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Vollbild | Beitrag vom 19.12.2020

KinojahresrückblickHalt auf freier Strecke

Christian Petzold und Anke Leweke im Gespräch mit Susanne Burg und Patrick Wellinski

Christian Petzold und Paula Beer beim Screening des Kinofilms 'Undine' zum Kino-Neustart nach dem Corona Lockdown im Delphi Filmpalast. Berlin, 02.07.2020. (Picture alliance / GeislerFotopress / Kern)
Start verschoben: "Udine" von Regisseur Christian Petzold, hier mit Hauptdarstellerin Paula Beer, kam wegen Corona erst im Sommer in die Kinos. (Picture alliance / GeislerFotopress / Kern)

2020 war das Jahr, in dem der Pandemie-Thriller zur Wirklichkeit wurde: Die Kinoszene beschäftigt nichts so sehr wie die Folgen von Corona. Gemeinsam mit Regisseur Christian Petzold und Filmkritikerin Anke Leweke blicken wir zurück.

So wenig Kino gab es in den 115 Jahren Kinogeschichte wohl selten. Dabei begann 2020 furios: Mit einer spannenden 70. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele in Berlin und der großen Sensation aus Hollywood. Zum ersten Mal in der Geschichte der Oscarverleihung gewann mit dem koreanischen Spielfilm "Parasite" ein nicht-amerikanischer Film die Auszeichnung als bester Film. Ein neues Kapitel der Internationalität schien eröffnet.

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Aber dann kam das Virus: Kinoschließungen, Produktionsstopps und Streamingboom haben die Branche so erschüttert wie bislang nichts zuvor. Wie wird sich das Kino jetzt ändern? Was können Regisseure, was kann die Filmkritik tun?

Ein Jahr wie ein ganzes Leben

Das sind Fragen, die auch Regisseur Christian Petzold beschäftigen, der dieses Pandemiejahr sehr extrem erlebt hat. Die Weltpremiere seines Spielfilms "Undine" konnte kurz vor der Pandemie in gewöhnlicher Tradition noch auf der Berlinale bewundert werden. Es gab sogar einen Preis für Paula Beer als beste Darstellerin.

Später ist Petzold selbst an Covid-19 erkrankt. Als die Kinos wieder öffnen durften, war "Undine" der erste Film, der in die Lichtspielhäuser kam. Im September war der Regisseur Mitglied der internationalen Jury beim ersten physisch stattfindenden Filmfestival in Venedig. Und im Dezember, kurz vor dem zweiten Lockdown, hat Paula Beer für Ihre Rolle der Undine den Europäischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin erhalten.

"Es kommt mir vor wie ein ganzes Leben dieses Jahr", sagt Petzold. Er habe diese unterschiedlichen Phasen als sehr anstrengend erlebt. Besonders die Lust am Kino wurde immer größer. Er habe genug vom Streaming gehabt und sei sehr froh gewesen, wieder seinen Film bewerben zu dürfen, erläutert Petzold.

Dabei sei ihm aufgefallen, wie zentral Kinoräume auch für städtisches Leben seien. "Vielleicht sollte die Filmkritik zukünftig den Filmraum als Ort in ihre Filmerfahrung aufnehmen", schlägt er vor.

Kinos als zentrale, urbane Orte

Auch für die Filmkritikerin Anke Leweke hat sich dieses Kinojahr sehr seltsam angefühlt. So wenig im Kino war sie in ihrem Leben selten.

"Es war eine interessante Erfahrung", so Leweke. Während der Zeit der Kinoschließungen konzentrierte sie sich auf die Filmgeschichte. Im Kuratieren von Filmen quer durch Zeiten und Genres, mit Einbeziehung von Online-Portalen, sieht sie sogar eine neue Relevanz ihres Berufs: "Gerade Themen wie das afroamerikanische Kino oder das Kino Südostasiens bekommen so eine neue Sichtbarkeit."

Zentrales Thema des Jahresrückblicks bleibt aber die Gretchenfrage: Wie hältst du es mit dem Streaming? Europäische Kinobetreiber erzählen vom Stand der Dinge und von Ängsten, dass das Publikum nach dem Virus ausbleibt.

Regisseur Petzold bleibt dabei optimistisch und kämpferisch: Das Kino werde überleben. "Die jungen Leute werden nach der Pandemie erst ins Café und die Clubs gehen – und dann in die Kinos."

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