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Vollbild | Beitrag vom 11.05.2019

Kinokolumne Top FiveIsabelle Hupperts beste Filme

Von Hartwig Tegeler

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Isabelle Huppert blickt in einer Großaufnahme nachdenklich in die Kamera, zu sehen ist ein großer goldener Ring an ihrer Hand. (imago images / snapshot / M. Krause)
Die große Diva des französischen Kinos: Isabelle Huppert. (imago images / snapshot / M. Krause)

Unbequem, geheimnisvoll, willensstark – schon früh war Isabelle Huppert eine faszinierende Schauspielerin. Als 19-Jährige drehte sie mit Claude Sautet und Romy Schneider ihren ersten Film. Der Beginn einer steilen Karriere.

Platz 5: "César und Rosalie" von Claude Sautet (1972)

Sie war 19 Jahre alt, als Claude Sautet, der große Beziehungsphilosoph unter den französischen Regisseuren, Isabelle Huppert in einer Nebenrolle als Schwester von Rosalie besetzte, eine Frau, gespielt von Romy Schneider, zwischen zwei Männern – Yves Montand und Sami Rey. Leicht pummelig, dabei quirlig mit einer heftigen Lebensenergie ausgestattet, spielt sie in einem ihrer ersten Filme. Wie Sautet schon früher als viele andere das Potential von Romy Schneider jenseits des Sissi-Klischees verstand, ging es ihm ähnlich mit der jungen Huppert?

Platz 4: "Heaven´s Gate" von Michael Cimino (1980)

In Ciminos düsterem Western-Masterpiece spielt Isabelle Huppert die junge Prostituierte Ella. Auch hier eine Frau zwischen zwei Männern: Kris Kristofferson und Christopher Walken. Erstaunlich, wie die Europäerin in der Badeszene am Fluss mit ihrer Nacktheit eine große Sinnlichkeit, Lust und Lebensfreude in eine Western-Standard-Szene "hineingibt", die im Genre so gut wie immer voyeuristisch, aber dabei gleichzeitig unerträglich puritanisch, spießig und lustfeindlich inszeniert wurde.

Platz 3: "Die Klavierspielerin" von Michael Haneke (2001)

Faszinierend war sie schon bei Michael Cimino und zeigte damit schon eine der Eigenschaften, die zu ihrem Markenzeichen wurden: unbequem, unergründlich, geheimnisvoll, elegant, schlagfertig, komisch, bissig, zerbrechlich, dann wieder willensstark. Wie anders als so schauspielerisch ausgestattet sollte es auch möglich sein, die Klavierlehrerin am Wiener Konservatorium, Hauptfigur in Hanekes Elfriede-Jelinek-Verfilmung, mit ihren neurotisch-sexuellen Abgründen darzustellen, die noch als 30-Jährige mit ihrer Mutter in einem Bett schläft und zu einem Klavierschüler ein sadomasochistisches Verhältnis entwickeln will. Der ist allerdings von Erikas Anmutung so verstört, wie wir es als Zuschauer sein können bei einem Film, der wie eine kühle, klinische Fallstudie wirkt.

Platz 2: "Alles was kommt" von Mia Hansen-Løve (2016)

"Manchmal habe ich das Gefühl, uns Frauen ab 40 kann man einfach auf den Müll werfen. Kennst du Frauen in meinem Alter, die ihre Männer verlassen?" sagt Nathalie, die nach 25 vorgeblich glücklichen Jahren von ihrem Mann verlassen wird. Nathalie steht für eine Variante "dieser vollständigen Geschichte der Frauen". Darum ging es ihr, wie Huppert einmal als ihr Credo formulierte, bei den Rollen, die sie über die Jahre spielte. Die Philosophielehrerin Nathalie sucht nach der Trennung in "Alles was kommt" einen neuen Weg für ihr Leben. Frei von den Zwängen, die sie sich selbst in ihrer Beziehung geschaffen hatte. Ein schöner Film über die Fallstricke des Älterwerdens, geschrieben und inszeniert von einer Frau, Mia Hansen-Løve, die knapp drei Jahrzehnte jünger ist als ihre Hauptdarstellerin. Mit Regisseurinnen zu arbeiten, war Huppert immer wichtig.

Platz  1: "Elle" von Paul Verhoeven (2016)

Eine Unternehmerin, Single, wird in ihrer Wohnung vergewaltigt. Wie geht die knapp 50-Jährige mit diesem Gewalteinbruch in ihr Leben um? Verhoeven und seine Darstellerin Huppert erzählen scheinbar einen Rachethriller über eine Frau, die die Vergewaltigung zunächst ganz sächlich verarbeitet, sich dann aber auf irritierende Weise auf ein ambivalentes Spiel mit dem Vergewaltiger, ihrem Nachbarn, einlässt. Und so die Dämonen ihrer Vergangenheit besiegt. Vielleicht! Ein abgründiger Thriller, in der Isabelle Huppert mit ihrer Darstellung – einmal wieder – bis an die Grenze der Erträglichkeit gehen – radikales "Schauspielen" eben.

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