deutschen oder die Europäer oder vielleicht kann ich sagen halt die Christen allgemein. Im Christentum gibt es auch Feiertage, aber das Judentum hat mehr Feiertage und hinzukommt ja der Schabbat, der jede Woche gefeiert wird und der wird halt auch wirklich neben dem Gottesdienst ums Essen herum gefeiert. Das heißt also, jede Woche findet hier ein Festmahl statt, was ich also in Deutschland in meiner Familie nur zu den wirklich großen Kirchenfesten kannte, also wirklich Weihnachten und Ostern. Und das findet hier jede Woche statt. Also das ist eine ganz andere Dimension von Ess-Bewusstsein."

Ganz neue Aufgaben

Koscher sind sie alle, seine Gerichte. Schließlich ist Tom Franz religiös. Eine richtige Kochausbildung hat er allerdings nie gemacht. Die Arbeit in der Küche war lange nur ein leidenschaftliches Hobby. Bis ihn seine Ehefrau Dana überredete, bei der Fernsehshow mitzumachen. Für den Sieg hat Tom Franz hart gearbeitet, Koch- und Lehrbücher studiert, Gerichte entwickelt. Gegen 6000 Bewerber setzte er sich durch. Seit seinem Sieg steht Tom Franz vor ganz neuen Aufgaben:

"Und ich bin ja Anwalt gewesen und ich bin kein Koch, der sein Leben lang Rezepte entwickelt hat und hab nicht einen Stapel in der Schublade gehabt, sondern es ist alles halt zwar in mir, ich kann das, aber es ist halt nicht vorbereitet gewesen. Und dann heißt es auf einmal: Weißte was? Komm, wir machen ein Kochbuch, Hast du Lust? Wie viele Rezepte? Ok. Und dann hab ich mich mal zwei Monate lang hingesetzt und habe jeden Tag Rezepte geschrieben und hab die zum Teil auch nachgekocht um zu schauen ob die alle auch richtig sind."

Die Jury der Fernsehshow hat ihn damals für seine Präzision und seine Pünktlichkeit gelobt. Ein Deutscher, ein Meter 95 groß und blond, wurde zum Star im israelischen Fernsehen und zu einem kulinarischen Botschafter:

"In gewisser Weise ist mir diese Rolle ein bisschen zugefallen und es wird mir jetzt auch nachgesagt, also irgendwo ist es wohl schon richtig. Also als ich zum Masterchef ging war ich eigentlich halt der Deutsche, der konvertiert ist und der in Israel lebt, aber doch der Deutsche. Ich kam auch mit ‘ner Küche und Gerichten die halt doch aus Europa kamen, viel aus Deutschland. Die Leute haben das eben damit identifiziert, auch meine Art zu arbeiten war alles irgendwie Deutsch. Und irgendwie habe ich die Rolle ganz gut hinbekommen denn irgendwie ist das Wort Deutsch ... hat dabei wirklich einen positiven Unterton bekommen und die Leute haben diese deutschen Eigenschaften wirklich wohlwollend aufgenommen und ... ja."

Wer deutsch-israelisch kocht, muss auch deutsch-israelisch einkaufen. Und so geht Tom Franz nicht nur gerne auf den Shuk haCarmel, den Markt in Tel Aviv. Er bringt auch regelmäßig ein paar Sachen aus Deutschland mit, die es hier nicht gibt.

Fleißiger Exilkölner

"Vorneweg gibt es zum Beispiel das Rübenkraut. Das ist diese Masse aus den Zuckerrüben. Das ist was, das finde ich überhaupt nicht, das bringe ich regelmäßig mit. Andere Sachen sind zum Beispiel: Ich kann nicht ohne selbstgesammelte Pilze aus der Eifel, die zu Hause getrocknet wurden. Die bringe ich mir im Schraubglas mit."

Tom Franz hat es geschafft, Küchen und Kulturen zu verbinden. Der kulinarische Botschafter pendelt nun mehrmals im Monat zwischen Israel und Deutschland, gibt Interviews, tritt in Talkshows und bei Veranstaltungen auf.

"Ich find, gerade hier beim Kochen und Essen ist es ähnlich wie überhaupt in der Kunst, besonders auch in der Musik: Das verbindet, und da kommt man ganz schnell über Grenzen weg, wo allein schon Sprache und Kulturen und in unserem Falle auch Geschichte eher trennt. Und auf der Grundlage des Essens lassen sich anscheinend ganz wunderbar Brücken bauen."

Tom Franz hat seinen Weg als Deutscher in Israel gefunden. Vielleicht wird er als nächstes ein deutsches Fastfood-Restaurant in Tel Aviv eröffnen oder ein neues Kochbuch mit deutsch-jüdischen Gerichten schreiben. Die Ideen, das ist sicher, gehen dem fleißigen Exilkölner so schnell nicht aus.

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