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Vollbild | Beitrag vom 16.05.2020

Kinokolumne Top FiveDie besten Filme über Fußball

Von Hartwig Tegeler

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Die Fußballerinnen Jess und Jules (re., mit Pokal) werden von ihren Manschaftskolleginnen getragen.  (20th Century Fox / Courtesy Everett Collection )
So sehen Siegerinnen aus: Parminder Nagra und Keira Knighley (re.) jubeln in "Kick it like Beckham" über den Pokal. (20th Century Fox / Courtesy Everett Collection )

Das Runde muss ins Eckige: Für Millionen Bundesbürger ist Fußball weit mehr als eine schnöde Wochenendbeschäftigung: Sie fiebern den Bundesligaspielen entgegen. Auch Hartwig Tegeler. Er stellt die fünf besten Fußballfilme aller Zeiten vor.

Platz 5: "Offside" von Jafar Panahi (2006)

Ein verbotener Film über ein Verbot: Iranische Frauen dürfen nicht ins Fußballstadion. Aber die Sehnsucht und  der verzehrende Wunsch, dabei zu sein, sie bleiben für die Frauen in "Offside". "Komm, gib mir ein Ticket!", sagt Simar, die sich wie andere fußballbegeisterte junge Frauen als Junge verkleidet ins Stadion schleichen will. "Aber wie willst du an der Polizei vorbeikommen?", fragt der Ticketverkäufer. Berechtigte Frage! Die Frauen werden entdeckt, verhaftet und am Rande des Stadions festgesetzt. Und sprechen nun mit ihren Wärtern über eine Gesellschaft, die Frauen Fußball und damit pure Lebensfreude verbieten will. Das wird nicht gutgehen – für die Gesellschaft, sagt uns Jafar Panahi.

Platz 4: "Kick it like Beckham" von Gurinder Chada (2002)

Der Stadionbesuch der Tochter ist für die traditionell lebende indisch-britische Familie zwar kein Problem, aber die Plakate von David Beckham in Jess´ Zimmer findet Mutter Bhamra schrecklich. Noch viel schrecklicher ist für sie der Wunsch der Tochter, dieses Spiel auch noch zu spielen. Jess´ bester Freund, mit dem sie im Park das Runde in das Eckige knallt, hat einen Rat: "Spiel doch einfach und erzähle nichts davon." Funktioniert anfänglich, aber als Jess auch noch ihre Freundschaft zu Mitspielerin Jules intensiviert und dann noch der Trainer Joe … ach, die Lügengebäude krachen zusammen. Am Ende dieser Phantasie über die Liebe, das Spiel, schneidet Jess den Ball so an, dass der Torwart nicht den Hauch einer Chance hat. Geschichte über weibliche Selbstermächtigung und ein schöner Fußball-Traum.

Platz 3: "Ultra – Blutiger Sonntag" von Ricky Tognazzi (1990)

Ein tiefschwarzer Fußball-Albtraum. Tognazzi taucht in das Soziotop der italienischen Fußball-Hooligans ein. Principe kommt nach zwei Jahren Knast aus dem Gefängnis. Eine Steigerung gäbe es allerdings noch. Das Stadionverbot, das ein Kumpel von ihnen bekommen hat. Für drei Jahre. Die Testosteron-geschwängerten Rituale, der Wunsch, sich mit den gegnerischen Fans zu prügeln, gipfelt beim Spiel zwischen AS Rom und Juventus Turin in einer Messerstecherei, bei der Principe seinen Freund aus Versehen ersticht. Toxische Männlichkeit zeigt sich in der Projektion auf den Fußball.

Platz 2: "Nordkurve" von Adolf Winkelmann (1993)

Es geht um den Abstieg aus der Bundesliga. Von Union Dortmund. Der alles entscheidende Samstag. Wobei der Samstag an sich sowieso immer – unter der Ball-Perspektive – entscheidend ist: "Montag bis Freitag kannst du vergessen. Der Samstag, das ist der Tag. Und der Samstag muss es bringen", meint einer der Dortmund-Fans am Anfang von "Nordkurve". Im Irrwitz dieses Spiels und all den Verwicklungen zwischen Spielern, den Managern, den Frauen, den Geliebten und den Fans in diesem Ruhrpott-Fußball-Soziotop scheint eine Welt auf, die weder heil noch romantisch ist, sogar ziemlich brutal, in der betrogen und gelogen wird, die aber gleichzeitig besessen ist vom Wahnsinn der 90 Minuten. "Nordkurve" erzählt mit anderen Worten von einer bestimmten Form von Heimat.

Platz 1: "Ballfieber – Fever Pitch" von David Evans (1997)

Sagt der Vater zum Sohn: "Wir müssen doch nicht jedes Mal, wenn wir in London sind, zu Arsenal gehen. Oder? Dieses Stadium können wir doch irgendwann hinter uns lassen." Meint der Sohn zum Vater, der den das erste Mal zu einem Arsenal-Spiel mitgenommen hat: "Dieses Stadion werden wir nie hinter uns lassen." Der nun erwachsene Paul – Colin Firth – ist Lehrer, aber vor allem FC-Arsenal-Fan. Für Paul ist die Welt in Ordnung, wenn er sich die Jahreskarte im Stadion leisten kann. Pauls Fußball-Fanatismus offenbart sich jedoch als solcher, als er sich in Sarah verliebt, für die Fußball zu den exotischen, also zu vernachlässigenden Randerscheinungen des Lebens zählt. Frage: Sind die Liebe und das Leben mit dem Fußball und dem Fan-Dasein vereinbar? Die Antwort, die David Evans in dieser Nick-Hornby-Verfilmung gibt, ausgestattet mit einem wunderbaren Witz und einer gehörigen Boshaftigkeit, lautet: Ja, wenn es denn sein muss. Außer FC Arsenal steht vor der Meisterschaft. Weil, das ist ein kosmischer Ausnahmezustand. Kosmisch! Ausrufezeichen.

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