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Vollbild | Beitrag vom 10.10.2020

Kinokolumne Top FiveDie besten Filme über Chöre

Von Hartwig Tegeler

Ein Nonnenchor steht auf einer Bühne und singt Gospellieder. (imago images / Everett Collection)
Mischt mit Musik ein Kloster auf: Whoopi Goldberg im Film "Sister Act". (imago images / Everett Collection)

Als Whoopi Goldberg 1992 unfreiwillig in einem Nonnenchor singen muss, bringt sie die Damen dort mit ihrem Gospelgesang ordentlich auf Trab. „Sister Act“ ist einer der schönsten Chorfilme, von denen wir einige noch einmal Revue passieren lassen.

Platz 5 – "Sister Act" von Emile Ardolino (1992)

Im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms der anderen Art landet die Nachtclubsängerin Deloris im katholischen Kloster und rockt da selbst die Nonnenschaft – zunächst allerdings nicht ganz freiwillig: "Ich bin gezwungen, Ihre Tätigkeiten zu beschränken auf eine einzige Tätigkeit. – Welche denn? – Sie werden im Chor mitsingen." Dieser Chor der Nonnen gibt schräge öde Kirchenlieder zum Besten, bis Whoopi Goldberg als Doloris das Gospelvirus sät. Oh Lord! Auch, wenn die Krimihandlung – höflich gesprochen – etwas "aufgesetzt" wirkt, ist den Gesangseinlagen bis hin zum finalen Auftritt des Chores vorm Papst Lebendigkeit nicht abzusprechen. Der eine oder andere Rhythmus, bei dem jeder – auch jede – mitmuss.


Platz 4 – "Pitch Perfect" von Jason Moore (2012)

Beca tritt also in den High-School-A-Cappella-Chor ein, und aller Streit, der zwischendurch entbrennt, wird wieder gut, denn ein Chor ist natürlich im Film immer auch Ort sozialer Versöhnung, hier vor allem aber auch Spiegel der Gesellschaft beziehungsweise deren Perfektions- und Leistungswahns. Der gemeinsame Gesang dient vor allem dem Zweck, den gegnerischen Chor zu besiegen. Und die adaptierten Songs von Rihanny, Miley Cyrus oder Salt-N-Pepa runden diesen feuchten Traum von Gelacktheit und Der-Beste-sein-zu-Wollen ab.


Platz 3 – "Wie im Himmel" von Kay Pollak (2004)

Wenn man sich aber nicht auf dem ersten Platz beim Wettstreit befindet, sondern ganz wo anders, eher wie im Himmel. "Ich komm gerade hier vorbei, und da höre ich Gesang. Und da ist ziemlich Vieles schön", sagt Daniel, der Stardirigent, der nach einem Herzinfarkt seine Karriere beendet, ins Dorf seiner Kindheit zurückkehrt und dort Leiter des Dorfchores wird. Ein Laienchor, der beim abschließenden Wettbewerb ohne den sterbenden Daniel auf der Bühne steht und nun einen Ton findet. Den Ton! Wie sagte Daniel: "Also, du meinst … – Dass alles schon da ist. Und wenn alle davon wissen, dann holen wir die Musik." Daniels Chor setzt, der Ton steigt empor, das Publikum, alle Chorsänger und Sängerinnen stimmen ein. Und die Idee, dass Musik und Singen Liebe, Versöhnung, Miteinander bedeuten, findet hier sein Bild. Ja, man wird das kitschig finden, wenn man noch nie in einem Chor gesungen hat.


Platz 2 – "Die Kinder des Monsieur Mathieu" von Christophe Barratier (2004)

Zum Chorfilm und seinen erzählerischen Standards gehört der Mentor, irgendwie Außenseiter – hier Monsieur Mathieu, gescheiterter Musiker, jetzt in einem Internat zum Musiklehrer degradiert –, der aber mit großer Leidenschaft und Einfühlsamkeit einen Chor – hier aus angeblich unerziehbaren Kindern – formt. Solch genregemäßer Chorleiter entdeckt natürlich singende Ausnahmetalente und formt ein wunderbares Sängerensemble. Diese – klar! – Klischees sind alle drin in "Die Kinder des Monsieur Mathieu". Doch die Sehnsucht, die Welt, ihre Brutalität – hier die des Internats und seines Leiters – zu befrieden und Geborgenheit und Glück im Singen zu finden, die steckt hier auch drin. Wir können sie spüren.


Platz 1 – "Young@Heart" von Stephen Walker (2007)

Das Durchschnittsalter dieses Chores beträgt 80 Jahre; das Repertoire: Rock- und Punk-Songs; von Springsteen, Dylan, Bowie, The Clash bis zu den Talking Heads. Wenn Daniel in "Wie im Himmel" von der Musik spricht, die immer da ist, man müsse sie nur hören, dann machen die Mitglieder dieses Seniorenchores deutlich, welche Energie das Chorsingen verströmt. "Warum sind Sie denn quasi direkt vom Krankenhaus zur Probe gekommen", fragt Filmemacher Walker Bob, den alten Chorsänger. "Weil ich es liebe!" Bob wird bald sterben, Joe auch, die alten Sänger und Sängerinnen müssen das verkraften; die beiden sind ja nur vorausgegangen.

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