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Vollbild | Beitrag vom 28.04.2018

Kino-Kolumne Top FiveKarl Marx und seine Theorien

Von Hartwig Tegeler

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Mit ihrer engen Freundschaft entsteht eine weltbekannte Idee: Friedrich Engels (Stefan Konarske) und Karl Marx (August Diehl). (Kris Dewitte, Neue Visionen Filmverleih)
August Diehl als Karl Marx (r.) und Stefan Konarske als Friedrich Engels: Der Film "Der junge Karl Marx" darf in Hartwig Tegelers Charts nicht fehlen. (Kris Dewitte, Neue Visionen Filmverleih)

Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx geboren. Zusammen mit Friedrich Engels formulierte er Ideen, die die Welt nachhaltig veränderten. Sein Leben und der Marxismus haben dementsprechend viele Filmemacher inspiriert – von Jean-Luc Godard bis Alexander Kluge.

Platz 5: "Der junge Karl Marx" von Raoul Peck (2017)

Karl Marx, hier 26 Jahre alt, Ehefrau Jenny und Friedrich Engels im Exil, kurz vor der Fertigstellung des Kommunistischen Manifests, das mit der Aufforderung an die Proletarier endet, sie mögen sich doch vereinigen. Die Idee der Umwälzung der Verhältnisse, die Marx und Engels im Jahr 1844 antrieb, wirkt nicht erledigt in Zeiten, in denen die Schere zwischen Arm und Reich immer brutaler auseinander klafft.

Doch die reine Erkenntnis die Aktualität von Marx reicht nicht. Wie bemerkt Jenny Marx im Film? "Vielleicht müssten wir etwas mehr als drei sein."

Platz 4: "Weekend" von Jean-Luc Godard (1967)

Godard steht mit Eisenstein oder Pasolini zusammen in der Reihe von Filmemachern, die ihr Medium nutzten, um Marx´ Theorien zu verbreiten. Die Dekadenz der bürgerlichen Gesellschaft kurz vor dem Zusammenbruch findet ihr Bild in "Weekend" in den endlosen Staus und Autounfällen.

Der Kapitalismus hat das soziale Zusammenleben zerstört, nur die Revolution kann Abhilfe schaffen, sagt Godard in seinen Filmen Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre, sich ganz in den Dienst des Klassenkampfes stellend. Ideologisch, ästhetisch und dramaturgisch wirklich ein Film aus einem anderen Jahrhundert.

Platz 3: "Sweet Movie" von Dušan Makavejev (1974)

Vom Schönheitswettbewerb über die Ehe mit dem tumben Milchbaron bis zum Bad in Schokolade als Werbemodel. Das ist Caroles Geschichte. Die von Anna spielt auf den Kanälen von Amsterdam; am Kopf ihres Bootes ein riesiger Kopf von Karl Marx.

Und zu dieser Kritik an der Unterdrückung der Sinnlichkeit im Kommunismus wie Kapitalismus gibt's "Avanti Popolo" zu hören: "Vorwärts Volk, zum Gegenangriff, die rote Fahne, die rote Fahne." Und dazu jede Menge Collagen und Zeitsprünge und genüssliches Chaos. Hätte Marx so viel anarchischen Geist wie in "Sweet Movie" gut geheißen?

Platz 2: "Monty Python's Communist Quiz" (1982)

"'The Hammers', der Spitzname welchen Fußballclubs ist das?", fragt Moderator Eric Idle in der weltgrößten TV-Show Karl Marx alias Terry Jones, der nichts machen muss, als erhaben zu glotzen. So, wie seine Mitratenden Lenin, Mao und Ché Guevara. Marx muss natürlich passen. Er hat keine Ahnung, obwohl die Inselbewohner ihn wegen seines Exils in London als Engländer sehen, dass West Ham United F.C. "The Hammers" genannt wird. Also glotzt er.

Was soll ein zum Säulenheiligen Erstarrter auch sonst machen? Aber die Mitglieder der Monty-Python-Truppe, die schon Jesus in "Das Leben des Brian" durch den Kakao zogen, dürfen selbiges natürlich auch bei Karl Marx. Man kann nur den Hut ziehen vor den britischen Komikern und Satirikern.

Platz 1: "Nachrichten aus der ideologischen Antike" von Alexander Kluge (2008)

Der auch gleich unten bleibt, der Hut, bei Helge Schneider als Kluges Karl Marx, der das "Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" hoch fiepsend und piepsend deklamiert – mit Perücke -, um damit zu begründen, dass die Bevölkerung bei solcher Intonation ihre Probleme mit dem Zusammenschluss hatte. Kluges "Nachrichten aus der ideologischen Antike", das sind Miniaturen zur Marxschen Theorie, in denen Peter Sloterdijk, Oskar Negt, Helge Schneider und andere ganz eigene Blicke auf Marx´ und Engels´ "Das Kapital".

Die sehr eigenwillige Kluge-Adaption der Idee von Sergej Eisensteins, 1927 Marx´ Hauptwerk zu "kinofizieren". Das Projekt wurde nichts, Kluge holt es jetzt nach. In 570 Minuten auf 3 DVDs. Fundgrube über Marx und sein Werk, die Vergangenheit und unsere Gegenwart, was die Synapsen zum Kochen bringt.

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