Seit 21:00 Uhr Die besondere Aufnahme
Samstag, 15.05.2021
 
Seit 21:00 Uhr Die besondere Aufnahme

Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.01.2013

Klaus Holz: Antisemitismus-Vorwurf wird zur "pauschalen Keule"

Antisemitismusforscher kritisiert Simon-Wiesenthal-Zentrum

Klaus Holz im Gespräch mit Klaus Pokatzky

Jakob Augstein, Journalist und Verleger der Wochenzeitung "der Freitag" (picture alliance / dpa)
Jakob Augstein, Journalist und Verleger der Wochenzeitung "der Freitag" (picture alliance / dpa)

Der Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, Klaus Holz, hat den Antisemitismus-Vorwurf gegenüber dem Publizisten Jakob Augstein bemängelt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum füge damit der eigenen Sache schweren Schaden zu, so Holz.

Dass das Zentrum Augstein auf die Liste der zehn schlimmsten Antisemiten gesetzt habe, sei gefährlich, sagte Holz. Der Antisemitismus-Vorwurf werde auf diese Weise zu einer "pauschalen Keule", die auch dann rausgeholt werde, wenn es um Grauzonen gehe. Indem alles zusammengerührt werde und jede Differenzierung entfalle, unterhöhle das Zentrum den Inhalt des Vorwurfs.

Der Grad zwischen Israelkritik und Antisemitismus sei auch deswegen so schmal, weil jeder noch so kleine Fehler in der Debatte auf eine Weise skandalisiert werde, die eine nüchterne Diskussion extrem erschwere. Holz betonte, Augstein habe Fehler gemacht, und mangelnde Sensibilität dürfe man ihm auch vorwerfen. Vieles von dem, was Augstein in Bezug auf Israel und den Nahost-Konflikt geschrieben habe, sei einseitig und kritikwürdig.

Der Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein sei aber unter dem Strich überzogen. Anstatt ihn zu kritisieren und von ihm zu verlangen, seine Position zu überdenken, werde er sofort mit der Gestapo in eins gesetzt. Den härtesten Augstein-Kritiker Henrik M. Broder bezeichnete Holz als "Pöbler". Viele Intellektuelle duckten sich bei solchen Debatten weg und räumten damit das Feld für "die Broders dieser Welt", klagte Holz.

Sie können die schriftliche Fassung des ausführlichen Interviews, das im Radiofeuilleton lief, nachlesen.

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDie Katastrophe kommt erst noch
Brennender Planet Erde aus dem All betrachtet. (imago-images / Action Pictures)

Die "NZZ" kann der Hoffnung auf eine Zeit des Feierns nach der Pandemie nichts abgewinnen. Man feiere schon längst Exzesse, "als ob es kein Morgen gäbe" und die Erfahrung einer Katastrophe stehe unseren hedonistischen Gesellschaften noch bevor.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur