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Vollbild | Beitrag vom 31.08.2019

Kinokolumne Top 5Die besten Filme mit Richard Gere

Von Hartwig Tegeler

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Der Schauspieler Richard Gere kommt zur Verleihung des 11. Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2018. (picture alliance/dpa/Henning Kaiser)
Richard Gere macht sich auch um die Welt verdient: Hier bei der Verleihung des Deutscher Nachhaltigkeitspreises. (picture alliance/dpa/Henning Kaiser)

Zuerst war er der "Mann für gewisse Stunden", dann der Mann, der "Pretty Woman" alias Julia Roberts für gewisse Stunden von der Straße auflas und dann zu seiner "Braut, die sich nicht traut" machte. Am 31. August ist Richard Gere 70 Jahre alt geworden.

Geboren ist Richard Gere am 31. August 1949 in Pennsylvania als Sohn eines Versicherungsvertreters und einer Hausfrau. Berühmt wurde er 1980 durch seine Rolle in "Ein Mann für gewissen Stunden" und natürlich an der Seite von Julia Roberts in "Pretty Woman". Doch die Vielfalt des aktiven Buddhisten und Dalai-Lama-Freundes bei seiner schauspielerischen Arbeit, seit dem Kino-Debüt im Jahr 1975, ist äußerst vielfältig. 

Platz 5: "In der Glut des Südens" von Terrence Malick (1978)

Richard Gere als Stahlarbeiter Bill, der mit seiner Freundin 1916 nach Texas auf eine Farm flieht, nachdem er in Chicago seinen Vorarbeiter getötet hat. Auch der reiche Weizen-Farmer – Sam Shepard – wird am Ende von Bill umgebracht und Bill bei der erneuten Flucht erschossen. 29 Jahre ist Richard Gere 1978 alt. Sein Gesicht: wie ungeschliffen, ohne Kanten, ein wenig rund gar; jung wirkt es. Aber immer mit diesem Ausdruck von Staunen über das Melancholische, das Melodramatische, das in diesem visuell betörenden Film geschieht; auch ein Staunen darüber, dass Bill kein bisschen Herr des Geschehens ist, eigentlich eher wie ein Blatt wirkt, das der Strömung eines Flusses folgen muss, das treibt.

Platz 4: "Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft" von Lasse Hallström (2009)

"Das ist kein gewöhnlicher Hund", sagt der japanische Freund zu Parker. So kommt der Uniprofessor auf den Hund: am Bahnhof, auf dem Weg nach Hause. Dass Hachiko, der treue Hund – eine japanische Akita -, nicht nur als Welpe zu Tränen rührt, sondern auch, wenn er nach dem Tod von Parker weiterhin immer um 17 Uhr am Bahnhof wartet, ist wahrlich keine Überraschung. Die Kitsch-Gefahr umschifft Richard Gere, indem er Parker, den Prof, in einer wunderbaren Spanne von erwachsenem Mann und vor Freude fast vergehendem kleinen Jungen spielt, wenn er seinen vierbeinigen Gefährten – auf ihn wartend – sieht. Alles ist mit Allem verbunden. Vor dem kann man sich auch in einer solchen Hunde-Mensch-Geschichte gelassen verbeugen.

Platz 3: "Die Braut, die sich nicht traut" von Garry Marshall (1999)

Und da waren sie wieder zusammen, neun Jahre nach "Pretty Woman": Richard Gere an der Seite von Julia Roberts. Er Kolumnist aus New York, sie Eisenwarenhändlerin vom Land, die schon einige Male, bevor die Trauung vollendet war, aus der Kirche flüchtete. Julia Roberts Lächeln ist natürlich weiter ohne Worte. Aber er, Richard Gere – auch wenn die Haare seit "Pretty Woman" grau geworden sind – hat dieses unverschämt süffisante, charmante, mal ironische, mal betörende Grinsen. Echtes Markenzeichen und hilfreich, wenn es darum geht, wie am Ende in "Die Braut, die sich nicht traut", eine widerspenstige Schöne zu erobern – da, auf dem romantischen Kino-Ponyhof.

Platz 2: "Internal Affairs" von Mike Figgis (1990)

"Kann ich Ihnen vertrauen?" "Aber selbstverständlich können Sie das. Ich bin ein Cop", meint der korrupte, mörderische L.A.-Cop. Das Gesicht nun schmal, fast hager, Bürstenhaarschnitt, die Augen ein wenig zusammengekniffen. Eiskalte Aura. Alles Zarte, Nette, Freundliche, Ironische, aller Charme – einem Lauern gewichen: Richard Gere spielt das Böse schlechthin. Das, was erstaunt, ist nur, dass Richard Gere das in dieser Rolle – die wie ein Kontrapunkt zum dem bis dato Gespielten wirkt – so überzeugend kann.

Platz 1: "Norman" von Joseph Cedar (2016)

Richard Gere in einer phantastischen Vorstellung als Norman Oppenheimer, Unternehmer, immer im Kamelhaar-Mantel. Norman geht zu Fuß durch New York, telefoniert, spinnt ein Netzwerk. Ist er das Zentrum eines Systems von Macht und Geld? Ist er machtvoller Strippenzieher? Oder möchte er das nur sein? Alt geworden ist Richard Gere, die grauen Haare, die Falten, manchmal ist das Gesicht puterrot. Der Ausdruck: etwas verkniffen, weil Norman ja alles will, jede Lüge, die hilft, lügt, jeden Kotau, den es zu machen gilt, macht, jede Freundlichkeit vorspielt, und vielen, vielen auf die Nerven geht.

Alles bleibt offen am Ende von Joseph Cedars Film "Norman". Aber diese Spannbreite von Norman Oppenheimers Gefühlen, vom Erfolg bis zu totalem Versagen, drückt sich in Richard Geres Gesicht – unter der schmalen Mütze, mit der Brille und den Stöpseln des Telefons im Ohr – auf geniale wie geheimnisvolle Weise aus.

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