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Fazit | Beitrag vom 21.01.2021

Kleist-Förderpreis für Ivana Sokola "Zentral ist die Frage: Wer will ich sein?"

Ivana Sokola im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Die Schriftstellerin Ivana Sokola schaut in die Kamera. (Avi Bolotinsky)
Im September wird "kill baby" von Ivana Sokola am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt. (Avi Bolotinsky)

Ivana Sokola bekommt für ihr Theaterstück "kill baby" den Kleist-Förderpreis. Die 17-jährige Protagonistin Kitty wohnt in einem Plattenbau und ist schwanger. Wird sie ihr Kind behalten oder nicht? Die Antwort darauf entscheidet über ihre Zukunft.

Ein Hochhaus aus Beton. Darin lebt Kitty mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Einige Stockwerke über ihr wohnt auch noch der Mann, von dem sie ein Kind erwartet. Will sie es bekommen oder nicht? Und was heißt die Entscheidung für ihr weiteres Leben?

Für ihr Theaterstück "kill baby" zum Thema Abtreibung wird Ivana Sokola in diesem Jahr mit dem "Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker" ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist mit 7.500 Euro dotiert und wird zum 26. Mal verliehen.

Die offizielle Preisverleihung findet zur Eröffnung der diesjährigen Kleist-Festtage am 30. September 2021 statt. Das Nationaltheater Mannheim wird das Stück von Sokola Ende September uraufführen. Die Regie übernimmt Sapir Heller.

Die große Entscheidung

Dann wird eine Schauspielerin auf der Bühne auch diesen Text sprechen: "Zwölf Stockwerke sehen von unten aus wie ein Legoturm. Ein Laken wird von den Leinen gerissen und schwebt schwankend wie ein junger Geist zwischen den Blöcken, den Bäumen entgegen." Weiter heißt es: "Anders ist es mit einem Körper, einem kleinen, der kaum was kann, kaum was dafür kann, kaum gekonnt werden kann, aber zu alt ist, um einfach davon zu fliegen oder zu fallen, geschweige denn zu springen."

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An der Situation der ungewollten Schwangerschaft habe sie vor allem interessiert, wie sich ihre 17-jährige Hauptfigur entscheide, sagt Sokola. Ob sie das Kind als überwindbares Hindernis sehe, sich ohne es selbst verwirklichen oder sich mit Kind häuslich niederlassen wolle. Zentral sei dabei die Frage: Wer will ich sein?

Auch Kittys Mutter und Großmutter haben in dem Theaterstück früh Kinder bekommen. Anfangs ist Kittys Schwangerschaft noch etwas Verbindendes. Doch letztlich will Kitty ausbrechen. Der potenzielle Vater lässt sie sitzen. "Er hätte ihr Ausweg sein können aus dieser schwierigen Situation. Jemand der sagt: Wir machen das zusammen. Du bist nicht allein", erklärt Sokola. "Aber das passiert in diesem Stück nicht."

Werkstattinszenierung an der Volksbühne

Sokola wurde 1995 in Hamburg geboren. Sie studiert Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Nebenbei arbeitet sie bei Zeit Online im Newsdesk. Ihr Stück "kill baby" wurde bereits als Werkstattinszenierung unter der Regie von Heike M. Goetze an der Volksbühne Berlin gezeigt und mit dem Sonderpreis des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises ausgezeichnet.

Der Kleist-Förderpreis wird jährlich von der Stadt Frankfurt (Oder), dem Kleist-Forum und der Dramaturgischen Gesellschaft verliehen. Er gilt als einer der wichtigsten Nachwuchspreise für deutschsprachige Bühnenautorinnen und -autoren.

(sbd)

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