Dienstag, 22.10.2019
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.01.2013

Klaus Holz: Antisemitismus-Vorwurf wird zur "pauschalen Keule"

Antisemitismusforscher kritisiert Simon-Wiesenthal-Zentrum

Klaus Holz im Gespräch mit Klaus Pokatzky

Podcast abonnieren
Jakob Augstein, Journalist und Verleger der Wochenzeitung "der Freitag" (picture alliance / dpa)
Jakob Augstein, Journalist und Verleger der Wochenzeitung "der Freitag" (picture alliance / dpa)

Der Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, Klaus Holz, hat den Antisemitismus-Vorwurf gegenüber dem Publizisten Jakob Augstein bemängelt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum füge damit der eigenen Sache schweren Schaden zu, so Holz.

Dass das Zentrum Augstein auf die Liste der zehn schlimmsten Antisemiten gesetzt habe, sei gefährlich, sagte Holz. Der Antisemitismus-Vorwurf werde auf diese Weise zu einer "pauschalen Keule", die auch dann rausgeholt werde, wenn es um Grauzonen gehe. Indem alles zusammengerührt werde und jede Differenzierung entfalle, unterhöhle das Zentrum den Inhalt des Vorwurfs.

Der Grad zwischen Israelkritik und Antisemitismus sei auch deswegen so schmal, weil jeder noch so kleine Fehler in der Debatte auf eine Weise skandalisiert werde, die eine nüchterne Diskussion extrem erschwere. Holz betonte, Augstein habe Fehler gemacht, und mangelnde Sensibilität dürfe man ihm auch vorwerfen. Vieles von dem, was Augstein in Bezug auf Israel und den Nahost-Konflikt geschrieben habe, sei einseitig und kritikwürdig.

Der Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein sei aber unter dem Strich überzogen. Anstatt ihn zu kritisieren und von ihm zu verlangen, seine Position zu überdenken, werde er sofort mit der Gestapo in eins gesetzt. Den härtesten Augstein-Kritiker Henrik M. Broder bezeichnete Holz als "Pöbler". Viele Intellektuelle duckten sich bei solchen Debatten weg und räumten damit das Feld für "die Broders dieser Welt", klagte Holz.

Sie können die schriftliche Fassung des ausführlichen Interviews, das im Radiofeuilleton lief, nachlesen.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsGedenken an Verlegerin Monika Schoeller
Die Verlegerin Monika Schoeller lacht in die Kamera. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Die Verlegerin Monika Schoeller ist gestorben. Sie wurde 80 Jahre alt. Schoeller war Gesellschafterin der Holtzbrinck Group und Verlegerin der S. Fischer Verlage. Sie fiel mit ihrer Zurückhaltung in der Öffentlichkeit auf, schreibt die "Süddeutsche". Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur