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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.10.2020

Klimaforscherin Katja Matthes"Wir haben schon 77 Prozent des arktischen Meereises verloren"

Katja Matthes im Gespräch mit Liane von Billerbeck

30.09.2020, Schleswig-Holstein, Kiel: Katja Matthes, neue Direktorin des Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, spricht bei einer Pressekonferenz. Die Meteorologin will das Forschungsprogramm künftig an der Beziehung zwischen Mensch und Meer ausrichten. (dpa / Axel Heimken)
„Ich hätte mir gewünscht, dass es keine große Meldung ist, dass erstmals eine Frau diesen Posten übernimmt“, sagt Katja Matthes. (dpa / Axel Heimken)

Erstmals steht mit Katja Matthes eine Frau an der Spitze des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung. Im Kampf gegen den Klimawandel plädiert sie dafür, Chancen und Risiken aller Methoden zu prüfen, etwa CO2 im Meeresboden einzulagern.

CO2 einsparen – das allein wird nach Ansicht der neuen Direktorin des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, Katja Matthes, im Kampf gegen den Klimawandel nicht reichen.

"Die Lage ist relativ dramatisch", sagt die Meteorologin und Klimaforscherin. "Wir haben schon 77 Prozent des arktischen Meereises verloren, Grönland und die Antarktis verlieren jedes Jahr stark an Masse."

Über alle Methoden nachdenken

Die Zeit sei knapp, mahnt Matthes. "Wir müssen in den nächsten zehn Jahren die Weichen stellen." Insofern müsse man auch darüber nachdenken, zur Erreichung der Klimaziele künstlich CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen.

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So könne man beispielsweise CO2 verflüssigen und unter dem Meeresboden verstauen. Kritik an dieser Methode hält sie entgegen, dass man Chancen und Risiken abwägen müsse. Denn am allerschlechtesten sei CO2 in der Atmosphäre aufgehoben. 

"Ich plädiere dafür, sich alle Methoden anzugucken: eine Renaturierung, auch Mangroven in den Tropen. Man kann auch Gesteinsmehl zum Beispiel in den Ozean einbringen und sozusagen das CO2 im Ozean neutralisieren."

"Man muss als Frau ein bisschen mehr leisten"

Matthes, die ihr neues Amt am 1. Oktober angetreten hat, ist die erste Frau an der Spitze von Geomar. Die 45-Jährige studierte von 1995 bis 2000 Meteorologie an der Freien Universität Berlin und arbeitete nach ihrer Promotion mehrere Jahre am National Center for Atmospheric Research in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Seit 2012 ist sie Professorin für Meteorologie am Geomar und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Sie hätte sich gewünscht, dass es keine große Meldung sei, dass erstmals eine Frau diesen Posten übernimmt, so Matthes. Obwohl nach ihrer Promotion durchaus Steine in ihren Weg kamen, wie sie sagt. "Es wurde mir dann klar, dass man als Frau vielleicht ein bisschen mehr leisten muss und auch nicht unbedingt immer leicht Gehör findet, wenn man in Runden sitzt, wo hauptsächlich Männer sind." Aber, sagt sie: "Man gewöhnt sich daran, sage ich immer, und man findet seinen Weg."

Sehr wichtig seien für sie dabei zwei Mentoring-Programme gewesen: das "Profil"-Programm der drei Berliner Universitäten und das Helmholtz-Programm zu Förderung von Frauen in Führung.

(uko)

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