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Interview / Archiv | Beitrag vom 14.12.2015

Klimaabkommen von Paris"Die Staaten müssen nachlegen"

Hubert Weiger im Gespräch mit Anke Schäfer und Christopher Ricke

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Der Vorsitzende der Organisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Er hebt den linken Arm. (picture alliance / dpa / Stephanie Plick)
Der BUND-Vorsitzende Weiger ist mit dem Klimaabkommen von Paris nur halb zufrieden (picture alliance / dpa / Stephanie Plick)

Gute Ziele, aber schwache Maßnahmen zur Umsetzung: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zieht eine gemischte Bilanz des Weltklimagipfels von Paris. Der Vorsitzende Hubert Weiger befürchtet: Der Klimavertrag wird nicht dazu führen, dass weniger Treibhausgase emittiert werden.

BUND-Chef Weiger war, wie er sagt, "positiv überrascht", dass eine langjährige Forderung seiner Organisation in Paris als Ziel formuliert wurde: dass sich die Durchschnittstemperatur möglichst nur um 1,5 Grad erhöhen solle. Das sei ein großer Schritt nach vorn. Aber: "Wir sind enttäuscht, dass die nationalen Klimaschutzpläne (...) in der Summe so schwach sind, dass wir dieses Ziel mit Sicherheit nicht erreichen werden."

Deshalb fordert Weiger: "Die Staaten müssen nachlegen." So habe sich die EU vorgenommen, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent zu verringern; 19 Prozent seien indes bereits erreicht. Das bedeute, dass in den nächsten Jahren "so gut wie keine Anstrengung" mehr notwendig sei. Das Ziel sei demnach viel zu schwach. "Das ist ein Beispiel von vielen, dass wesentlich engagierter vorangegangen werden muss, weil wir uns sonst eher bei über 3 Grad Celsius Durchschnittstemperatur-Erwärmung am Ende dieses Jahrhunderts befinden als bei 1,5 Grad."

Der Paris-Vertrag ist ein Auftrag zum Handeln

Weiger vermisst in dem Klimaabkommen auch die konkrete Summe von jährlich 100 Milliarden Dollar, die die reicheren Ländern den ärmeren versprochen hätten. Es handele sich mehr oder weniger nur um eine freiwillige Zusage. Das sei ein Defizit: "Denn wir werden diese 100 Milliarden brauchen, um tatsächlich den Übergang in eine nicht-fossile Energiezukunft weltweit durchzusetzen."

Auch beim Verzicht auf Kohle, Öl und Gas müsse "wesentlich mehr geschehen als bisher", so Weiger. Ähnlich sei es in der Landwirtschaft und der Verkehrspolitik:

"Von daher ist letztendlich dieser Paris-Vertrag ein Auftrag zum Handeln an die Staaten dieser Welt, wenn sie ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit behalten wollen. Denn der Vertrag als solches wird eben nicht dazu führen, dass in die Atmosphäre weniger Treibhausgase emittiert werden, sondern nur die konkreten Umsetzungsschritte - und die sind alle sehr schwach formuliert."

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