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Vollbild | Beitrag vom 30.05.2020

Kinokolumne Top FiveDie besten Filme mit Clint Eastwood

Von Hartwig Tegeler

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Das von der Filmfirma Warner Bros. Pictures veröffentlichte Bild zeigt Clint Eastwood in einer Szene in "The Mule". Er hat eine Schirmmütze auf, im Hintergrund sind Gewächshäuser zu sehen. (picture alliance / Warner Bros. Entertainment Inc./ Claire Folger)
Er war Holzfäller, Lagerarbeiter und Schwimmlehrer, dann begann er seine Filmkarriere. In seinem bislang letzten Werk "The Mule" spielt er einen 90-jährigen Drogenkurier. (picture alliance / Warner Bros. Entertainment Inc./ Claire Folger)

Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar" mit ihm war die Geburtsstunde des Italo-Western. Zurück in den USA avancierte er zum Oscar-prämierten Topstar. Am 31. Mai wird Clint Eastwood 90 Jahre alt. Hier sind fünf Filme, die bezeichnend für sein Werk sind.

Platz 5 - "Für eine Handvoll Dollar" (1964)

Der einsame Fremde in der einsamen Stadt mit den wundersam-lakonischen Dialogen. Sagt der Wirt zu Joe, später sein Freund: "Essen, Trinken, Schießen. Das ist alles, was ihr im Kopf habt. Was anderes könnt ihr nicht." Und Joe meint nur: "Da irrst du dich, ich kann nämlich noch was anderes nicht. Ich kann nicht bezahlen." Nach 217 Folgen der Western-Serie "Rawhide – Cowboys" heuerte Clint Eastwood bei Sergio Leone in Italien an. Und etablierte als Markenzeichen das säuerlich verzogene Gesicht – angeblich, indem er grauenhaft stinkende Zigarillos rauchte. Ein Typ, ein Ausdruck, eine Leinwandikone war geboren, die es aus der Weite des im spanischen Amarilla begründeten Italowestern auch hinein in die Großstadt-Straßen schafften.

Platz 4 - "Dirty Harry" (fünf Teile, 1971 bis 1988)

Brutalität, Rache und Selbstjustiz fielen im Western nicht weiter auf; sie waren immer Bestandteile des Genres. Im Großstadt-Film war das anders. Dirty Harry! Der Cop, der mit seiner 45er Magnum San Francisco säuberte, wurde Kult und war ideologisch heftig umstritten. Law & Order, Rache, Selbstjustiz – es war immer gegenwärtig, egal, ob Eastwood "nur" spielte oder gleichzeitig auch auf dem Regiestuhl saß. Eastwood: Republikaner, Richard-Nixon- und Ronald-Reagan-Fan, aber Gegner von George W. Bush und des Irak-Krieges. Ein Reaktionär? Oder ein Libertärer, dessen Helden nur ihr eigenes Leben leben wollten, ohne Einfluss des Staates. Einmal sagte er: "Ich mag die libertäre Sichtweise, jeden in Ruhe zu lassen." Eastwood ist gegen Demokraten, aber für die Homo-Ehe, für das Recht auf Abtreibung, für den Schutz der Umwelt. Kurzum: Politisch ist er aus europäischer Perspektive schwer einzuordnen.

Platz 3  - "Erbarmungslos" (1992)

Der alte Revolverheld, den Clint Eastwood spielt, will einen Mann umbringen, um das Kopfgeld zu bekommen. Die Brutalität, mit der in "Erbarmungslos" getötet und geprügelt wird; die Auswirkungen, die die Gewalt auf alle Beteiligten hat; dass Gewalt diejenigen, die sie ausüben, selbst zerstört: Das war ein ganz anderer Ton bei dem Filmemacher. Und kein klassischer Eastwood-Held mehr, denn der Mann schafft es am Anfang kaum noch aufs Pferd. "Ein Western, der seine Mythen zerschlägt", sagt Eastwood selber über "Erbarmungslos". Er wolle aufhören mit der Verherrlichung des Tötens oder der Romantisierung amoralischer Menschen. Doch mancher Kinogänger fragte sich anderthalb Jahrzehnte später, beim Heldenepos über einen Irak-Krieg-Scharfschützen, ob "Erbarmungslos" und "American Sniper" wirklich vom gleichen Filmemacher stammten.

Platz 2 - "Die Brücken am Fluss" (1995)

Clint Eastwood "konnte" auch wie Robert Redford. Ein Fotograf, der für National Geographic die überdachten Brücken im Madison County in Iowa fotografieren will, trifft auf eine einsame, von ihrem Mann vernachlässigte Hausfrau. Eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich. Und das Faszinierende außer dem Spiel von Meryl Streep und Clint Eastwood: Der harte Brocken, den dieser Schauspieler-Regisseur immer gab, zeigt hier eine sanfte Seite. Und: Eastwood erzählt keinen Mythos, zeigt reale Menschen. Und ihre Schönheit, auch, wenn sie keine Helden sind.

Platz 1 - "The Mule" (2018)

In seiner bis jetzt – bei Eastwood weiß man ja nie – letzten Rolle als Schauspieler in einem von ihm selbst inszenierten Film spielte Clint Eastwood – alterszerknittert, vom Alter gebeugt, mit verhärmten Gesicht und stolprigen Gang, das Haar schütter – als 88-Jähriger einen 90-jährigen Drogenkurier, der seine mexikanischen Kartellbosse mit seinem Eigensinn zum Wahnsinn treibt. Was der Kartellboss über ihn sagt, das mag man als Eastwood'sches Selbstporträt betrachten: "Hör zu, hör zu! Er bewegt sich auf seine eigene Art. Und hat damit Erfolg. Und wenn er seine Route ändert, ist das vielleicht besser für uns. Er ist weniger berechenbar." Was kann man Besseres über einen Künstler sagen, dessen Filme immer wieder nerven und nicht weniger selten begeistern mit ihrer großen, klassischen Erzählkunst.

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