Seit 15:05 Uhr Musiktag

Mittwoch, 22.05.2019
 
Seit 15:05 Uhr Musiktag

Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.06.2014

KinoZwei ungleiche Schwestern

Götz Spielmanns "Oktober November" ist ein sehenswerter Film über eine Heimkehr

Von Jörg Taszman

Podcast abonnieren
Nora von Waldstätten in einer Szene des Films "OKTOBER NOVEMBER" (picture alliance / dpa)
Nora von Waldstätten in einer Szene des Films "OKTOBER NOVEMBER" (picture alliance / dpa)

Die junge, erfolgreiche Schauspielerin und ihre Schwester, die Land-Gastwirtin: Regisseur Götz Spielmann erzählt in "Oktober November" unaufgeregt und lebensnah die Geschichte zweier ungleicher Schwestern und einer Selbstfindung.

Sonja Berger ist eine junge erfolgreiche Schauspielerin, die in ihrem Beruf jedoch leicht unterfordert wirkt. Privat hat sie sich gerade von einem verheirateten Mann getrennt, der ihr ebenso nachstellt wie dessen eifersüchtige Ehefrau. Die seit Jahren in Berlin lebende Österreicherin Nora von Waldstätten spielt Sonja sehr überzeugend: nach außen hin ewig lächelnd und kontrolliert wie eine maskenhafte, innerlich leere Frau. Erst als Sonja von Berlin ins heimische Österreich zurückkehrt, um ihren Vater und ihre Schwester zu besuchen, findet sie allmählich wieder zu sich selbst.

"Oktober November" ist vor allem ein Film über zwei ungleiche Schwestern. Während die Jüngere auszog und berühmt wurde, plagt sich die Ältere, Verena, mit dem Gasthof in einer Provinzstadt ab. Sie versorgt den Vater, der nie viel kommunizierte und nach einem Herzinfarkt zum Pflegefall wird, und sie leistet sich mit einem unkonventionellen Dorfarzt (Sebastian Koch) eine Affäre.

Glaubwürdig und äußerst sehenswert

Das erzählt der Österreicher Götz Spielmann, der für seinen Vorgängerfilm "Revanche" 2009 immerhin eine Oscarnominierung erhielt, völlig unaufgeregt und lebensnah. So bodenständig wie Verena ist auch die Inszenierung von Spielmann. Das mag mitunter etwas spröde und unnahbar wirken, wird durch die guten Schauspieler jedoch glaubwürdig und äußerst sehenswert. Und wieder einmal beweist das österreichische Kino, dass es in seiner Dichte bei Alltagsbeobachtungen und sozialer Genauigkeit näher am Leben ist als der deutsche Kinofilm.

Mehr Infos auf der Film-Webseite

OKTOBER NOVEMBER
Österreich 2013; Regie: Götz Spielmann; Darsteller: Nora von Waldstätten, Ursula Strauss, Peter Simonischek, Sebastian Koch u.a.; 114 Minuten

Kulturpresseschau

Aus den FeuiletonsDreiecksgeschichte mit Roboter
Weiblicher Roboter mit dem Spiegelbild einer Frau. (imago stock&people)

Was passiert, wenn ein Haushaltsroboter Gedichte schreibt und sich in die Freundin des Hausherrn verliebt? Das zeigt der Schriftsteller Ian McEwan in seinem neuen Roman, der das Jahr 1982 neu erfindet – und die Beziehung zwischen Mensch und Maschine.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur