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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.07.2015

Klimaanlagen"Die Sucht nach Kühle"

Eva Horn im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schäfer

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Ventilatorengehäuse für Klimaanlage in einem Industriegebiet in Jerusalem (dpa / picture alliance / Andreas Keuchel)
Ventilatorengehäuse für Klimaanlage in einem Industriegebiet in Jerusalem (dpa / picture alliance / Andreas Keuchel)

Die Klimaanlage ist weltweit auf dem Vormarsch, sagt die Wiener Kulturwissenschaftlerin Eva Horn. Das Wirtschaftswachstum in den Boomstädten im Süden sei der Abkühlung der Bürogebäude zu verdanken, sagt sie.

"Wenn man arbeitsfähig in unserem nordeuropäischen Sinne bleiben will, dann braucht man irgendeine Runterkühlung", sagte die Germanistin und Kulturwissenschaftlerin von der Universität Wien, Eva Horn, im Deutschlandradio Kultur. Traditionell sei die älteste Klimatechnik früher eigentlich eher eine Wärmetechnik und keine Kältetechnik gewesen. "Menschheitsgeschichtlich ist es zunächst mal so, dass der Mensch etwa 100.000 Jahre Kältezeit mitgemacht hat", sagte die Wissenschaftlerin. Die ersten Möglichkeiten, das eigene Überleben zu sichern und einen gewissen Komfort zu erreichen, habe zunächst bedeutet, dass man sich zunächst Wärmezonen schaffe.

Klimaanlagen fördern Wirtschaftswachstum

Heute seien dagegen weltweit die Klimaanlagen auf dem Vormarsch. In den großen Boomstädten des Südens, wie Bangkok, Singapur oder Dubai, die einen großen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt hätten, hätte man das ohne die Kühlung der Bürogebäude durch Klimaanlagen nicht geschafft, sagte Horn. "Das wäre sonst überhaupt nicht denkbar." Bei hohen Temperaturen seien Menschen nicht mehr so richtig effizient. "Jedenfalls nicht effizient in unserem mittel- und nordeuropäischen Sinne." Acht bis zehn Tage arbeiten und sich schnell bewegen, funktioniere nicht bei Wüstentemperaturen.

Ausrüstung von Bürogebäuden und Krankenhäusern in Europa

Aber auch in Europa würden Bürogebäude und Krankenhäuser inzwischen routinemäßig mit Klimaanlagen ausgerüstet, sagte Horn. Auch in Privatgebäuden nehme diese Entwicklung zu. "Wir haben eine Sucht nach Kühle und nach absolut komfortablen Temperaturen", sagte die Wissenschaftlerin. Dies passe zu dem hohen Arbeits- und Effizienzgebot unseres Arbeitslebens. Horn kritisierte den hohen Stromverbrauch. Dabei gebe es ein "altes Wissen", wie man sich auch anders Kühle verschaffen könne.  

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