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Kommentar | Beitrag vom 11.02.2020

Klinsmann-RücktrittEin würdeloser Abgang

Von Thomas Wheeler

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Nach nur elf Wochen als Trainer bei Hertha BSC stürzt Jürgen Klinsmann die Berliner ins Chaos.  (picture alliance/Andreas Gora/dpa)
Nach nur elf Wochen als Trainer bei Hertha BSC stürzt Jürgen Klinsmann die Berliner ins Chaos. (picture alliance/Andreas Gora/dpa)

Jürgen Klinsmann hat seinen Rücktritt als Trainer von Hertha BSC Berlin erklärt. Der 55-Jährige teilte dies auf seiner Facebook-Seite mit. Stillos, kommentiert Sport-Redakteur Thomas Wheeler - so wie Klinsmanns Umgang mit einem verdienten Spieler.

Wenn Sie etwas machen, dann machen Sie es zu 100 Prozent. Waren das nicht Ihre Worte, als Sie Ende November mit großem Bim Bam Borium als neuer Hertha-Trainer vorgestellt wurden?

Wenn ich jetzt Ihre 76-Tage-Bilanz bei den Berlinern nüchtern zusammenfasse, dann haben Sie nur eins geschafft. Sie haben einen Karren, der ohnehin schon tief im Dreck steckte, zu 100 Prozent gegen die Wand gefahren. Und das, obwohl Sie wussten, dass Sie eine total verunsicherte Mannschaft im Abstiegskampf übernehmen und Sie Ihre Konzentration eigentlich voll auf den Klassenerhalt lenken wollten. Trotzdem schwadronierten Sie gleichzeitig immer von der großen Zukunft, die der Klub dank der Millionen des Investors Lars Windhorst haben könnte.

Alles nur Getöse?

Bei alledem hatte man immer den Eindruck, Sportdirektor Michael Preetz gehe das alles viel zu schnell. Im Dezember machten dann große Spielernamen wie Mario Götze und Granit Xhaka die Runde. Am Ende war das alles nur Getöse. Stattdessen wurden andere, hierzulande eher unbekannte Neuzugänge verpflichtet, für die der Verein aber fast 80 Millionen Euro ausgab. So viel wie kein anderer Erstligist in der Winterpause.

Ein Plan war bei diesen ganzen Umbaumaßnahmen nicht zu erkennen. Es sei denn, Chaos war die Strategie. Dazu passt der Umstand, dass Mitte Januar gemunkelt wurde, Jürgen Klinsmann hätte gar keine gültige Trainer-Lizenz, die dann aber doch nach Einreichung einiger Unterlagen, die er mal eben in der Schublade in Kalifornien vergessen hatte, vom DFB anerkannt wurde.

Als Trainer disqualifiziert 

So wie Jürgen Klinsmann bei der Hertha vorging, wirkte das kopf- und konzeptlos. Dabei konnte sich eigentlich kein Profi mehr seines Arbeitsplatzes sicher sein. Am härtesten spürte das der verdiente Stürmer Salomon Kalou. Der wurde mal eben aussortiert und zum Einzeltraining verdonnert. Das war stillos, Herr Klinsmann. Genauso wie Ihr würdeloser Abgang bei der Hertha, den Sie zunächst auf Ihrem Facebook-Account verkündet haben. Damit haben Sie sich für mich als Trainer endgültig disqualifiziert.

Im Aufsichtsrat des Vereins wollen Sie jedoch bleiben. Wie passt das zusammen, wenn Ihr Credo lautet, Sie würden jede Aufgabe zu 100 Prozent angehen? Dann sollten Sie auch sofort diesen Posten aufgeben.

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