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Tonart | Beitrag vom 30.10.2018

Kinofilm "Der Klang der Stimme"Das persönlichste aller Instrumente

Daniel Gloger im Gespräch mit Carsten Beyer

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Filmstill aus dem Film "Der Klang der Stimme": Ein Sänger und eine Sängerin stehen auf einer Bühne. (Der Klang der Stimme)
Singen kann Glückshormone freisetzen und Stress reduzieren. (Der Klang der Stimme)

In seinem neuen Dokumentarfilm widmet sich Bernhard Weber der Stimme. Damit hat er den Sänger Daniel Gloger sehr beeindruckt. Im Gespräch erzählt er auch, wie er zum Singen kam und was die Stimme zu einem besonderen Instrument macht.

Alles beginnt mit einem Schrei. Das erste Geräusch eines Neugeborenen ist eines von vielen, die Bernhard Weber für seinen Dokumentarfilm "Der Klang der Stimme" aufgezeichnet hat. Nach dem namenlosen Baby lässt Weber unter anderem den Jazzsänger Andreas Schaerer auftreten. "Ich war sehr beeindruckt – insbesondere von Schaerer", sagt Daniel Gloger im Deutschlandfunk Kultur, der nicht nur seit Jahren als Countertenor auftritt und Neue Musik singt, sondern sich auch viele Gedanken zur Stimme und zum Singen macht. "Auch für mich als experimentellen Sänger gibt es da viel zu lernen."

Die Stimme fasziniere Menschen, weil sie unmittelbar sei, sagt Gloger. "Man merkt der Stimme immer an, was den Menschen umtreibt." Und das lernte Gloger schon als Kind. "Bei uns in der Familie wurde sehr viel gesungen."Von Andre Schaerer heißt es im Film, er habe seine ersten Gesangserfahrungen bei einer Tante im Badezimmer gemacht, wo er die Bodenkacheln besang.

"Und dann gibt es einen Flow"

Glogers erster Auftritt, erinnert er sich im Gespräch, fand jedoch fern der Badewanne in "kirchlichem Zusammenhang" statt. Noch heute singe er, denn: "Alle möglichen stimmlichen Kleider anzuziehen ist wahnsinnig aufregend."

Davon dass Singen mitunter nicht nur schön klingt, sondern auch psychologische Effekte hat, handelt Webers Dokumentarfilm ebenfalls. Denn beim Singen werden Glückshormone ausgeschüttet und Stress reduziert. Das kennt Gloger auch von seinen Auftritten: "Idealerweise bin ich am Anfang nervös und das ist gut. Dieses Adrenalin hilft der Stimme, um in die farbigen, großen, aufregenden Klänge reinzukommen. Und dann gibt es einen Flow. Und wenn man da in diesen Tunnel kommt, ist es großes Glück. Dann kann man wirklich anfangen, seinen Körper als Ganzes zu spüren und sich vor allem – was ganz wichtig ist beim Singen – nicht mehr zuzuhören."

(nsc)

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