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Vollbild | Beitrag vom 11.01.2020

Kinokolumne Top 5 Der Erste Weltkrieg im Film

Von Hartwig Tegeler

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Filmstill aus dem Antikriegfilm-Klassiker von 1930 "Im Westen nichts Neues". Regie: Lewis Milestone, Darsteller: Lew Ayres, Louis Wolheim. (imago/United Archives)
"Im Westen nichts Neues" gilt als Klassiker des Antikriegsfilms. (imago/United Archives)

Im Kino sind die Grenzen zwischen Kriegsfilm und Antikriegsfilm oft fließend. Eine Explosion im Schützengraben oder eine von Bomben zerstörte Landschaft entfalten ihre eigene Ästhetik, auch in Filmen über den Ersten Weltkrieg.

Platz 5: "African Queen" von John Huston (1951)

Deutsch-Ostafrika: Die schräge Liebesgeschichte zwischen dem Dampfboot-Kapitän - Humphrey Bogart - und der tough-patriotischen Missionarin - Katherine Hepburn-, die sich an den Deutschen, die ihr Missions-Station im Dschungel zerstört haben, rächen will. Dass am Ende diese selbstgebauten Torpedos, die sie bei ihm in Auftrag gibt, den deutschen Militär-Kreuzer versenken und damit auch die kurz vor ihrer Hinrichtung getrauten Helden retten, bleibt Hollywood-Logik. Der Erste Weltkrieg im fernen Europa, ist nur Hintergrundfolie für einen Abenteuerfilm.

Platz 4: "Gallipoli" von Peter Weir (1981)

Die Geschichte der Freundschaft zweier junger Australier – einer von ihnen Mel Gibson –, die im Jahr 1915 in die Schlacht zwischen Türken und deren alliierten Gegnern auf der türkischen Halbinsel geraten. Kriegsgräuel bleiben im Film fast gänzlich außen vor. Berührend und bewegend ist diese Erzählung schon, natürlich auch der Tod des einen der beiden Freunde im Kugelhagel bei einem sinnlosen Angriff. Aber das untergründig Zermürbende, das auch nach dem Abspann eines verstörenden Antikriegsfilms anhält, das kann Regisseur Peter Weir nicht erzeugen.

Platz 3: "Johnny zieht in den Krieg" von Dalton Trumbo (1971)

Den Schützengraben hat Johnny nur als Torso überlebt. Er kann nicht sprechen, nicht hören, nicht sehen. Nur sein Tastsinn existiert noch. Nur langsam wird einigen im Pflegepersonal klar, dass dies noch ein fühlender Mensch ist. Im Krieg war Johnny ein Funker. Mit den Bewegungen seines Kopfes versucht er, Morsezeichen zu geben. Sein Wunsch zu sterben, wird ihm aber abgeschlagen. So vegetiert dieser Mensch als fleischliches Material für die Forschung der Militär-Ärzte dahin. In einem ewig, quälenden langen Abspann, sehen wir, wie Johnny mit dem Kopf Morsezeichen gibt, während seine innere Stimme im Off ruft.

Platz 2: "Wege zum Ruhm" von Stanley Kubrick (1957)

Die aussichtslose Eroberung der Höhe 19 soll dem General die nächste Stufe auf der Karriereleiter sichern. Die Verluste tut er mit einer Handbewegung ab. "Müssen wir die Höhe wirklich haben?", fragt der Colonel Dax – gespielt von Kirk Douglas. "Frankreich erwartet, dass Sie ihre Pflicht tun!", lautet die Antwort des Generals. "Wege zum Ruhm" ist eine gnadenlose Parabel auf das Militär, seine Herrschaftsstrukturen, Machtgier und einem Karrierismus, der auf dem Leben der Untergegebenen ausgetragen wird. Für den gescheiterten Angriff auf die deutsche Höhe will der französische General willkürlich ausgewählte Soldaten wegen "Feigheit vor dem Feind" hinrichten lassen. Colonel Dax verteidigt diese "Sündenböcke", aber die Militärmaschine ist nicht aufzuhalten. Der in seiner Analyse schonungslose Antikriegsfilm wurde bis 1975 in Frankreich nicht gezeigt.

Platz 1: "Im Westen nichts Neues" von Lewis Milestone (1930)

Wie in anderen Ländern – so auch in Frankreich – hatte auch dieser Klassiker des Antikriegsfilms bis in die 1960er-Jahre Aufführungsverbot. 1914: Der Gymnasiallehrer schickt sie, garniert mit patriotischem Pathos, direkt von der Schulbank in die Schützengräben. Als Paul nach schwerer Verletzung und Monat um Monat im Stellungskrieg in seine alte Schule zurückkehrt, treffen verlogener Kriegs-Patriotismus inklusive der Leugnung der Wirklichkeit in den Schützengräben und reale Erfahrung aufeinander. Mit seinen kritischen Einwänden wird Paul als Feigling beschimpft.

Verzweifelt kehrt er – freiwillig – an die Front zurück. Da kriecht er aus dem Schützengraben, um einen Schmetterling zu berühren, einziges Symbol für das Leben in dieser toten Umgebung. Ein französischer Scharfschütze erschießt den jungen, zerstörten Mann. Ein Stimme aus dem Off sagt: "An einem Tag, der an der ganzen Front so ruhig und still war, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte: Im Westen nichts Neues." Lewis Milestone Verfilmung von Ernst-Maria-Remarque ist ein Antikriegsfilm, der auch heute noch Entscheidendes über den Krieg erzählt und darüber, wie der Mensch in der Maschine dieses Grauens verbraucht wird.

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