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Konzert / Archiv | Beitrag vom 06.05.2014

Kirschblüten an der Trave

Ryusuke Numajiri & die Lübecker Philharmoniker

Der japanische Dirgent Ryubuke Numajiri (2002) (picture alliance / dpa - Hermann Wöstmann)
Der japanische Dirgent Ryubuke Numajiri (2002) (picture alliance / dpa - Hermann Wöstmann)

Der neue Generalmusikdirektor des Lübecker Theaters blickt mit seinem Orchester in die japanische Heimat und nach Paris. In einem Konzert des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Ryusuke Numajiri in der Musik- und Kongresshalle der Hansestadt treffen französische Spätromantik und japanische Moderne aufeinander.

Was für den französischen Komponisten Camille Saint-Saëns noch wild, aufregend und exotisch war, ist im Manga-Zeitalter internationales Allgemeingut – die Begeisterung für die Eigenarten der japanischen Kultur. Hierzulande ist er leider kaum als Opernkomponist bekannt – mit seinem Einakter "La princesse jaune" (Die gelbe Prinzessin) von 1872 drückte Saint-Saëns eine Sehnsucht aus, die einer fernen unerreichbaren idealen Welt galt.

Dieses Werk sollte als erste seiner Opern überhaupt auf die Bühne kommen. Exotismus hatte ja gerade in Frankreich Hochkonjunktur, in der Musik- wie in der Kunstwelt. Und je weiter entfernt der Gegenstand war desto unverfänglicher. Schon die Ouvertüre zur "Gelben Prinzessin" fasst die wesentlichen musikalischen Gedanken des Zwei-Personen-Stücks zusammen und lässt erahnen, was der Komponist in den fremden Gefilden gesucht haben mag.

Gut hundert Jahre nach dem europäischen Exotismus werden Komponisten aus dem Fernen Osten in den Ländern unseres Kontinents immer noch selten gespielt. Selbst wenn man ihren Namen kennt wie den von Tōru Takemitsu, verbindet sich doch mit ihrer Musik immer noch der Reiz des unverständlich Fremden. Dabei strebten Künstler wie Takemitsu eher nach einer allgemein und global verständlichen Musiksprache als nach nationalen Eigenarten.

Der 1996 gestorbene Komponist reflektiert in den Versen seines Landsmannes Shuntarō Tanikawa die Bande des Familienlebens. Die Sprecherin blickt häufig melancholisch eingefärbt auf die vergangenen Generationen zurück, eben einen Stammbaum. Die Solistin in diesem Werk "Family Tree", das Takemitsu 1992 komponiert hat, ist die Sängerin Rebecca Quinn.

Eine verkappte Orgelsinfonie ist die überaus beliebte d-Moll-Sinfonie von César Franck. Kein Wunder, wirkte der belgische Komponist mit deutschen Wurzeln doch viele Jahre als Organist an einer der großen Pariser Kirchen. Ähnlich wie Anton Bruckner dachte, fühlte und komponierte auch César Franck in den Kategorien der "Königin der Instrumente". Vor allem die Klangblöcke aus dem Geist des Registrierens und das Schreiten durch weite Harmonie- und Klangräume lassen diese Sinfonie bis heute eindrucksvoll und gewaltig wirken.

Ryusuke Numajiri gehört zu den wichtigsten japanischen Dirigenten der mittleren Generation. Seit vielen Jahren ist er auch in Europa tätig. Jetzt kann an diesem gemischten Programm an seiner neuen Wirkungsstätte, dem Lübecker Theater, zeigen, dass er in allen Klangwelten zu Haus ist, in der neuen und traditionellen Musik wie in der aller Kontinente - ob sie nun Fernweh ausdrückt oder sich auf die eigenen familiären Wurzeln beschränkt. Musikalische Fantasie findet sich überall – auch im kleinsten Garten, in dem ein einziger Kirschbaum blüht.

 

Musik- und Kongresshalle Lübeck
Aufzeichnung vom 04.05.2014

Camille Saint-Saëns
"La princesse jaune", Ouvertüre op. 30

Tōru Takemitsu
"Family Tree", Musical Verses for Young People

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

César Franck
Sinfonie d-Moll

Rebecca Quinn, Sprecherin
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Leitung: Ryusuke Numajiri

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