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Vollbild | Beitrag vom 18.03.2017

Kinokolumne "Top Five"Die fünf besten Filme übers Kiffen

Von Hartwig Tegeler

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Die rüstige Rentnerin Paulette (Bernadette Lafont) in einer Szene des Films "Paulette" von Jérôme Enrico (picture alliance / dpa / Neue Visionen)
Bernadette Lafont als dealende Rentnerin in "Paulette" von Jérôme Enrico (picture alliance / dpa / Neue Visionen)

"Lommbock" kommt in die Kinos: Die Fortsetzung der Kiffer-Komödie "Lammbock" mit Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz, die auch diesmal nur die Droge im Kopf haben. Hartwig Tegeler hat sich die besten Kinofilme übers Kiffen nochmal angeschaut und aufgelistet.

Platz 5 – "Easy Rider" von Denis Hopper (1969)

Jack Nicholson zeigt sich noch ganz unbeholfen beim ersten Joint am Lagerfeuer mit Peter Fonda und Denis Hopper. Den gesellschaftlich verordneten Cannabis-Horror gemäß der Devise "Alkohol ja, Pott nein!" hat auch der saufende Provinzanwalt George in sich verankert. Dann nimmt George, der mit den beiden Hippies auf ihren Motorrädern in die Freiheit fahren will, einen Zug. So wie der Muslim aus fremden Ländern vom Redneck beziehungsweise dem amtierenden US-Präsidenten unter generellen Terrorverdacht gestellt wird, so war der kiffende Hippie Ende der 1960er Symbol von Gegenkultur und Unordnung. George wird am Lagerfeuer totgeschlagen, Wyatt und Billy von ihren Motorrädern geschossen. Ein dunkles Bild über Amerika, in dem Kiffen in "Easy Rider" zur Gesellschaftskritik wird.

Platz 4 – "The Big Lebowski" von Joel und Ethan Coen (1998)

US-Schauspieler Jeff Bridges in "The Big Lebowski" von Ethan und Joel Coen aus dem Jahr 1998 (imago / United Archives)Sympathischer Looser: Jeff Bridges in "The Big Lebowski" von Ethan und Joel Coen (imago / United Archives)

Diese Zeiten sind vorbei in "The Big Lebowski". Hänger, Looser, lange fettige Haare, immer den Joint in der Hand, aber dem "Dude" setzt Jeff Bridges bei den Coens ein Denkmal! Der "Dude" ist sympathisch, auch, wenn er nicht mal den herunter gerauchten Joint aus dem Auto-Fenster gekickt kriegt - weil: Fenster zu! -, also, wir mögen ihn, wenn er in dieser Welt von Absurdität, Leistungs- und Machtwahn einfach sagt: Ich kiffe, also bin ich. Diese Leck-mich-Parole ist kein gesellschaftlicher Gegenentwurf, aber kann helfen.

Platz 3 – "Bube, Dame, König, grAS" von Guy Ritchie (1998)

Ohne Guy Ritchie zu nahe treten zu wollen, aber das Drehbuch von "Bube, Dame, König, grAS" wirkt wie ein Gangsterthriller auf Dröhnung. Wer hier gerade wen übers Ohr zu hauen sucht, die vier kleinen Betrüger den Big Boss, ihre kriminellen Nachbarn ... oder die Marihuana-Anbauer, ihrerseits auch nicht gerade die hellsten. Dass die Geschichte in "Bube, Dame, König, grAS" nicht richtig auf den Punkt kommt, hat damit zu tun, noch mal, ich möchte Guy Ritchie nichts unterstellen, dass der ganze Film wie zugedröhnt wirkt. Aber nicht nur Gangster und Drehbuchautoren kiffen inzwischen.

Platz 2 – "Seite an Seite" von Chris Columbus (1998)

Die beiden US-amerikanischen Schauspielerinnen Julia Roberts (r) und Susan Sarandon in einer Szene des neuen Kinofilms "Seite an Seite", der am 28.1.1999 in die Kinos kommt. Inhalt: Isabel (Julia Roberts), eine erfolgreiche Werbefotografin, ist frisch verliebt. Doch mit ihrem Traummann Luke (Ed Harris) treten gleich drei weitere Menschen in ihr Leben: Lukes Kinder und seine Ex-Frau Jackie (Susan Sarandon). Als bei Jackie Krebs diagnostiziert wird, wendet sich das Blatt und die zwei Rivalinnen werden zu Freundinnen. (picture-alliance / dpa / Columbia Tristar)Julia Roberts (r) und Susan Sarandon in einer Szene von "Seite an Seite" (picture-alliance / dpa / Columbia Tristar)

Die neue Frau versucht alles, damit die Kinder des Mannes, den sie heiraten will, sie mögen; deren Mutter versucht, das zu verhindern. Soweit, so klar: kein Kifferfilm, sondern Psychogramm eines Familienkonflikts. Und dann bekommt Jackie, die Mutter und Ex-Frau die Diagnose: Krebs. Ein außergewöhnliches Kiffer-Bild im Kino, wenn wir Susan Sarandon alias Jackie sehen, schon vom Tode gezeichnet, mit einem kleinen Joint in einem Gartenstuhl. Weit weg von Hippie-Träumen. Ein langer Weg, den Hasch beziehungsweise Gras im Film zurücklegen mussten: Vom Anti-Marihuana-Film "Reefer Madness" von 1936 bis zur sterbenden Krebs-Patienten in "Seite an Seite", bis aus dem Dämon ein Heilmittel wurde.

Platz 1 – "Paulette" von Jérôme Enrico (2013)

Die ältere Dame, die Straßendealerin wird. Erzählt als politisch unkorrekte Komödie. "Ich will Drogen verkaufen." Paulette, gespielt von der wunderbaren Bernadette Lafont, ist ein ziemliches Biest voller Sozialneid, Fremdenhass, enttäuscht vom Leben. Paulette geht´s nur ums Überleben über dem Mindestrenten-Niveau. Sie und ihre Freundinnen werden die Stars unter den Dealern. Doch Verkauf von Drogenkeksen vor Grundschulen, dazu sind sie nicht bereit. So viel Moral muss sein. Man kann "Paulette", Jérôme Enricos Film, als Feelgood-Movie sehen. Aber die Drogenrealität in den Banlieues, die blendet der Film trotz seines romantischen Kiffer-Happyends in Amsterdam nicht aus.

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