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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 07.03.2015

Kleiner Pieks, großer StreitImpfen - ja oder nein?

Moderation: Gisela Steinhauer

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Ein Mann wird gegen Masern geimpft. (picture alliance / dpa / Lukas Schulze)
Ein Mann wird gegen Masern geimpft. (picture alliance / dpa / Lukas Schulze)

Seit dem heftigen Masernausbruch in Berlin diskutiert Deutschland über eine Impfpflicht. In unserer Sendung "Im Gespräch" lassen wir einen Befürworter und einen Skeptiker zu Wort kommen.

Über kaum ein medizinisches Thema wird derzeit so heiß diskutiert wie über das Impfen. Auslöser ist die heftige Masernwelle in Berlin; seit ihrem Ausbruch im Oktober 2014 ist die Zahl der Erkrankten auf über 700 Fällen gestiegen, täglich kommen neue hinzu. Politiker und Mediziner diskutieren eine Impfpflicht, Impfbefürworter und Skeptiker liefern sich Debatten - auch über den generellen Nutzen und Schaden von Impfungen.

"Impfungen sind die sichersten Waffen, die wir gegen schlimme Krankheiten haben", sagt Dr. Jan Leidel. Der Virologe steht der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut vor, die die offiziellen Impfempfehlungen für Deutschland herausgibt. Er warnt vor der zunehmenden Impfmüdigkeit in Deutschland; sie begünstige akute Ausbrüche wie die der Masern.

"Der Erfolg des Impfens ist einer seiner größten Gegner"

Seine Erfahrung: "Der Erfolg des Impfens ist einer seiner größten Gegner." In dem Maße, wie einst gefürchtete Krankheiten zurückgedrängt würden, verlören sie ihren Schrecken. "Viele Menschen wissen zwar, wo der Impfausweis ihres Hundes oder ihrer Katze ist, nicht aber, wo der eigene liegt." Der ehemalige Leiter des Kölner Gesundheitsamtes trifft oft auf Impfskeptiker und -gegner.

"Bei Erwachsenen bin ich auch relativ gelassen. Da sage ich, 'If you don´t want the vaccine, try the disease'. Aber das sage ich nicht, wenn Eltern die Impfung ihrer Kinder verweigern." Seine Mahnung: "Das Kinderhilfswerk UNICEF pocht auf das Recht der Kinder auf Impfung, weil sonst ihr Recht auf Gesundheit nicht zu realisieren ist."

"Nichtimpfen ist verantwortungsvoll", sagt der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Michael Friedl, "denn ich gebe meine Verantwortung nicht an die Spritze ab. Ich bleibe autonom mit meiner Entscheidung."

"Wir pfuschen der Natur ins Handwerk"

Der Vorsitzende der "Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V." stellt die generellen Impfempfehlungen der Stiko infrage. "Weil ich meine, dass wir damit der Natur ins Handwerk pfuschen. Wir haben einen gewissen Allmachtsanspruch, dass wir mit den Impfungen viele Probleme der Menschheit in den Griff bekommen."

Und er fragt: "Inwieweit ist die Gesundheit etwas, was davon abhängen kann und darf, dass Menschen global zu Eingriffen in ihren Körper gezwungen werden, ohne dass sie das wollen. Was für eine Art von Gesundheit soll das sein, dass alle Bedenken einfach beiseite gewischt werden? Gesundheit ist aus meiner Erfahrung ein weites Lern- und Erfahrungsfeld. Aber dafür ist im Gesundheitssystem und in der Schulmedizin kein Platz."

Kleiner Pieks, großer Streit: Impfen – ja oder nein?

Darüber diskutiert Gisela Steinhauer am Samstag von 9.05 Uhr bis 11 Uhr mit Jan Leidel und Michael Friedl. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de oder auf Facebook und Twitter.

Informationen im Internet:
Über die Ständige Impfkommission

Über den Verein "Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V."

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