Seit 20:03 Uhr Konzert

Freitag, 03.07.2020
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Interview / Archiv | Beitrag vom 19.12.2019

Klavierspielen im AlterWie das Musizieren alte Hirne stimuliert

Eckart Altenmüller im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Beitrag hören Podcast abonnieren
Hände einer älteren Frau auf einer Klaviertastatur. (picture alliance/Sodapix/Katz Arni)
Tastenspiel (auch) für die Synapsen: "Alles, was Sie im Alter lernen, erzeugt neue Vernetzungen in Gehirn", sagt Neurowissenschaftler Eckart Altenmüller. (picture alliance/Sodapix/Katz Arni)

Wer im Alter noch ein Musikinstrument lernt, profitiert davon enorm: Im Gehirn werden neue Vernetzungen erzeugt. Davon abgesehen macht es einfach Spaß, hat der Neurowissenschaftler Eckart Altenmüller an Probanden in Hannover beobachtet.

Es ist eine Studie mit 100 Seniorinnen und Senioren: Am Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover bekommen sie seit diesem Jahr Musikunterricht. Die eine Hälfte eher theoretisch - die andere am Klavier. Es könnte aber auch ein anderes Instrument sein, erklärt Institutsleiter Eckart Altenmüller, der selbst Medizin und Querflöte studierte:

"Alles, was Sie im Alter lernen, erzeugt neue Vernetzungen, dass also bestimmte Zentren im Gehirn sich miteinander verbinden, insbesondere natürlich die für die Motorik, die für das Hören, aber auch die für die Emotionen."

Bei jenen, die Klavier lernten, zeige sich ein Unterschied, so Altenmüller: Frauen machten tendenziell größere Fortschritte als Männer, weil sie seit ihrer Schulzeit viel Handarbeiten gemacht und so ihre Finger-Feinmotorik trainiert hätten. Und sie seien wahrscheinlich fleißiger als Männer. 

Den Körper überhaupt wieder kennenlernen

Das Institut habe eine spezielle Didaktik für Senioren entwickelt, denn diese wollten nicht belehrt werden, sondern Autonomie einbringen. Sie hätten zunächst ihren Körper überhaupt wieder kennengelernt sowie Schultern entspannen und Fingerspitzen Fühlen gelernt. 

Zwar könnten auch Computerspiele Reaktionszeiten und die visio-motorische Koordination trainieren. "Aber die reiche, vor allem auch emotionale Belohnung und dieses langfristige Voranschreiten zu einem immer besseren Ziel: Das haben wir nur in der Musik", sagt Altenmüller. 

(bth)

 

Mehr zum Thema

Hirnforschung - Eckart Altenmüller: "Vom Neandertal in die Philarmonie"
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 26.6.2018)

Neuroeducation - Gehör und Gehirn kann man durch Musizieren schulen
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 19.11.2015)

Hirnforschung - "Musik macht uns widerstandsfähiger"
(Deutschlandfunk Kultur, Thema, 9.12.2013)

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur